Herzerkrankungen und Sexualität

Männer mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen – besonders nach einem Herzinfarkt – fürchten oft, dass Geschlechtsverkehr das kranke Herz überlasten könnte. Hinzu kommen zum Teil auch Depressionen oder die Befürchtung, beim Geschlechtsverkehr zu versagen.

Herz-Kreislauferkrankungen als Verursacher sexueller Funktionsstörungen

Der American Heart Association zufolge stellen Herz-Kreislauferkrankungen die häufigste Ursache für sexuelle Funktionsstörungen dar. Betroffene Patienten sind dabei mehrfach belastet:

  • zum einen durch die psychischen Belastungen der Herzerkrankung
  • einer verminderten körperlichen Leistungsfähigkeit und den damit verbundenen Einschränkungen in der Lebensführung
  • sowie der eigenen Ängste.

Wichtig ist deshalb, sich über die Erkrankung und die richtige Lebensweise zu informieren sowie regelmäßig die notwendigen Medikamente einzunehmen.

Sexuelle Probleme belasten die Partnerschaft

Probleme mit der Sexualität aufgrund einer Herzerkrankung führen bei Männern oft zu einem Knick im Selbstbewusstsein. Viele Patienten schränken, gerade nach einem Herzinfarkt, ihr Sexualleben auch freiwillig ein. Dabei wird die körperliche "Leistung" beim Liebesspiel von den meisten Menschen überschätzt. Ein normaler Geschlechtsverkehr ist im Allgemeinen für das Herz nicht belastender als drei bis vier Stockwerke hochzugehen oder zehn Minuten Schneeschaufeln. "Wenn man nach einem Herzinfarkt Tätigkeiten wie Laufen oder Autofahren wieder aufnimmt, kann man auch wieder sexuell aktiv sein", heißt es in den Leitlinien der renommierten American Heart Association.

Ein Arztbesuch bringt Klarheit

Wer aber unsicher ist, ob er nach einem Herzinfarkt schon wieder fit genug für die Partnerin ist, kann durch seinen Arzt beispielsweise mit einem Belastungs-EKG die Leistungsfähigkeit des Herzens überprüfen lassen. Übrigens sind Herzklopfen, schwere Atmung oder Schwitzen nach dem Sex ganz normal. Erst wenn Schmerzen dazu kommen oder die Veränderungen länger als 15 Minuten anhalten, sollte man aufpassen und bald ein Gespräch mit dem Arzt suchen. Er hilft bei der richtigen Einschätzung der Beschwerden.

Medikamente können die Sexualität beeinträchtigen

Manchmal sind jedoch auch Medikamente schuld, dass die Lust auf Sex fehlt oder das Stehvermögen beim Mann nachlässt. Herzpatienten müssen in der Regel immer ein, meist sogar mehrere Medikamente einnehmen, um die körperliche Belastbarkeit zu verbessern oder das Risiko schwerer Komplikationen zu vermindern. Einige Medikamente zur Behandlung einer Herzerkrankung – Diuretika, aber auch Antidepressiva und vor allem die so genannten Beta-Blocker können jedoch die Potenz und das sexuelle Lustempfinden mindern. Bei Unsicherheiten sollte der Patient seine Situation mit dem Arzt besprechen.

Vorsicht vor Potenzmitteln!

Männer, die mit Potenzmitteln medikamentös nachhelfen, leben nicht ganz ungefährlich. Denn die Kombination mit bestimmten Herzmitteln, wie beispielsweise den Nitraten, kann zu einem Blutdruckabfall führen. Bei zu niedrigem Blutdruck wird auch das Herz nicht mehr ausreichend durchblutet. Patienten mit sehr schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie instabiler Angina pectoris oder schwerer Herzinsuffizienz mit Symptomen bereits im Ruhezustand, denen von sexueller Aktivität abzuraten ist, sollten keine Medikamente zur Behandlung von Erektionsstörungen anwenden.

Fazit

Herzkranke müssen nicht automatisch auf Sexualität verzichten. Die Angst, durch sexuelle Aktivitäten das Herz zu überfordern, ist in den meisten Fällen unbegründet. Auch wenn körperliche oder seelische Probleme dem Liebesleben Grenzen setzen, sollte man auf Zärtlichkeiten in einer Beziehung nicht verzichten.

Aktualisiert: 09.05.2017

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