Schilddrüsen-Erkrankungen bei Frauen

Insgesamt sind in der Bevölkerung mehr Frauen als Männer von Störungen der Schilddrüse betroffen. Ein Grund dafür ist in den großen Hormonschwankungen während des Lebens einer Frau zu suchen. Schwangerschaft und Wechseljahre, aber auch die Hormoneinnahme bei Verhütung und Hormonersatztherapie setzen den weiblichen Körper wechselnden hormonellen Einflüssen aus. Da alle Hormone im Körper, also auch Schilddrüsen- und Sexualhormone sozusagen "Hand in Hand" arbeiten, treten Störungen oft während oder nach solchen Umstellungen auf.

Probleme bleiben lange unentdeckt

Zusätzlich bleiben gerade bei Frauen die Schilddrüsen-Probleme oft lange Zeit unentdeckt, weil die Beschwerden sehr allgemein sind und mitunter auch als "typisch weibliche" Befindlichkeitsstörungen oder Wechseljahrsbeschwerden abgetan werden können: Depressive Verstimmungen, Gewichtszu- oder abnahme, Hitzewallungen, Schlafstörungen oder verminderte Leistungsfähigkeit lassen nicht immer sofort an die Schilddrüse denken.

Auch wenn sich das ersehnte Wunschkind nicht einstellen will, erwarten nur wenige eine mögliche Schilddrüsenstörung als Ursache. Dabei liegt der Zusammenhang zwischen ungewollter Kinderlosigkeit und einer Unterfunktion der Schilddrüse sehr nahe: Etwa 25 Prozent der Frauen mit Empfängnisstörungen weisen eine Fehlfunktion der Schilddrüse auf, wobei die Unterfunktion mit 16 Prozent am häufigsten auftritt.

Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch sollten deshalb unbedingt mit dem so genannten TSH-Wert die Funktion ihrer Schilddrüse überprüfen lassen. Wird eine Unterfunktion festgestellt und durch die Einnahme von Schilddrüsenhormonen ausgeglichen, können viele bisher kinderlose Frauen schwanger werden.

Besonders hohes Risiko: über 45 Jahre und weiblich

Neben dem Geschlecht spielt auch das Alter eine große Rolle für die Schilddrüsengesundheit, denn die Schilddrüse altert früh. Der Umwandlungsprozess beginnt schon zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr: Das Drüsengewebe schrumpft und degeneriert. Es können sich Knoten, Zysten und Verkalkungen bilden. Die Konzentrationen der Hormone aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und der Schilddrüse verändern sich.

Und auch hier sind anscheinend harmlose Alterserscheinungen den Zeichen einer kranken Schilddrüse zum Verwechseln ähnlich: Konzentrationsstörungen, Leistungsabfall, Verlangsamung von Bewegung und Sprache oder Gedächtnisschwäche. Werden diese Beschwerden nicht richtig gedeutet, entwickelt sich oft eine schwere Schilddrüsenkrankheit.

Aktuelle Diagnosen bei Frauen über 45 Jahren ohne Vorbehandlung im Zuge der jüngsten bundesweiten Screening-Untersuchungen der Schilddrüsen-Initiative Papillon zeigten für beinahe die Hälfte der Teilnehmerinnen (48,7 Prozent) einen krankhaften Befund. Somit schnitten die Frauen deutlich ungünstiger ab, als die Männer über 45 Jahren, dort fanden sich bei etwa zwei Fünftel (41,4 Prozent) der Untersuchten ein Struma (Kropf).

Tipps für die weibliche Schilddrüsengesundheit

Vorbeugen: Ein Teil der Schilddrüsenerkrankungen kann durch optimale Jodversorgung verhütet werden. Achten Sie stets auf genügend Jod in Ihrer Ernährung (z.B. Seefisch, Jodsalz).

Schwangerschaft und Stillzeit: In Schwangerschaft und Stillzeit steigt der tägliche Jodbedarf um ein Drittel an - von 180-200 Mikrogramm auf 230-260 Mikrogramm pro Tag. Während dieser Zeit ist die Einnahme von Jodid-Tabletten sinnvoll.

Früh behandeln: Je früher Schilddrüsenerkrankungen erkannt und behandelt werden, desto besser. Wenden Sie sich ohne Zögern an Ihren Hausarzt, wenn Sie sich auf unerklärliche Weise unwohl fühlen und bitten Sie um eine Untersuchung Ihrer Schilddrüse. Dies betrifft vor allem folgende Krankheitszeichen:

  • Depressionen
  • starke Zu- oder Abnahme des Gewichtes bei gleich bleibenden Ernährungsgewohnheiten
  • chronische Müdigkeit
  • Nervosität, Herzrasen, Schlafstörungen
  • Fettstoffwechselstörungen
  • unerfüllter Kinderwunsch

Untersuchen: Behalten Sie Ihre Schilddrüse lebenslang im Auge und lassen Sie Schilddrüsen-Untersuchungen in folgenden Lebensphasen durchführen:

  • bei Östrogen-Einnahme
  • vor und in der Schwangerschaft
  • in der Stillzeit
  • regelmäßig ab dem 45. Lebensjahr

Aktualisiert: 31.08.2016 - Autor: Forum Schilddrüse e.V.

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