Angina pectoris (Brustenge)

Mann mit Angina pectoris © istockphoto, fstop123

Der Sprint zum Bus, das Erklimmen mehrerer Stockwerke per Treppe oder eine ungewohnt anstrengende körperliche Aktivität – und plötzlich wird der Oberkörper eng, die Atmung beschwerlich und hinter dem Brustbein schmerzt es. Dies wird als Angina pectoris bezeichnet – ein deutliches Warnsignal, das ernst genommen werden muss, denn in vielen Fällen steckt eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels dahinter.

Entstehung von Angina pectoris

Die arterielle Blutversorgung des Herzmuskels erfolgt über die Herzkranzgefäße, die ihren Ursprung in der Hauptschlagader nehmen und sich an der Außenseite des Herzens baumkronenartig auffächern.

Kommt es zu einem Missverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf des Herzmuskels und Sauerstoffangebot über das Herzkranzgefäßsystem, können am Herzmuskel Durchblutungsstörungen auftreten. Dies verursacht Schmerzen und ein Engegefühl – die Angina pectoris (AP).

Ursachen von Angina pectoris

Die weitaus häufigste Ursache von Durchblutungsstörungen ist eine über Jahre fortschreitende Arterienverkalkung (Atherosklerose). Die daraus resultierenden Verengungen führen dazu, dass die Herzkranzgefäße zunächst vor allem bei erhöhtem Sauerstoffbedarf des Herzmuskels, wie zum Beispiel bei körperlicher Belastung, später auch in Ruhe keine ausreichende Durchblutung sicherstellen können.

Dies wird auch als koronare Herzkrankheit (KHK) bezeichnet – die Angina pectoris ist somit deren Hauptsymptom.

Seltenere Ursachen einer Angina pectoris können Vasospasmen, also die krampfartige Engstellung der Koronargefäße (Prinzmetal-Angina), sowie Herzmuskel- oder Herzklappenerkrankungen sein, die alle ebenfalls zu einem erhöhten Sauerstoffbedarf des Herzmuskels führen können.

Merkmale, Diagnostik, Verlauf

Je nachdem, ob Angina pectoris bei körperlicher Belastung oder in Ruhe auftritt, spricht man von Belastungsangina oder Ruheangina:

  • Belastungsangina: Dazu kommt es charakteristischerweise, wenn die Herzkranzgefäße trotz bestehender Einengungen unter Ruhebedingungen noch eine ausreichende Durchblutung gewährleisten können. Bei gesteigertem Sauerstoffbedarf jedoch, zum Beispiel bei sportlicher Aktivität, wird der Durchblutungsmangel deutlich. Die Beschwerden gehen in Ruhe (oder nach der Gabe von Nitroglyzerin) wieder zurück.
  • Ruheangina: Bei hochgradigen Verengungen der Herzkranzgefäße können Durchblutungsstörungen des Herzmuskels bereits unter Ruhebedingungen auftreten. Geht eine belastungsabhängige Angina pectoris im Laufe der Zeit in Ruheangina über, ist dies oftmals Zeichen für die Zunahme der Herzkranzgefäßverengungen und ein wichtiges Alarmsymptom.

Stabile und instabile Angina pectoris

Fachleute unterscheiden auch zwischen stabiler Angina pectoris und instabiler Angina pectoris – wobei die Belastungsangina fast immer eine stabile Form ist, es sei denn sie tritt sehr stark zum ersten Mal auf oder verschlechtert sich während eines Anfalls zunehmend. Die Ruheangina wird dagegen immer der instabilen Form zugeordnet, da sie unmittelbarer Vorläufer oder bereits erstes Symptom eines Herzinfarktes sein kann.

Um sicher zwischen einer Ruheangina und einem akuten Herzinfarkt unterscheiden zu können, ist es selbst für einen Arzt erforderlich, zusätzlich ein Elektrokardiogramm (EKG) zu schreiben und Laborwerte zu bestimmen.

Beim Auftreten von Angina-pectoris-Beschwerden sollte auf jeden Fall möglichst frühzeitig ein Arzt konsultiert werden.

Herzinfarkt als Komplikation

Angina pectoris ist in den meisten Fällen das Warnsymptom einer Erkrankung der Herzkranzgefäße. Die schwerwiegendste Komplikation kann ein Herzinfarkt sein, der unmittelbar zum Tode führen oder aufgrund von Folgeerscheinungen wie Herzrhythmusstörungen oder Herzmuskelschwäche die Lebenserwartung deutlich einschränken kann.

Aber auch ohne einen akuten Herzinfarkt besteht für den Betroffenen allein aufgrund der chronischen Durchblutungsstörungen die Gefahr, dass Herzrhythmusstörungen auftreten oder die Herzmuskelkraft nachlässt.

Aktualisiert: 28.02.2018 – Autor: Dagmar Reiche

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