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Neurodermitis – Diagnose und Behandlung

Bei Neurodermitis ist zunächst eine genaue Diagnose entscheidend. Diese sollte auch die Suche nach den Ursachen der Krankheit umfassen, denn nur wenn man die Auslöser kennt und abstellen kann, kann eine Behandlung der Neurodermitis gelingen. Wie die Diagnostik erfolgt und welche Möglichkeiten der Therapie zur Verfügung stehen, erfahren Sie hier.

Wie erfolgt die Diagnose bei Neurodermitis?

Oftmals ist die Diagnose von Neurodermitis nicht schwierig, da ein Arzt die typischen Symptome bereits mit bloßem Auge erkennen kann. Eine frühzeitige und umfassende Allergiediagnostik ist bei gegebenem Verdacht bereits ab dem Säuglingsalter möglich. 

Die Aufgabe des Arztes besteht bei der Diagnostik aber nicht nur darin, zu bestimmen, ob überhaupt eine Neurodermitis vorliegt, sondern erfordert es auch, die Ursachen zu ermitteln. Dies ist oftmals deutlich schwieriger als das Erkennen der Hauterkrankung.

Die Stellung der Diagnose umfasst daher verschiedene Maßnahmen:

  • Anamnese, also eine Befragung durch den Arzt
  • Symptom-Tagebuch, um mögliche Auslöser zu bestimmen
  • Hauttests
  • Blutuntersuchungen

Therapie von Neurodermitis

Folgende Tipps helfen zur Behandlung einer Neurodermitis:

  • Babys sollten 4-6 Monate lang gestillt werden (Allergie-Prophylaxe) und es sollte kein Fremdeiweiß (Kuhmilch) zugefüttert werden. Falls dies nicht möglich ist, hypoallergene Milch geben. Erst ab dem 6. Monat zufüttern, bei positiver Familienanamnese Allergene wie Hühnerei, Fisch und Nüsse etc. frühestens ab dem 1. Lebensjahr in den Speisplan aufnehmen.
  • Für kleinere Kinder werden im Handel Overalls mit integrierten Fäustlingen sowie Extra-Handschuhe in allen Größen angeboten.
  • Bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben sollten die Matratze und gegebenenfalls auch die Bettdecke und das Kopfkissen mit milbendichten Überzügen bezogen werden.
  • Entspannungstechniken wie zum Beispiel autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen können helfen, die Beschwerden (vor allem den Juckreiz) in den Griff zu bekommen.
  • Aufgrund der Gefahr, eine Allergie gegen Tierhaare zu entwickeln, sollte besser auf Haustiere wie Katzen, Meerschweinchen oder Kaninchen verzichtet werden. Unbedenklich sind hingegen Tiere wie Fische und Schildkröten.
  • Irritierende Mittel sind zu meiden (unter anderem Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Wolle, Synthetik).

Therapiegrundsätze bei Neurodermitis

Wer unter Neurodermitis leidet, ist auf eine intensive und individuelle Therapie angewiesen, damit der Juckreiz nachlässt und die trockenen, juckenden Hautveränderungen (Ekzeme) abheilen können. Auf der sicheren Seite sind Betroffene, die sich auf die Kompetenz eines allergologischen Facharztes verlassen.

Der Therapeut wird nicht nur Medikamente verordnen, sondern den Neurodermitiker auch über die Bedeutung von konsequenter Hautpflege und psychologischer Hilfe informieren. Eine Ernährungsberatung und Tipps für den Alltag ergänzen die Behandlung. Die tägliche Neurodermitis-Therapie stützt sich auf mehrere Säulen. Entscheidend sind:

  • die Basispflege der trockenen Haut
  • die Behandlung mit Arzneimitteln bei akuten Neurodermitis-Schüben
  • persönliche Reizfaktoren, die einen Schub auslösen, zu vermeiden
  • die seelische Entlastung und Entspannung vom Alltag

Die Basispflege

Die Basispflege bei Neurodermitis zielt – auch in beschwerdefreien Zeiten – darauf ab, die sehr trockene und empfindliche Haut konsequent zu pflegen, von außen mit "fehlendem" Fett zu versorgen und ihren Feuchtigkeitshaushalt zu regulieren. Regelmäßiges Eincremen des gesamten Körpers mit geeigneten Präparaten ist besonders wichtig.

Hierfür gibt es in der Apotheke medizinische Basissalben, die beispielsweise Harnstoff enthalten. Bei Kindern bis 5 Jahre sind Harnstoffkonzentration zwischen 2 und 3 % angebracht, höhere Konzentrationen hinterlassen bei Kindern häufig ein brennendes Gefühl auf der Haut. Bei Erwachsenen sind Konzentrationen von 5-10 % üblich.

