Arbeiten mit MS

Frau mit MS bei der Arbeit © rawpixel

Die Diagnose Multiple Sklerose ist für die meisten Betroffenen ein Schock. Multiple Sklerose (MS), die Krankheit mit den tausend Gesichtern, sorgt für Angst und Unsicherheit. Die chronische Erkrankung stellt eine drastische Veränderung in allen Bereichen des bisherigen Lebens dar und bedeutet für die meist jungen Patienten eine Neudefinition der beruflichen wie privaten Zukunft. Dabei verläuft MS von Patient zu Patient höchst unterschiedlich: Während manche Erkrankte stark beeinträchtigt werden, teils sogar daran sterben, können viele andere ohne große Einschränkungen gut damit leben. Daher sollte die MS-Diagnose nicht automatisch auch zur Berufsaufgabe führen. Im Gegenteil, viele MS-Patienten kommen durch die Ablenkung und die Bestätigung durch den Job sogar besser mit der Krankheit klar.

Vollzeitjob mit MS

Ob sich ein MS-Patient dazu entscheidet, sich aus dem Berufsleben zurückzuziehen, hängt zunächst natürlich davon ab, wie schwer er durch die Krankheit beeinträchtigt ist. Kann er sich durch extreme Müdigkeit (Fatigue) und Schmerzen kaum aus dem Bett quälen, ist an eine Vollzeitbeschäftigung nicht mehr zu denken.

Patienten, die jedoch recht gut mit ihrer Krankheit klarkommen und sich in ihrem Job wohlfühlen, können ohne weiteres im Arbeitsleben bleiben. Immerhin arbeitet über ein Drittel aller MS-Erkrankten in Deutschland bis zum Rentenalter in einem ganz normalen Job. Sind Sie sich nicht sicher, ob Sie den Ansprüchen eines Fulltime-Jobs genügen können, sollten Sie sich zunächst mit Ihrem Arzt, dann mit dem Arbeitgeber absprechen.

Bevor Sie Ihren Job ganz aufgeben, wären Maßnahmen wie eine Umschulung, Teilzeitarbeit, Teilzeitberentung oder die Versetzung innerhalb der Firma auf einen weniger anstrengenden Posten denkbar. Dies trägt nicht nur zur finanziellen Unabhängigkeit und dem Selbstbewusstsein des Erkrankten bei, sondern erhält dem Chef auch die Erfahrung und Kompetenz eines wertvollen Mitarbeiters.

Den Kollegen von MS erzählen?

Klar, wenn Sie von Ihrem Chef Unterstützung in Form flexibler Arbeitszeiten oder einer Versetzung erwarten, müssen Sie ihn über Ihre Beweggründe aufklären. Sehen Sie sich aber dazu in der Lage weiterhin unverändert in ihrem bisherigen Job zu bleiben, liegt die Entscheidung bei Ihnen, ob Sie Arbeitgeber und Kollegen über die Erkrankung aufklären.

Bietet Ihr Job ein harmonisches Arbeitsumfeld, kann es hilfreich sein, mit offenen Karten zu spielen. Informieren Sie die Kollegen genau über die Krankheit Multiple Sklerose und Ihre MS-Symptome und persönlichen Beschwerden damit. Haben Sie verständnisvolle Mitarbeiter, werden diese künftig mehr Rücksicht nehmen, wenn Sie einmal unter Müdigkeit oder Konzentrationsschwäche leiden.

Erklären Sie jedoch auch, dass MS-Patienten nicht automatisch im Rollstuhl landen, sondern dass die Krankheit ganz unterschiedlich verlaufen kann. Somit nehmen Sie den Kollegen die Angst und Scheu vor MS und zeigen ihnen, dass sie weiterhin mit einem vollwertigen Mitarbeiter rechnen können. Gesetzlich verpflichtet sind MS-Patienten nicht, im Job von der Erkrankung zu erzählen. Es sei denn, die Symptome der Multiplen Sklerose stellen in Ihrem Job eine Gefahr für Sie und andere dar.

Leiden Sie unter schubweisen Schwindelanfällen, Gleichgewichtsstörungen und Konzentrationsschwäche, sollten Sie Arbeiten in großer Höhe oder an schweren Maschinen vermeiden.

Aktualisiert: 30.04.2015 – Autor: Kristina Klement

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