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Herzinfarkt – Definition, Ursachen, Merkmale, Diagnostik, Verlauf

Brustkorbschmerzen bei Herzinfarkt © istockphoto, forrest9

Der Herzinfarkt gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Die Definition eines Herzinfarkts lautet: Absterben eines unterschiedlich großen Teils des Herzmuskels infolge Sauerstoffmangels mit zum Teil lebensbedrohlichen Komplikationen. Hier erfahren Sie, wie und warum ein Herzinfarkt entsteht, wie Sie ihn erkennen und was bei Verdacht auf einen Herzinfarkt zu tun ist.

Wie entsteht ein Herzinfarkt?

Das Herz stellt als Motor des Kreislaufs die treibende Kraft aller Durchblutungsvorgänge im Organismus dar. Selbstverständlich benötigt auch der Herzmuskel für seine kontinuierliche, sehr energieaufwendige Pumptätigkeit eine ausreichende Sauerstoffversorgung. Die Durchblutung des Herzmuskels wird über die Herzkranzgefäße sichergestellt, die unmittelbar am Abgang der Hauptschlagader ihren Ursprung haben und sich wie die Äste einer Baumkrone auf der Oberfläche des Herzens auffächern.

Der Herzmuskel reagiert bereits auf nur Sekunden andauernde Durchblutungsstörungen sehr sensibel, während zum Beispiel die Arme oder Beine des Menschen einen Durchblutungsausfall zum Teil über mehrere Stunden ohne wesentliche Schädigungen verkraften.

Zum Herzinfarkt kommt es, wenn die Durchblutung des Herzmuskels über die Herzkranzgefäße akut so eingeschränkt wird, dass ein Teil des Herzmuskels abstirbt.

Ursachen eines Herzinfarkts

Einem solchen Herzinfarkt liegt in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine chronische Verkalkung der Herzkranzgefäße zugrunde, die durch hohen Blutdruck, Zuckerkrankheit, Fettstoffwechselstörung, Gicht, Übergewicht, Rauchen und genetische Faktoren begünstigt wird. Wie Kalkablagerungen in den Rohren einer Waschmaschine bilden sich bei der Aderverkalkung im Laufe von Jahrzehnten Verengungen an den Herzkranzgefäßen.

Bei vollständigem Verschluss eines wichtigen Gefäßes – meist durch ein zusätzliches kleines Blutgerinnsel – kommt es zum Infarkt.

Es sind jedoch auch Herzinfarktmechanismen denkbar, bei denen die Herzkranzgefäße gesund sind. Dies wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn ein Blutgerinnsel aus dem Herzen selbst mit dem Blutstrom mitgerissen wird, in die Herzkranzgefäße gelangt, dort ein gesundes Gefäß verstopft und den Herzinfarkt auslöst.

In sehr seltenen Fällen kommt auch eine akute Thrombose eines primär gesunden Herzkranzgefäßes oder sogar eine Gefäßverkrampfung als Auslöser eines Herzinfarktes in Betracht.

Die möglichen Ursachen eines Herzinfarktes noch einmal im Überblick:

  • Atherosklerose (Arterienverkalkung)
  • Embolie (Verschleppung eines Blutgerinnsels)
  • Thrombose (Lokale Bildung eines Blutgerinnsels)
  • Gefäßkrampf (Vasospasmus)

Allgemeines über Herzinfarkte

Der Herzinfarkt ist die schwerwiegendste Komplikation der koronaren Herzerkrankung. In westlichen Industrienationen liegt er in der Todesursachenstatistik weit vorne. Im Durchschnitt sterben ungefähr 300 bis 400 von 100.000 35- bis 64-jährigen Männern an den Folgen eines Herzinfarktes. Zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr treten Herzinfarkte bei Männern deutlich häufiger auf als bei Frauen.

Bei älteren Menschen gleichen sich diese Unterschiede wieder an. Zudem lässt sich beobachten, dass die Häufigkeit der koronaren Herzerkrankung als auch der Herzinfarkte im Laufe der letzten Jahrzehnte bei Frauen deutlich zugenommen hat – und zwar am ehesten als Folge des Nikotinkonsums und der Einnahme der Antibabypille.

Die Arterienverkalkung an den Herzkranzgefäßen kann individuell sehr unterschiedliche Ausprägungen annehmen und auch zu den unterschiedlichsten Symptomen führen. Liegen nur geringe Verengungen der Herzkranzgefäße vor – normalerweise weniger als 70 Prozent des Gefäßdurchmessers – müssen überhaupt keine Symptome auftreten. Die Extremform wäre durch den vollständigen Verschluss eines Herzkranzgefäßes mit Herzinfarkt gegeben.

Dazwischen existieren fließende Übergänge zwischen Angina pectoris-Beschwerden bei stärkerer körperlicher Belastung (Belastungsangina) bis hin zu Angina pectoris in Ruhe (Ruheangina), die bereits ein Vorbote des Herzinfarktes sein kann. Zudem hängt die Ausprägung der Beschwerden eines Patienten bei Verkalkung der Herzkranzgefäße auch von seinem körperlichen Trainingszustand und möglichen Begleiterkrankungen wie zum Beispiel einer Zuckerkrankheit ab.

