Geruchssinn und Geschmackssinn – ein unverzichtbares Paar auf Gegenseitigkeit

Geruchssinn: Mann riecht an Essen © Dana Tentis

Gerüche begleiten den Menschen, stärker noch als Geschmack, ein Leben lang. Gerüche vermitteln nicht nur Informationen, sie beeinflussen auch Gefühle. Angenehme und unangenehme Düfte und Geschmack warnen den Menschen, lösen Wohlbehagen aus oder vermitteln Genuss. Etwa 50 000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns – etwa bei einer Nebenhöhlenentzündung oder bei einer Parkinsonschen Erkrankung. Schon ein einfacher Schnupfen kann das Empfinden erheblich beeinträchtigen.

Zusammenspiel von Geruchs- und Geschmackssinn

Der Duft von frisch gemahlenem Kaffee, von frischem Brot, Brötchen oder von Plätzchen zur Weihnachtszeit weckt in jedem Menschen Gefühle und Erinnerungen und lässt "einem das Wasser im Mund zusammenlaufen". Doch allein mit der Zunge schmecken Speisen und Getränke fade, und das Essen macht keinen Spaß, wenn man es nicht auch riechen kann. Geschmacks- und Geruchssinn müssen also zusammenwirken, damit ein harmonisches Ganzes dabei heraus kommt.

Wie die Sinneszellen beim Riechen und Schmecken arbeiten

Geruchs- und Geschmackssinn sind chemische Sinne: Es sind die unsichtbaren Moleküle der Ausgangsstoffe, die über Mund und Nase an die Riechschleimhaut gelangen. Salzig oder süß, sauer oder bitter – nur diese vier Geschmacksrichtungen erkennt die Zunge mit Hilfe ihrer Geschmacksknospen. Dort sind es spezielle Zellverbünde, so genannte Rezeptoren, die den wahrgenommenen Geschmack an das Gehirn weiterleiten.

Mit Hilfe der Nase hingegen kann man Tausende von Gerüchen unterscheiden. Die Riechzellen, sie heißen auch "olfaktorische Sinneszellen", werden über Gerüche aktiviert. Fast alle dieser Nervenzellen befinden sich in einem kleinen Bereich im Dach der Nasenhaupthöhle, im Riech-Epithel. Hier sitzen Millionen von Riechzellen. Von dort werden die Signale über den Riechnerv direkt an das Gehirn weitergeleitet.

Eine wichtige Rolle im Zusammenspiel von Geruch und Geschmack spielt der Trigeminus-Nerv, der Fühlnerv: Dieser Hirnnerv, der sich in drei Äste aufspaltet, die sich zum Auge, Ober- und Unterkiefer erstrecken, vermittelt Empfindungen wie das Brennen von Chili oder den kühlenden Effekt von Menthol.

Erkrankungen und Diagnose

"Hyposmie" nennt die Medizin eine Erkrankung, bei der das Riechvermögen teilweise verloren gegangen ist. "Anosmie" ist der Fachbegriff für die vollständige Zerstörung des Geruchssinns. Eine häufige Ursache für einen zeitweiligen Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn ist in den meisten Fällen eine Erkältung. Hier sind es Schwellungen der Nasenschleimhaut, die zu Beeinträchtigungen des Riechvermögens führen.

Auch Grippeviren besiedeln die Schleimhäute und können das Epithel der Riechschleimhaut zeitweilig stören. Ebenso beeinträchtigen Nasenpolypen das Geruchsempfinden. Die Sinneswahrnehmungen kehren nach Abklingen der Erkrankung wieder zurück.

Um die Ursache der Erkrankung herauszufinden untersucht der Arzt die Nase, die Nasenschleimhäute und den Nasen-Rachen-Raum. Anschließend prüft er getrennt auf beiden Seiten den Geruchssinn und macht dabei auch eine Geschmacksprüfung. Eine Überprüfung der Durchgängigkeit der Nase u nd ein Allergietest sind ebenfalls erforderlich, um eine Allergie auszuschließen. Falls nötig werden mit Hilfe von Röntgen oder Computertomographie die Nasennebenhöhlen untersucht.

Riechstörungen bei Alzheimer und Parkinson

Wenn keine Erkältung vorliegt prüft der Arzt, ob zentrale Riechstörungen im Gehirn vorliegen, zum Beispiel bei Diabetes, Bluthochdruck, Mangel- oder Fehlernährung. Auch einige Medikamente können das Riech- und Geschmacksempfinden stören. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei rund 80 Prozent aller Parkinson- und Alzheimer-Patienten Riechstörungen schon im frühen Stadium auftreten. Die Ursachen für die Geruchsstörungen liegen bei beiden Erkrankungen nicht in gestörten Riechsinneszellen, sondern direkt im Gehirn.

Ab etwa dem 65. Lebensjahr nimmt die Regenerationsfähigkeit der Riechzellen ab. Auch die Geschmackswahrnehmung bildet sich, wenn auch nicht so stark, zurück. Viele ältere Menschen würzen daher manchmal ihr Essen zu stark und bevorzugen Süßspeisen. Ab dem 80. Lebensjahr leiden 80 Prozent der Bevölkerung an Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns. Bei Rauchern und Menschen, die zum Beispiel im Beruf viel mit stark riechenden Chemikalien arbeiten, ist der Geruchssinn eingeschränkt.

Aktualisiert: 08.08.2017

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