Lifeline Logo

Neurodermitis – was steckt dahinter?

Neurodermitis an der Hand © istockphoto, Sinhyu

Insgesamt gibt es in Deutschland etwa vier Millionen Menschen mit Neurodermitis – Tendenz steigend. Bei der Einschulung sind etwa 10 % der Kinder an einer Neurodermitis erkrankt. Es handelt sich somit um die häufigste entzündliche Hauterkrankung im Kindesalter. Paradoxerweise sind verbesserte Lebensumstände und eine steigende Hygiene mögliche Ursachen für diesen Anstieg. Wissenswertes über Ursachen, Verlauf, Diagnose und die richtige Behandlung von Neurodermitis erfahren Sie im Folgenden.

Neurodermitis: eine atopische Erkrankung

Neurodermitis wird auch als atopisches Ekzem, atopische Dermatitis oder endogenes Ekzem bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Erkrankung des sogenannten atopischen Formenkreises.

Zu dieser Gruppe von Erkrankungen zählen beispielsweise auch Asthma, Heuschnupfen oder eine Allergie gegen Hausstaubmilben. Der Begriff Atopie beschreibt eine erbliche Veranlagung, die bewirkt, dass bei Kontakt mit allergieauslösenden Stoffen eine übersteigerte Abwehrreaktion gezeigt wird und die genannten Erkrankungen des atopischen Formkreises entwickelt werden können.

Symptome und Phasen von Neurodermitis

Im Krankheitsverlauf von Neurodermitis wechseln sich akute und chronische Phasen ab, die durch unterschiedliche Symptome gekennzeichnet sind:

  • In der akuten Phase, dem Schub, dominieren Rötung, Überwärmung und Brennen, manchmal verbunden mit einem Nässen der Haut.
  • In der chronischen Phase (zwischen den akuten Schüben) ist die Haut zum Teil extrem trocken und schuppig. Häufig klagen die Betroffenen über einen quälenden Juckreiz.

Neurodermitis kann am ganzen Körper auftreten. Im Kindesalter sind zunächst meist die Streckseiten, später die Gelenkbeugen (Ellbogen, Knie) und häufig das Gesäß betroffen. Beim Erwachsenen tritt die Erkrankung in den Gelenkbeugen und vor allem im Gesicht, an Hals, Nacken, Schultern und Brust auf.

Ursachen und Auslöser von Neurodermitis

Ursache der Neurodermitis ist eine überschießende Reaktion des Körpers auf natürliche Umweltstoffe wie zum Beispiel Tierhaare, Schimmelpilze, Nahrungsmittel, Hausstaub oder Blütenpollen. Die Veranlagung zur Entstehung von Hautveränderungen wird vererbt, die Ausprägung ist aber von vielfältigen Faktoren abhängig.

Auslöser können folgende Faktoren sein:

  • verschiedene Inhalationsallergene (Pollen, Schimmelpilze, Hausstaubmilben, Tierhaare)
  • Kontaktallergene wie Nickel oder Duftstoffe
  • Irritanzien (Reinigungsmittel, Desinfektionsmittel, Wolle, Synthetik)
  • Nahrungsmittel (zum Beispiel Eier, Milchprodukte, Nüsse, Fisch)
  • Mikroorganismen auf der Haut (vor allem Staphylokokken, Candida, Pityrosporum ovale)
  • Klimafaktoren (starke Temperaturschwankungen, trockene Heizungsluft, kalte Winterluft, Schwitzen)
  • Umweltgifte (Zigarettenrauch)

In vielen Fällen kann zudem psychischer Stress – unter dem schon Kleinkinder leiden können – die Krankheit verschlimmern.

Verlauf von Neurodermitis

Atopische Erkrankungen treten meist als Neurodermitis in den ersten Lebensmonaten oder Lebensjahren auf. Obwohl die Symptome bis zur Einschulung beziehungsweise zum Ende der Pubertät in vielen Fällen von alleine zurückgehen und die Betroffenen dann weitgehend beschwerdefrei leben können, ist eine vollständige Heilung bis heute nicht möglich.

Das frühe Auftreten einer Neurodermitis zum Beispiel aufgrund von Nahrungsmittelallergien (zum Beispiel gegen Hühnerei) kann die Entwicklung eines potenziell lebensbedrohlichen Asthmas begünstigen, sofern nicht frühzeitig – in diesem Fall durch eine hühnereiweißfreie Diät – die richtigen Maßnahmen ergriffen werden.

Das Problem des "Etagenwechsels" wird nach wie vor häufig unterschätzt. Damit ist gemeint, dass eine unbehandelte Neurodermitis sich stufenweise zu einem Asthma weiterentwickeln kann:

  • Haut (Neurodermitis)
  • Nase (allergischer Schnupfen beziehungsweise Heuschnupfen)
  • Lunge (allergisches Asthma)

Während Erwachsene selten von Nahrungsmittelallergien betroffen sind, zeigen Untersuchungen, dass dies bei fast einem Drittel der betroffenen Kinder der Fall ist. An erster Stelle der Auslöser stehen Hühnerei, Kuhmilch, Weizen und Soja. Die Reaktionen verlieren sich häufig bis zum Schulalter wieder.

Aktualisiert: 27.09.2019 – Autor: Udo Schmidt

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?