Merkmale und Symptome

Regelmäßiges körperliches Training verbessert die Durchblutung des Herzmuskels, der dementsprechend auch besser vor einem Herzinfarkt gewappnet ist. Der Herzinfarkt kann in einigen Fällen die erste und zugleich dramatischste Erscheinung der Aderverkalkung an den Herzkranzgefäßen sein. So kann es bei einem anscheinend gesunden Menschen aus heiterem Himmel heraus zum Auftreten eines Herzinfarktes mit tödlichem Ausgang kommen.

Der Herzinfarkt kann aber auch am Ende einer langjährigen Zunahme von Angina pectoris-Beschwerden stehen.

Beim klassischen Herzinfarkt bestehen folgende Beschwerden:

  • Starke, drückende Brustschmerzen zum Teil mit Ausstrahlung in den linken Arm ("als ob sich ein Eisenring um die Brust zusammenzieht")
  • Kaltschweißigkeit
  • Atemnot
  • Blässe
  • Flacher, schneller Puls
  • Angstgefühle

Ein Herzinfarkt kann sich aber auch hinter weit weniger typischen Symptomen wie Kieferschmerzen, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Ohnmachtsanfällen oder Herzrhythmusstörungen verbergen. In Einzelfällen spricht man auch von stummen Herzinfarkten, die meist erst Jahre später zufällig im Elektrokardiogramm (EKG) diagnostiziert werden.

Schnelles Handeln erforderlich

Besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt, ist höchste Alarmstufe geboten. Selbst von den Patienten, die in dieser lebensbedrohlichen Notfallsituation noch in die Klinik gebracht werden können, sterben 15 bis 30 Prozent in den darauffolgenden Stunden. Wird der Herzinfarkt überlebt, sterben immer noch drei Prozent der Patienten pro Jahr an Komplikationen wie bösartigen Herzrhythmusstörungen, erneutem Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz.

Über die konkreten auslösenden Ursachen für einen Herzinfarkt im Einzelfall, wird gerade von Laien gerne spekuliert. Entgegen landläufiger Meinung sind es erfahrungsgemäß viel häufiger Ruhe- und Entspannungssituationen als Belastungssituationen, in denen Herzinfarkte auftreten.

Diagnose durch EKG und Bluttests

Die Diagnose kann bei entsprechendem Beschwerdebild nur durch ein EKG und durch bestimmte Bluttests sicher gestellt werden, da die Übergänge zwischen Durchblutungsstörungen bei Angina pectoris und einem richtigen Herzinfarkt fliessend verlaufen. Im EKG sieht der Arzt typische Veränderungen, die auf einen Herzinfarkt hindeuten: zudem kann auch bereits die Region des Herzens – Vorderwand, Hinterwand oder Seitenwand – ermittelt werden, die von dem Infarkt betroffen ist.

Die Bluttests wiederum geben Auskunft über das Ausmaß und das Stadium des Herzinfarktes. Entscheidend für die Behandlung ist es nämlich, das genaue Stadium zu kennen und idealerweise in einem möglichst frühen Stadium des Herzinfarktes erste Maßnahmen einzuleiten.

Verlauf beim Herzinfarkt

Liegt der Beginn des Herzinfarktes bei Diagnosestellung bereits mehr als vier bis sechs Stunden zurück, muss bereits mit größeren irreversiblen Schädigungen des Herzmuskels gerechnet werden. Der abgestorbene Teil des Herzmuskels wird normalerweise vom Körper innerhalb von 10 bis 14 Tagen durch eine bindegewebige Narbe wie nach einer Verbrennung der Haut ersetzt.

Dieses Narbenmaterial hat natürlich nicht die Leistungsfähigkeit des ehemals intakten Herzmuskels, so dass nach einem Herzinfarkt oftmals eine Herzmuskelschwäche bis zur Herzinsuffizienz bestehen bleibt.

Wenn keine eindeutige Diagnose möglich ist

Manchmal kann die Diagnose – vor allem bei kleinen Infarkten – nicht eindeutig gestellt werden. Im Zweifelsfall wird jedoch ein Patient aus Sicherheitsgründen wie bei einem richtigen Infarkt behandelt. Neben den indirekten Methoden wie Bluttests und EKG können die Veränderungen an den Herzkranzgefäßen selbst nur durch eine Herzkatheteruntersuchung direkt eingesehen werden.

Bei diesem Verfahren werden über lange Plastikschläuche, die über die Leistengefäße zum Herzen vorgeschoben werden, die Herzkranzgefäße aufgesucht und mit Röntgenkontrastmittel dargestellt. Klassischerweise wird dabei beim akuten Herzinfarkt ein verschlossenes Infarktgefäß gefunden. Zusätzlich kann man in der Region des Herzmuskels, die vormals durch das Infarktgefäß mit Blut versorgt wurde, eine verminderte Kontraktionskraft nachweisen.

Auch Jahre nach einem Herzinfarkt bleibt die regional verminderte Kontraktionskraft des Herzmuskels bestehen und kann durch eine Herzkatheteruntersuchung oder – weit weniger aufwändig – auch durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens diagnostiziert werden. Sind die Herzkranzgefäße bei der Herzkatheteruntersuchung im akuten Infarkt jedoch unauffällig, besteht Verdacht auf einen embolischen Infarkt (mit Selbstauflösung des Blutgerinnsels) oder selten auf einen vasospastischen Infarkt.

Aktualisiert: 11.08.2017

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