Offenes Bein - Behandlung

Allgemeine Therapieprinzipien

In einigen Punkten unterscheiden sich die Therapieansätze je nach Ursache.
Bei venösen Beingeschwüren steht die Kompressionsbehandlung mit festen Bandagen, die um das Bein gewickelt werden, bzw. Kompressionsstrümpfen im Zentrum. In Studien konnte gezeigt werden, dass auch die Heilungsraten der anderen Therapien erhöht werden, wenn die Kompressionstherapie eingesetzt wird. Sie wird ergänzt durch regelmäßiges Gehtraining. Krampfadern bzw. schlecht funktionierende Venen können chirurgisch ausgeschaltet werden.

Kompressionstherapie – nicht immer das richtige Mittel der Wahl

So wichtig die Kompressionstherapie bei Venenleiden ist - bei arteriellen Beingeschwüren bewirken sie das Gegenteil, da sie die Gefäße zusammendrücken und damit evtl. die noch vorhandene Restdurchblutung zum Erliegen bringen. Deshalb kommen je nach Ausmaß der Durchblutungsstörung operative Maßnahmen zur Gefäßerweiterung oder -überbrückung mittels Gefäßprothese zum Einsatz.

Wundbehandlung

Daneben wird die Wunde selbst behandelt – das Geschwür wird regelmäßig gereinigt (mit Wirkstoffen oder mechanisch durch Abtragung) und mit einem speziellen ("hydroaktiven") Wundverband bedeckt, der die Wunde feucht hält, ohne sie zu verkleben.

Antiseptische Substanzen, mit denen sich Keime reduzieren oder verhindern lassen, werden nur bei Bedarf eingesetzt; besteht eine ausgeprägte Infektion, werden Antibiotika gegeben. Die Wunde kann auch chirurgisch abgetragen und mit einem Hauttransplantat bedeckt werden (Shave-Therapie).

Manchmal ist auch die Therapie mit Kortison angezeigt. Eine in den letzten Jahren wiederentdeckte (gewöhnungsbedürftige aber sehr effektive) Therapiemöglichkeit besteht im Aufbringen von Fliegenmaden die sich nur am abgestorbenen Gewebe gütlich tun und so die Wunde reinigen.

Durchblutungs- und Heilungsförderung

Durchblutungsfördernde Medikamente wie Pentoxyfillin und Heparin können ggf. die Symptome verbessern, unterstützend wirken Bewegungstherapie und Lymphdrainage. Eventuell können lokal sogenannte Wachstumsfaktoren aufgetragen werden, welche die Wundheilung fördern (z.B. ein Gel mit PDGF-beta).

Im experimentellen Stadium befindet sich die Anwendung der Gentherapie. Mit ihrer Hilfe wird versucht, Wachstumsfaktoren direkt in bestimmte Hautzellen einzubringen, ein Hauttransplantat so gentechnisch „aufzupäppeln“, dass es besser Gefäße bildet oder das Gen für einen Wachstumsfaktor mit Hilfe eines Trägervirus in die Wunde einzuschleusen.

Aktualisiert: 23.10.2017 - Autor: Dagmar Reiche

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