Hirnblutungen: Formen

Hirnblutung © istockphoto, m-imagephotography

Bei einer Hirnblutung werden verschiedene Formen unterschieden: Eine Subarachnoidalblutung, ein epidurales Hämatom, ein subdurales Hämatom sowie ein intrazerebrales Hämatom. Im folgenden werden die wichtigsten Hirnblutungsarten kurz dargestellt.

Subarachnoidalblutung

Wie der Name dieser Art von Hirnblutung besagt, wird damit eine Einblutung unter die weiche Hirnhaut, die Arachnoidea, bezeichnet. In den meisten Fällen geht eine Subarachnoidalblutung auf die plötzliche Zerreißung eines Aneurysmas der Hirnbasisarterien zurück. Aneurysmen stellen Aussackungen der Gefäßwände unterschiedlicher Lokalisation dar, die entweder überhaupt keine Beschwerden bereiten, oder Auslöser jahrelanger, anfallsartiger Kopfschmerzen oftmals in Verbindung mit zusätzlichen neurologischen Ausfällen sein können. Kommt es zur Zerreißung eines Aneurysmas an den Hirnbasisarterien resultiert eine Subarachnoidalblutung (SAB) unterschiedlichen Ausmaßes. Weniger häufige Ursachen einer SAB sind Hirntumoren, Leukämien oder Gerinnungsstörungen.

Die SAB kann sich ereignen, nachdem vorher jahrelang die oben beschriebenen Kopfschmerzen mit Augenbewegungsstörungen oder Sehverlust aufgetreten waren. Oftmals setzt sie aber auch plötzlich aus voller Gesundheit ohne Vorboten ein. Sie tritt nicht etwa nur nach körperlicher Anstrengung mit Erhöhung des Blutdrucks auf, sondern weit häufiger spontan, oft selbst aus völliger Ruhe heraus. Die Höhe des arteriellen Blutdrucks spielt für das Auftreten der Subarachnoidealblutung keine Rolle. Das erste Symptom ist ein plötzlicher, noch nie erlebter Kopfschmerz, der sich rasch vom Nacken oder von der Stirn über den ganzen Kopf und innerhalb von Stunden auch zum Rücken ausbreitet.

Häufig kommt es anfänglich auch zu vegetativen Symptomen: Erbrechen, Schweißausbruch, Anstieg oder Abfall des Blutdrucks, Schwankungen der Körpertemperatur und Veränderungen in der Frequenz von Pulsschlag und Atmung. Manche Patienten stürzen bei akuter Subarachnoidalblutung sofort bewusstlos zu Boden. In anderen Fällen bestehen anfänglich nur leichte Bewusstseinsstörungen, die sich im weiteren Verlauf verstärken können. Insgesamt reicht das Spektrum möglicher Erscheinungsformen von reinen Kopfschmerzen über Bewusstseinstrübungen mit neurologischen Ausfällen und Nackensteifigkeit bis zu tiefem Koma und Hirntod. Auch epileptische Anfälle können auftreten als Ausdruck einer Reizung bestimmter Hirnzentren.

Die Verdachtsdiagnose SAB kann häufig allein aufgrund des typischen Symptombildes gestellt werden, bedarf aber meistens der Bestätigung durch eine Computertomographie des Schädels. Auch Elektroenzephalogramm (EEG) und Elektrokardiogramm (EKG) können unspezifische Veränderungen aufweisen. Insgesamt sterben nach erstmaliger SAB 25 Prozent der Patienten innerhalb der ersten Woche. Jede erneute Blutung, für die das Risiko innerhalb der ersten zwei bis drei Wochen nach Erstblutung am höchsten ist, verringert die Überlebensaussichten um 30 Prozent. Ohne Operation beträgt die Sterblichkeit aufgrund einer Subarachnoidealblutung ungefähr 70 Prozent in 5 Jahren.

