Insulinresistenz - Nummer 4 des Tödlichen Quartetts

Das wesentliche Problem des Typ-2-Diabetes ist nicht der Insulinmangel – im Gegenteil, der Körper bildet zunächst mehr Insulin, sondern die Insulin- resistenz. Sie ist - neben einer gestörten Insulinsekretion - der Motor, der die Erkrankung immer weiter vorantreibt. Diese Erkenntnis haben Forschungen der letzten Jahre ergeben. Da der Diabetes-Typ-2 zu Beginn selten Beschwerden verursacht, wird die Erkrankung in der Regel meist zufällig, z. B. bei einer Routineuntersuchung, entdeckt. Die Vorstufe dieser Stoffwechselerkrankung ist die Insulinresistenz. Sie ist das eigentliche Schlüsselproblem des Typ-2-Diabetes und kann angeboren, aber auch erworben worden sein.

Was passiert im Körper?

Damit die Glucose (Traubenzucker) in die Zellen gelangt braucht es immer Insulin, es schließt sozusagen die Zelle für die Glucose auf. Insulin wird in den B-Zellen der Bauchspeicheldrüse produziert. Liegt nun eine Insulinresistenz vor, kann das Insulin seine Wirkung an Muskel-, Fett- und Leberzellen nicht mehr richtig entfalten - Glucose kann nicht mehr in ausreichendem Maße in die Zellen gelangen. Die Bauchspeicheldrüse versucht die Insulinresistenz nun über eine Mehrausschüttung von Insulin zu kompensieren. Zunächst ist das auch möglich, deshalb bleibt der Blutzuckerspiegel erst einmal normal.

Das zweite Stadium der Erkrankung ist immer noch durch einen Nüchternblutzucker im Normalbereich gekennzeichnet. Die B-Zellen produzieren allerdings am Rande ihrer Leistungsfähigkeit. Tagesabhängige Blutzuckerspitzen wie zum Beispiel nach den Mahlzeiten, können mit der produzierten Insulinmenge nicht mehr abgefangen werden. Man spricht dann von einer "gestörten Glukosetoleranz".

Im dritten Stadium, nach einigen Jahren der Insulinresistenz und gestörter Glukosetoleranz, ist der Typ-2-Diabetes leicht zu diagnostizieren. Jetzt sind auch die Nüchternblutzuckerwerte anhaltend über der Norm. Ursache dafür ist entweder eine weitere Zunahme der Insulinresistenz oder eine nachlassende Insulinproduktion aufgrund einer Erschöpfung der B-Zellen der Bauchspeicheldrüse.

Insulinresistenz bedeutet also

  • Eingeschränkte Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin
  • Insulin kann an den Zellen nicht mehr richtig wirken
  • Eine Insulinresistenz geht einem diagnostizierten Diabetes in der Regel Jahre voraus.

Gefahr für die Gefäße

Bereits beim Vorliegen einer Insulinresistenz beginnt die Entwicklung arteriosklerotischer Gefäßveränderungen, die im weiteren Verlauf zu schwerwiegenden Erkrankungen wie z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen oder Erblindung führen können. Bei etwa der Hälfte aller frisch diagnostizierten Diabetiker sind bereits Organschäden nachweisbar. Dies heißt im Umkehrschluss: eine Insulinresistenz besteht in der Regel bereits viele Jahre vor Ausbruch des Typ-2-Diabetes!

Das "Tödliche Quartett"

Eine Insulinresistenz entsteht, wenn zum einen eine genetische Disposition besteht und/oder zum anderen äußere Faktoren hinzukommen. Hier spielt das Übergewicht (Adipositas) eindeutig die Hauptrolle - keine andere Erkrankung ist mit dem Diabetes-Typ-2 so eng assoziiert!

Kommen zu einer Insulinresistenz, Übergewicht und Bewegungsmangel noch weitere Risikofaktoren hinzu, so steigt die Wahrscheinlichkeit, im Laufe seines Lebens an einem Diabetes zu erkranken, weiter an. Ein Bluthochdruck oder eine Fettstoffwechselstörung führen zu einem zusätzlichen Anstieg des Risikos. Um einen Diabetes mellitus möglichst früh zu erkennen, sollten sich alle ab dem 40. Lebensjahr zweijährlich den Blutzucker messen lassen. Übrigens: Ist bereits ein Familienmitglied an Diabetes erkrankt, besteht ein deutlich höheres Risiko, ebenfalls daran zu erkranken.

Früh erkannt – besser im Griff

Diabetes mellitus ist eine echte Volkskrankheit. Immerhin geht man von 5 Millionen Betroffenen aus - die Dunkelziffer liegt aber noch weitaus höher. Leider erfolgt die Diagnosestellung des Typ-2-Diabetikers oft erst spät (im Schnitt nach 5 Jahren) und eher zufällig. Folgeschäden sind dadurch vorprogrammiert und werden auch nicht konsequent genug behandelt. Eine frühe Diagnose ist zur Vorbeugung möglicher Folgeerkrankungen aber von entscheidender Bedeutung, da durch die gefährlichen Folgeschäden die Lebensqualität der Betroffenen deutlich sinken kann. Umso wichtiger ist es, den Diabetes mellitus und seine Vorstufe die Insulinresistenz frühzeitig zu erkennen und ihr zielgerechter zu begegnen.

Aktualisiert: 31.05.2012

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