Geruchssinn und Geschmackssinn – wie hängen sie zusammen?

Geruchssinn: Frau riecht an Essen
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Gerüche begleiten den Menschen, stärker noch als Geschmack, ein Leben lang. Gerüche vermitteln nicht nur Informationen, sie beeinflussen auch Gefühle. Ein angenehmer oder unangenehmer Duft oder Geschmack warnt den Menschen, löst Wohlbehagen aus oder vermittelt Genuss. Dabei stehen Geruchssinn und Geschmackssinn in einem engen Zusammenhang. Etwa 50.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns – etwa bei einer Nebenhöhlenentzündung oder bei einer Parkinson'schen Erkrankung. Schon ein einfacher Schnupfen kann das Empfinden erheblich beeinträchtigen. Doch auch eine Infektion mit dem Coronavirus kann zu einem Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn führen, weshalb bei diesem Symptom der Verdacht auf COVID-19 besteht.

Kann man schmecken, ohne zu riechen?

Der Duft von frisch gemahlenem Kaffee, von frischem Brot, Brötchen oder von Plätzchen zur Weihnachtszeit weckt in jedem Menschen Gefühle und Erinnerungen und lässt "einem das Wasser im Mund zusammenlaufen". Doch der Geruchssinn ist noch enger mit dem Geschmacksinn verknüpft, wie die meisten Menschen wissen dürften, die bereits einmal während eines Schnupfens mit verstopfter Nase ihre Lieblingsspeisen gegessen haben und feststellen mussten, dass diese plötzlich ganz anders schmecken.

Denn allein mit der Zunge schmecken Speisen und Getränke fade, und das Essen macht keinen Spaß, wenn man es nicht auch riechen kann. Geschmacks- und Geruchssinn müssen also zusammenwirken, damit ein harmonisches Ganzes dabei herauskommt.

Zusammenhang von Geruchs- und Geschmackssinn

Geruchssinn (der Fachbegriff lautet übrigens olfaktorische Wahrnehmung) und Geschmackssinn (in der Fachsprache als gustatorische Wahrnehmung bezeichnet) sind chemische Sinne: Dabei gelangen die unsichtbaren Moleküle der Ausgangsstoffe über Mund und Nase an die Riechschleimhaut.

Salzig, süß, sauer, bitter, umami (schmackhaft, fleischig, würzig) – nur diese fünf Geschmacksrichtungen erkennt die Zunge mithilfe ihrer Geschmacksknospen. Von dort aus leiten spezielle Zellverbünde, sogenannte Rezeptoren, den wahrgenommenen Geschmack über verschiedene Hirnnerven an das Gehirn weiter.

Mithilfe der Nase hingegen kann man Tausende von Gerüchen unterscheiden. Die Riechzellen, sie heißen auch "olfaktorische Sinneszellen", werden über Gerüche aktiviert. Fast alle dieser Nervenzellen befinden sich in einem kleinen Bereich im Dach der Nasenhaupthöhle, im Riech-Epithel. Hier sitzen Millionen von Riechzellen. Von dort werden die Signale über den Riechnerv direkt an das Gehirn gesendet.

Im Gehirn werden die Informationen, die von den Sinneszellen weitergeleitet werden, miteinander verknüpft, wodurch Aromen dann erkannt und zugeordnet werden können.

Eine wichtige Rolle im Zusammenspiel von Geruch und Geschmack spielt der Trigeminus-Nerv, der Fühlnerv: Dieser Hirnnerv, der sich in drei Äste aufspaltet, die sich zum Auge, Ober- und Unterkiefer erstrecken, vermittelt Empfindungen wie das Brennen von Chili oder den kühlenden Effekt von Menthol.

Störungen von Geschmacks- und Geruchssinn

Geschmacks- und Geruchssinn können unabhängig voneinander oder auch beide zusammen durch verschiedene Störungen beeinträchtigt werden:

  • "Hyposmie" nennt die Medizin es, wenn das Riechvermögen teilweise verloren gegangen ist.
  • "Anosmie" ist der Fachbegriff für die vollständige Zerstörung des Geruchssinns.
  • Von Parasomie spricht man, wenn Gerüche falsch wahrgenommen werden (meist werden Gerüche als unangenehm empfunden).
  • Eine Schmeckstörung beziehungsweise Geschmacksstörung wird als Dysgeusie bezeichnet.
  • Ein vollständiger Verlust des Geschmackssinns heißt Ageusie.
  • Werden Schmeckeindrücke falsch wahrgenommen, spricht man von Parageusie.

Geruchssinn verloren: Das sind mögliche Ursachen

Ist der Geruchssinn weg, kann das verschiedene Gründe haben. Eine häufige Ursache für einen zeitweiligen Verlust des Geruchssinns ist in den meisten Fällen eine Erkältung mit Schnupfen. Hier sind es Schwellungen der Nasenschleimhaut, die zu Beeinträchtigungen des Riechvermögens führen. Auch Grippeviren besiedeln die Schleimhäute und können das Epithel der Riechschleimhaut zeitweilig stören. Ebenso beeinträchtigen Nasenpolypen oder eine Nasennebenhöhlenentzündung das Geruchsempfinden. Die Sinneswahrnehmungen kehren nach Abklingen der Erkrankung wieder zurück.

