Organinfarkt – Risiko nicht nur fürs Herz

Schmerzhafter Organinfarkt © istockphoto, ivanmollov

Wer das Wort "Infarkt" hört, denkt sofort an einen Herzinfarkt. Kein Wunder, denn rund 280.000 Menschen in Deutschland erleiden jedes Jahr einen akuten Herzinfarkt. Für 80.000 von ihnen kommt dabei jede Hilfe zu spät. Damit stehen Herzinfarkt und Herz-Kreislauferkrankungen nach wie vor an erster Stelle der Todesstatistik in Deutschland. Weniger bekannt ist aber, dass auch alle anderen Organe einen Infarkt erleiden können.

Gefäßschäden als Ursache

Das Prinzip, dass dieser Erkrankung zugrunde liegt, ist immer gleich - unabhängig davon, welches Organ betroffen ist. Ein Gefäß, welches das entsprechende Organ versorgt, wird blockiert. Das dahinter liegende Gewebe kann nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden und stirbt ab. Das abgestorbene Gewebe vernarbt, Abfallprodukte dieses gesamten "Umbauprozesses" müssen vom Körper abtransportiert und entsorgt werden.

Die Gefäßblockade, die einen Organinfarkt auslöst, ist in der Regel ein Blutgerinnsel, dass sich an der Gefäßwand gebildet hat und dann mit dem Blutstrom abgerissen und weitertransportiert wird. Dort wo es hängen bleibt, führt es zu einer Verstopfung des Gefäßes. Zu solchen Gerinnseln – auch Thromben genannt - kommt es, wenn die eigentlich glatten Wände der Gefäße durch Ablagerungen aufgeraut sind.

Wenn die Gefäße immer enger werden ...

Die vorrangige Ursache für Ablagerungen an den Gefäßwänden ist die Arteriosklerose, bei der Cholesterinablagerungen zu Verengungen der Gefäße führen. Diese Erkrankung betrifft zunächst das gesamte Gefäßsystem, auch wenn Verengungen in den Herzkrankgefäßen besonders häufig sind.

Trotzdem können sich Thromben an allen Stellen des Körpers im Gefäßsystem bilden. So werden Schlaganfälle ebenso wie Herzinfarkte durch akute Gefäßverschlüsse ausgelöst. Die Zahlen der Schlaganfallpatienten ist dabei ebenso alarmierend hoch wie die der Herzinfarkt-Erkrankten: In Deutschland erleiden rund 200.000 Menschen jährlich einen Schlaganfall, der für 70.000 mit dem Tod oder bleibenden Behinderungen endet.

Diabetiker sind besonders gefährdet

Gefäßschäden sind bedeutendste Spätfolge des Diabetes mellitus, der Zuckerkrankheit. Tatsächlich ist der Organinfarkt die häufigste Todesursache bei Diabetikern, die als Risikogruppe aufgrund ihrer insgesamt schlechten Durchblutung häufig auch Probleme bei nachfolgenden Heilungsprozessen haben. Bei ihnen kann infarktiertes Gewebe schlechter abgebaut und abtransportiert werden.

Auch wer zum Risiko-Klientel des so genannten "metabolischen Syndroms", das neben Diabetes auch Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen umfasst, gehört, gilt als Organ-Infarkt gefährdet.

Augeninfarkte nehmen zu

Neben Herz, Niere, Milz oder Leber können die Augen einen Infarkt erleiden. Als Augeninfarkt bezeichnet man die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombose) in der Augenarterie, das die dahinterliegenden Gefäße verstopft. Dabei sieht der Betroffene plötzlich auf einem Auge nichts mehr oder nur noch einen Fleck. Oft ist die Sicht auf dem erkrankten Auge auch komplett getrübt.

Beim Auftreten eines Augeninfarkts sollte möglichst schnell - nämlich innerhalb von 20 Stunden ein Augenarzt oder noch besser eine Augenklinik aufgesucht werden, da sonst die Heilungschancen rapide sinken. Zwar können die durch den Augeninfarkt hervorgerufenen Schäden können mittels Laser oder Akupunktur vermindert werden, doch bleibt in den meisten Fällen eine Einschränkung der Sehfähigkeit erhalten. An der Universität Freiburg wurde inzwischen ein neues Verfahren erprobt, bei dem der arterielle Verschluss - ähnlich wie bei Verschlüssen der Herzkranzgefäße- aufgelöst wird.

Neue Therapie

Der Eingriff dauert 1-2 Stunden und wird unter lokaler Betäubung in der Leistenregion vollzogen. Eine Vollnarkose ist nicht notwendig, weil sich an den Gefäß - Innenwänden keine Nervenfasern befinden und der Patient beim Legen des Katheters keine Schmerzen verspürt. Der Katheter wird über die Leistenarterie eingeführt und gleitet dann durch die Hauptschlagader in die Halsschlagader. Von hier zweigt die Augenarterie ab. Dann muss der Operateur der fast rechtwinkligen Abzweigung in die Augenarterie folgen. Der Weg des Katheters wird am Bildschirm verfolgt.

Hat der Arzt die Stelle des Gefäßverschlusses mit dem Katheter erreicht, spritzt er das Medikament, das das Blutgerinnsel auflöst. Damit kommt es hoch konzentriert direkt an den Ort des Verschlusses. Das ist der Vorteil gegenüber der konventionellen Methode, bei der sich das Medikament über die Armvene im Körper verteilte und stark verdünnt und damit häufig wirkungslos an der Verschlussstelle ankam.

Vorsorge und Kontrolle

Ein Augeninfarkt betrifft in der Regel nur ein Auge. Umso wichtiger ist es, das zweite Auge vor einem Infarkt zu schützen. Dazu müssen die genauen Ursachen des ersten Infarktes ermittelt werden und eventuelle Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes abgeklärt werden. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen gehören ebenfalls ins Programm. Grundsätzlich trägt jeder, der als Risiko-Patient für Herz - Kreislauferkrankungen gilt, auch das Risiko eines Augeninfarktes.

Prävention im Vorfeld

Die Vorbeugung vor Herz-Kreislauferkrankungen ist daher eine dringliche Aufgabe nicht nur für jeden Einzelnen, sondern auch für das nationale Gesundheitswesen. Ebenso wie Gesundheitspolitiker und Mediziner sich um mehr Aufklärung und erfolgreiche Präventionsprogramme bemühen, suchen Forscher nach Möglichkeiten, Gefäßschäden zu verhindern.

Einen Ansatz bietet dabei die Entdeckung, dass das körpereigene Hormon Erythropoetin (EPO) offenbar nicht nur die Blutbildung anregt, sondern auch die Reparatur verletzter Blutgefäße unterstützt. Gentechnisch hergestelltes EPO könnte dann zur Behandlung eingesetzt werden. An der medizinischen Hochschule Hannover wird zurzeit untersucht, in wie weit Erytrhopoetin auch bei der Behandlung nach einem akuten Schlaganfall eingesetzt werden kann. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass EPO das Risiko für neurologische Ausfälle deutlich senkt.

Aktualisiert: 06.11.2015 – Autor: Susanne Köhler

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