Offenes Bein (Ulcus cruris)

Ältere Frau mit offenem Bein und Verband
© istockphoto, Iamnee

Die Haut am Unterschenkel ist trocken, gerötet und juckt, später bilden sich braune Pigmentflecken, nässende Ekzeme und Hautverhärtungen. Es entsteht eine offene Stelle, die einfach nicht abheilt. Fast eine Million Menschen leiden in Deutschland an Beingeschwüren, überwiegend auf dem Boden eines Venenleidens.

Vorkommen des Ulcus cruris

Das Ulcus cruris tritt eher in höherem Alter auf und hat gravierende volkswirtschaftliche Konsequenzen. Man geht davon aus, dass fast 15% der erwachsenen Deutschen ein chronisches Venenleiden aufweisen - die häufigste Ursache für Unterschenkelgeschwüre. Die Behandlungskosten allein für venöse Beingeschwüre werden in Deutschland auf etwa 1,5 Milliarden Euro bzw. 1–2% des Krankenkassenbudgets geschätzt. Und da die Bevölkerung älter wird, werden diese in den nächsten Jahren eher zunehmen. Wichtig sind daher die effektive Vorsorge und Therapie.

Wie entsteht ein Ulcus cruris?

Schlecht heilende, tiefe Wunden an Unterschenkeln werden fast immer durch Gefäßleiden verursacht, nicht – wie man auf den ersten Blick meinen könnte – durch eine Hauterkrankung. Das Geschwür entsteht dabei auf dem Boden einer Unterversorgung des Gewebes.

In über 70% der Fälle liegt eine Venenstörung (Ulcus cruris venosum) zugrunde, in etwa 8% eine arterielle Gefäßkrankheit (Ulcus cruris arteriosum), 14% sind durch gleichzeitige Veränderungen im venösen und arteriellen System bedingt (Ulcus cruris mixtum):

  • ­Venöses Beingeschwür (Ulcus cruris venosum): Bei einer Venenschwäche oder nach einer Thrombose staut sich das Blut zurück in die Beine, was zunächst zu einer Wasseransammlung (Ödem), später zusätzlich zu einer Verhärtung der Haut und des Bindegewebes führt. Der Rückstau setzt sich bis in die Kapillaren, die feinsten Blutgefäße zwischen Arterien und Venen, fort. Dadurch verlangsamt sich der Blutstrom oder stockt ganz, sodass aus dem Blut nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe in das umliegende Gewebe abgegeben werden können. Erschwerend für den Stoffaustausch kommt die Gewebsschwellung durch das Ödem hinzu, wodurch von außen die Gefäße zusammengedrückt werden.
  • Arterielles Beingeschwür (Ulcus cruris arteriosum): Beim arteriellen Gefäßleiden führt eine Arterienverkalkung zur Verengung bis zum kompletten Verschluss der Arterien. Das betrifft zunächst die kleinen und kleinsten Gefäße. Auch hier resultiert wieder eine Minderversorgung des umliegenden Gewebes mit der möglichen Folge eines Geschwürs.
  • Sonstige Formen: Seltener ist das Beingeschwür bedingt durch eine eingeschränkte Gelenksfunktion, z.B. des oberen Sprunggelenks (arthrogenes Stauungssyndrom), Infektionen (Ulcus infectiosum), Bluterkrankungen (Ulcus haematopoeticum), Krebs (Ulcus neoplasticum) oder durch andere Erkrankungen (z.B. Colitis ulcerosa).

Aktualisiert: 15.02.2013 - Autor: Dagmar Reiche

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