Auch bei Rauchern und Menschen, die zum Beispiel im Beruf viel mit stark riechenden Chemikalien arbeiten, kann der Geruchssinn eingeschränkt sein. In seltenen Fällen ist eine Störung des Riechsinns auch angeboren.

Riechstörungen bei Alzheimer und Parkinson

Daneben können auch zentrale Riechstörungen im Gehirn vorliegen, zum Beispiel bei Diabetes, Bluthochdruck, Mangel- oder Fehlernährung. Auch einige Medikamente können das Riech- und Geschmacksempfinden stören. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei rund 80 Prozent aller Parkinson- und Alzheimer-Patienten Riechstörungen schon im frühen Stadium auftreten. Die Ursachen für die Geruchsstörungen liegen bei beiden Erkrankungen nicht in gestörten Riechsinneszellen, sondern direkt im Gehirn.

Ab etwa dem 65. Lebensjahr nimmt die Regenerationsfähigkeit der Riechzellen ab. Auch die Geschmackswahrnehmung bildet sich, wenn auch nicht so stark, zurück. Viele ältere Menschen würzen daher manchmal ihr Essen zu stark und bevorzugen Süßspeisen. Ab dem 80. Lebensjahr leiden 80 Prozent der Bevölkerung an Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns.

Geschmackssinn verloren: mögliche Gründe

Auch ein Verlust des Geschmackssinns kann harmlose Ursachen wie eine Erkältung haben. Daneben können Störungen des Schmeckens im Bereich der Geschmacksknospen auch durch Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel sowie Nieren- oder Lebererkrankungen oder auch als Nebenwirkung bestimmter Medikamente entstehen.

Darüber hinaus können auch Schädigungen im Bereich des Gehirns oder der Gehirnnerven, etwa infolge einer Mandelentfernung, Operation am Ohr, Hirnentzündung oder Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Parkinson für einen verlorenen Geschmackssinn verantwortlich sein.

Corona: COVID-19 als Ursache der Störungen

Zu den möglichen Symptomen einer Infektion mit SARS-CoV-2 gehört und eine Störung oder gar der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. Während die genauen Ursachen noch nicht geklärt sind, zeichnet sich ab, dass die Störungen in der Regel vorübergehend sind. Jedoch gibt es bei der Dauer erheblich Unterschiede.

  • Die Geschmacksknospen, die aus Hautzellen bestehen, benötigen nach einer Schädigung etwa zwei Wochen, um sich zu regenerieren, weshalb der Geschmackssinn bei vielen Betroffenen nach Abklingen der Erkrankung recht schnell wieder da ist.
  • Der Verlust des Geruchssinns kann hingegen mehrere Monate andauern. Denn bei einer Infektion mit dem Coronavirus entsteht die Störung des Riechens nicht wie bei einer Erkältung durch eine zugeschwollene Nase, sondern durch eine Schädigung der Sinneszellen des Geruchssystems. In diesem Fall handelt es sich bei den Sinneszellen nicht um Haut-, sondern um Nervenzellen (Neuronen). Bis diese sich erneuert haben, können mehrere Monate vergehen.

Diagnose: Das macht der Arzt

Um die Ursache der Erkrankung herauszufinden, untersucht der Arzt die Nase, die Nasenschleimhäute und den Nasen-Rachen-Raum. Anschließend prüft er getrennt auf beiden Seiten den Geruchssinn und macht dabei auch eine Geschmacksprüfung. Eine Überprüfung der Durchgängigkeit der Nase und ein Allergietest sind ebenfalls erforderlich, um eine Allergie auszuschließen. Falls nötig werden mithilfe von Röntgen oder Computertomographie die Nasennebenhöhlen untersucht.

Besteht der Verdacht auf eine Corona-Infektion, wird der Arzt einen Test auf COVID-19 veranlassen.

Erst, wenn sich die Beschwerden so nicht erklären lassen, überprüft der Arzt, ob die Ursache im Gehirn liegt.

Was kann man machen, wenn man keinen Geruchssinn mehr hat?

Bei einem Verlust des Geruchssinns oder des Geschmackssinns gilt es immer, zunächst die Ursache zu klären. Der erste Schritt ist also immer der Gang zum Arzt, damit dieser die entsprechenden Untersuchungen vornehmen kann. Abhängig von der Diagnose kann er dann die passende Behandlung auswählen. Dabei steht immer die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund. Diese kann beispielsweise mit Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln erfolgen oder auch eine Operation erforderlich machen.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
R43.-

Aktualisiert: 11.12.2020 - Autor: überarbeitet: Silke Hamann

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