Zu den wichtigen Basistherapeutika gehören auch Ölbäder. Ölbäder hinterlassen auf der Haut einen kompletten Fettfilm und sind besonders für die großflächige Behandlung empfehlenswert. Gut bewährt haben sich auch Salzbäder.

Wie gut die Bäder helfen, ist individuell verschieden. Fest steht, dass das Salz des Toten Meeres besonders viele hautberuhigende Mineralstoffe enthält. Die Salze regen die Zellerneuerung an und wirken ausgleichend auf den natürlichen Feuchtigkeitsmantel der Haut. Wer keinen Urlaub am Toten Meer machen kann, findet eine Auswahl entsprechender Badezusätze in der Apotheke.

Behandlung akuter Neurodermitisschübe

Bei akuten Neurodermitis-Schüben kommen die Betroffenen an der medikamentösen Therapie nicht vorbei. Hier helfen verschiedene Salben und Medikamente zum Einnehmen:

  • Antihistaminika
  • Kortison
  • Tacrolimus und Pimecrolimus
  • Antibiotika
  • verschiedene Cremes
  • feuchte Umschläge

Antihistamin-Behandlung von Neurodermitis

Den Juckreiz lindern Antihistaminika. Man kann sie einnehmen (Tabletten, Saft) oder lokal anwenden (Gel, Creme, Stift). Zur äußerlichen Anwendung gibt es auch Produkte, die zusätzlich noch Hydrokortison enthalten. Der Juckreiz und die Entzündung werden dadurch noch stärker zurückgedrängt. Die meisten Produkte sind mittlerweile ohne Rezept erhältlich.

Salben mit und ohne Kortison

Stark entzündungshemmend und juckreizstillend wirken Kortisonsalben. Der Arzt kann sie bei akuten Schüben verordnen.

Kortisonfreie Salben mit den Wirkstoffen Tacrolimus und Pimecrolimus wirken antientzündlich. Sie sind in ihrer Wirkung vergleichbar mit Kortison, führen jedoch auch bei längerer Anwendung nicht zur Hautverdünnung.

Die entsprechenden Produkte müssen vom Arzt verordnet werden und sollten bei Kindern erst ab zwei Jahren angewandt werden. Doch auch dann ist Vorsicht geboten: Es gibt noch nicht genug Daten zur Langzeitverträglichkeit, weshalb nach Ansicht der amerikanischen Zulassungsbehörde die Mittel nur eingesetzt werden sollten, wenn kortisonhaltige Medikamente nicht ausreichend wirken.

Antibiotika gegen Neurodermitis

Antibiotika (verschreibungspflichtig) beziehungsweise antibiotikahaltige Einreibungen kommen bei Neurodermitis nur dann zum Einsatz, wenn es durch das Kratzen zu bakteriellen Infektionen der Haut gekommen ist.

Cremes und Umschläge

Bei einem eher trockenen Ekzem und starkem Juckreiz empfiehlt sich die Anwendung von Polidocanol-haltigen Dermatika oder Johanniskrautextrakt-haltigen Cremes. Bei extremem Juckreiz ist auch die kurzzeitige Anwendung eines kortisonhaltigen Präparates beziehungsweise die Einnahme von Antihistaminika angezeigt.

Bei nässenden Formen des Ekzems stehen entweder feuchte Umschläge mit gerbstoffhaltigen Extrakten (Regel: feucht auf feucht!) zum Beispiel mit Eichenrinde oder auch zinkhaltige Pasten (Pasta zinci mollis) im Vordergrund der Therapie. Gerade im Kindesalter werden Gerbstoffe wegen ihrer guten Verträglichkeit eingesetzt, da sie antientzündlich, leicht juckreizlindernd wirken und den Wasserhaushalt der Haut regulieren.

Neurodermitis-Schüben vorbeugen

Neurodermitis-Schüben kann man auch vorbeugen, wenn man weiß, worauf man überempfindlich oder allergisch reagiert. So leiden beispielsweise viele Neurodermitiker unter Allergien gegen Pollen, Schimmelpilze, Tierhaare oder Hausstaubmilben. Bei Kontakt mit dem jeweiligen Allergieauslöser kann dann ein Schub ausgelöst werden.

Neurodermitiker sollten möglichst alles meiden, was die Haut reizen könnte. Auch die Kleidung spielt eine Rolle. Grundsätzlich profitieren die Betroffenen von leichter Baumwollkleidung, während Wolle auf der Haut den Juckreiz eher fördert.

Aktualisiert: 23.09.2019 – Autor: Udo Schmidt

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