Epidurales Hämatom

Unter einem epiduralem Hämatom versteht man eine Einblutung zwischen Schädelknochen und äußerem Blatt der harten Hirnhaut (Dura mater), die in der Regel als Folge eines Schädeltraumas auftritt. Der epiduralen Blutung liegt meistens eine arterielle Gefäßzerreißung zugrunde. Diese entsteht oft, aber keineswegs immer, durch einen Bruch des Schläfen(temporalen)- und seitlichen(parietalen) Schädelknochens. Das Hämatom tritt meist gleichseitig zur Fraktur auf.

Das auslösende Trauma kann gering sein und braucht nicht einmal zu einer Gehirnerschütterung zu führen. Bei schweren Traumata kann es zum akuten Auftreten einer neurologischen Halbseitensymptomatik mit schweren Bewusstseinsstörungen kommen. War das Trauma hingegen leicht, schliesst sich an die anfängliche Symptomatik ein symptomarmes, sogenanntes freies Intervall von einigen Minuten bis Stunden an. Danach verschlechtert sich der Zustand des Kranken wieder zunehmend. Das Bewusstsein trübt sich ein und es bildet sich durch Kompression einer Hirnhälfte eine Halbseitenlähmung auf der gegenüberliegenden Seite aus. Auf der Seite der Blutung wird die Pupille durch Lähmung eines wichtigen, augenversorgenden Nerven weit und lichtstarr.

Analog zur Subarachnoidalblutung stellt die Computertomographie des Schädels die diagnostische Methode der Wahl dar. In Einzelfällen ist zudem eine Gefäßdarstellung der Hirngefäße mit Röntgenkontrastmittel erforderlich. Wird die Diagnose nicht rechtzeitig gestellt, muss mit tödlichem Ausgang durch Kompression und Lähmung lebenswichtiger Hirnzentren gerechnet werden. Bei rechtzeitigem chirurgischen Eingreifen kann vollständige Heilung erreicht werden. Oftmals verbleiben aber auch neurologische Schädigungen.

Subdurales Hämatom

Im Gegensatz zum epiduralen Hämatom entspricht ein subdurales Hämatom einer Blutansammlung unterhalb der harten Hirnhaut (Dura mater) und entsteht häufig als Unfallfolge durch die Zerreissung von venösen Blutgefäßen. Die subduralen Hämatome sind meist weniger scharf gegen das Gehirn abgegrenzt als die epiduralen Hämatome und weisen eine meist flächenhaftere Ausbreitung auf. Die klinische Symptomkonstellation und der Verlauf des akuten subduralen Hämatoms ist dem epiduralen Hämatom vergleichbar. Auch hier steht die Verdrängung und Kompression von Hirnstrukturen mit nachfolgenden Bewusstseinstrübungen und neurologische Ausfällen im Vordergrund.

Die chronische Variante des subduralen Hämatoms geht oftmals mit weniger dramatischen Symtomen wie langsam voranschreitenden Bewusstseinsveränderungen oder Antriebsstörungen einher, was die Diagnose zum Teil erschweren kann. Die richtige Diagnose kann auf jeden Fall im Rahmen einer Computertomographie des Schädels mit hoher Sicherheit gestellt werden, wobei die Prognose der Erkrankung im wesentlichen von einem rechtzeitigen chirurgischen Eingreifen abhängt.

Intrazerebrales Hämatom

Das intrazerebrale Hämatom im Inneren des Gehirns tritt entweder im Gefolge eines Schädel-Hirn-Traumas oder nach Zerreißungsblutung eines langjährig durch Bluthochdruck vorgeschädigten kleinen Hirngefäßes auf. Je nach Lokalisation der Blutung können unterschiedliche Hirnzentren mit unterschiedlicher Symptomausprägung betroffen sein. Relativ typisch ist die akut auftretende Halbseitenlähmung auf der gegenüberliegenden Körperseite. Bluthochdruckbedingte intrazerebrale Hämatome sind für ungefähr 20 Prozent der nicht traumaabhängigen Schlaganfälle verantwortlich.

Die Diagnosesicherung erfolgt wiederum am besten durch die Computertomographie, wobei beim akuten Schlaganfall die Differenzierung zwischen einer Mangeldurchblutung und einer Einblutung von wesentlicher therapeutischer Bedeutung ist.

Aktualisiert: 10.09.2012

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