Haarausfall: Ursachen und Behandlung

Mann mit Haarausfall © istockphoto, swilmor

Kräftiges und volles Haar ist gleichbedeutend mit Jugend und Attraktivität – entsprechend groß ist für viele die psychische Belastung, wenn die Haare ausfallen. In Deutschland sind jeder zweite Mann und immerhin jede zehnte Frau betroffen – sei es durch erblich bedingten oder krankhaften Haarausfall. Oft sind dann die Hoffnungen groß, dass "Wundermittel“ und andere Therapien den Verlust der Haarpracht stoppen können. Als dauerhaft wirksam gilt die Haartransplantation. Aber es gibt auch andere zumindest zeitweise wirksame Mittel.

Die Haarstruktur

Unsere Haare bestehen aus Keratin, sind also zunächst nichts anderes als Hornfäden mit Pigmenten – und dennoch der schönste natürliche Schmuck, den wir besitzen. Zwischen 100.000 und 150.000 Haare hat der Mensch auf dem Kopf, zwischen 80 und 100 davon fallen täglich aus und wachsen wieder nach.

Haarwachstum und Haarausfall

Die Kopfhaare beim Menschen hören nicht bei einer bestimmten Länge zu wachsen auf, sondern sprießen pro Monat etwa einen Zentimeter. Rund sieben Jahre kann ein Haar wachsen, bevor es ausfällt und dann wieder neu nachwächst. Leider trifft dies nicht auf jeden zu. Haarausfall – Alopezie – ist ein weit verbreitetes Problem.

Wer über längere Zeit mehr als 100 Haare täglich verliert, leidet unter dieser Störung. Grundlegend wird zwischen zwei verschiedenen Formen, dem erblichen und dem krankhaften Haarausfall, unterschieden. Beide treten sowohl bei Männer als auch bei Frauen auf – wenngleich in unterschiedlicher Häufigkeit.

Genetisch bedingter Haarausfall

Der hormonell-erbliche Haarausfall – die so genannte androgenetische Alopezie – ist die häufigste Form des Haarverlustes, von der vorwiegend Männer betroffen sind. Ursache sind die „männlichen Gene“, die dafür sorgen, dass bei vielen Vertretern des männlichen Geschlecht die Haarfollikel mit steigendem Alter immer empfindlicher auf das Hormon Dihydrotestosteron (DHT) reagieren. Dieses Androgen ist ein männliches Sexualhormon, das nicht nur häufig für die ausdünnende Pracht auf dem Kopf verantwortlich ist, sondern auch für den Bartwuchs sowie den männertypischen Bewuchs auf der Brust und in der Schamgegend.

Die mit dem Alter zunehmende Empfindlichkeit für DHT ist genetisch vorprogrammiert und führt zu einer Verkleinerung des Haarfollikels - der sachartigen Struktur, die die Haarwurzel umgibt. Der Haarfollikel selbst ist von einer äußeren und einer inneren Haarwurzelscheide umgeben. Sirbt die Haarwurzelscheide schließlich ab, fallen die Haare aus und wachsen auch nicht mehr nach.

Haarausfall beginnt an den Geheimratsecken

Die Veränderungen bezüglich des Haarwuchses beginnen meist im 3. Lebensjahrzehnt. Normalerweise fangen sie schleichend an den „Geheimratsecken“ an. Diese wachsen nach hinten, später ist dann auch der Tonsurbereich des Hinterkopfes betroffen. Der Verlust geht über Jahre so lange weiter, bis nur noch ein mehr oder weniger dürftiger Haarkranz verbleibt. Typisch ist diese Form des Haarausfalls beim Mann. Doch auch Frauen können davon betroffen sein, da diese auch DHT bilden (wenngleich in sehr viel geringerem Maß als Männer). Oft zeigen die betroffenen Frauen insgesamt einen eher männlichen Behaarungstyp. Der Haarausfall beim Mann führt letztlich zur Glatzenbildung, bei der Frau lichtet sich das Haupthaar dagegen nur.

Verschiedene Regionen des Kopfes sind unterschiedlich sensibel gegenüber DHT. Unempfindlich sind beispielsweise die Haare im Haarkranz-Bereich am Hinterkopf. Daher werden bei Haartransplantationen immer Haare aus diesem Bereich entnommen und auf den Oberkopf transplantiert.

Krankhaft bedingter Haarausfall

Beim kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) bilden sich meist an verschiedenen Stellen des Kopfes runde, kahle Bereiche. Die Ursache für den kreisrunden Haarausfall ist vermutlich eine Autoimmunreaktion des Körpers gegen die Haarfollikel. In Deutschland sind etwa eine Million Menschen davon betroffen. Zu Beginn der Erkrankung verlieren die Haare zunächst ihr Pigment, sie werden grau. Charakteristisch sind kreisrunde oder oval geformte Kahlstellen auf der Kopfhaut. Im Randbereich dieser Stellen findet man die charakteristischen Kolbenhaare, die nur einen halben Zentimeter lang und wenig pigmentiert sind; gelegentlich sind sie am Ende gespalten.

Vorwiegend sind der Hinterkopf und die seitliche Region des behaarten Kopfes betroffen, seltener Wimpern, Bart und die übrige Körperbehaarung. Ganz selten kommt es zu einem kompletten Verlust der Körperbehaarung – dieser Sonderfall wird als Alopecia universalis bezeichnet. Die kahlen Stellen sind allerdings nicht schmerzhaft und jucken auch nicht.

Haarausfall während der Schwangerschaft

Auch Stoffwechselerkrankungen, Medikamente sowie Eisenmangel, hormonelle Störungen und extremer psychischer Stress können den Haarstoffwechsel negativ beeinflussen und zum so genannten diffusen Haarausfall führen. Ebenso kann in seltenen Fällen eine Fehl- oder Mangelernährung den Verlust der Haare verursachen. Schließlich gibt es noch den physiologischen Haarverlust. Er ist selten und tritt nach einer Schwangerschaft oder in der Menopause auf, was mit einem plötzlichen Abfall des weiblichen Hormons Östrogen zusammenhängt. Normalisiert sich der Östrogenspiegel wieder, hört meist auch der Haarausfall nach einiger Zeit wieder auf.

Den Haarausfall stoppen

Bevor man zu allen nur erdenklichen Mitteln greift, um das Haarwachstum anzukurbeln, sollte ein Hautarzt aufgesucht werden. Die Gründe für Haarausfall sind vielfältig und zugrunde liegende organische Störungen sollten ausgeschlossen werden. Die Behandlung des Haarausfalls ist oftmals schwierig. Beim anlagebedingten Haarverlust gibt es zwar mittlerweile Mittel, mit denen sich in bestimmten Fällen der Haarausfall stoppen lässt.

Einmal verkleinerte bzw. abgestorbene Haarfollikel lassen sich allerdings nicht „wiederbeleben“ – Wundermittel, die verheißen, auf einer haarlosen Glatze neue Haare sprießen zu lassen, versprechen mehr als sie halten können.

Aktualisiert: 07.08.2013 – Autor: bo

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