Behandlung bei Coronavirus: Symptomatische Therapie in Isolation

Behandlung bei Coronavirus in Isolierzimmer © istockphoto, Mongkolchon Akesin

Bislang gibt es keine spezifische Therapie gegen das Coronavirus. Je nach Schwere des Verlaufs erfolgt die symptomatische Behandlung von Patienten mit COVID-19 im Krankenhaus. Das medizinische Personal muss für eventuelle Komplikationen wachsam sein, um etwa im Falle von Lungenversagen schnell eingreifen zu können.

Symptomatische Therapie bei mildem Verlauf einer Coronavirus-Infektion

Da bislang nicht genügend Erfahrungen bei der spezifischen Behandlung einer Coronavirus-Infektion existieren, steht bei der Therapie von COVID-19 nach wie vor die Linderung der Symptome im Vordergrund. Dazu gehört etwa, den typischerweise trockenen Husten zu mildern oder Fieber zu senken.

Behandlung im Krankenhaus oder zu Hause?

Äußert sich COVID-19 nur durch leichte Symptome, können Betroffene normalerweise zu Hause bleiben und sich dort auskurieren.

Je nach Schweregrad der Symptomatik kann auch eine stationäre Behandlung angezeigt sein. Bei komplizierten Verläufen von COVID-19 ist das medizinische Personal besonders gefordert, mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und nach Bedarf rechtzeitig einzugreifen.

Intensivmedizinische Maßnahmen inklusive einer Beatmung des Patienten können innerhalb kürzester Zeit notwendig werden, weil das Coronavirus die tiefliegenden Atemwege angreift. COVID-19 kann vor allem bei älteren Menschen eine schwere Lungenentzündung auslösen, die auch zu einem tödlichen Lungenversagen (ARDS) führen kann.

Isolation und Hygiene bei der Behandlung von Coronavirus-Infizierten

Die Coronavirus-Pandemie stellt das gesamte Gesundheitswesen vor immense Herausforderungen. Das behandelnde Personal sollte speziell für die Viruserkrankung COVID-19 geschult sein und darf nur mit einer speziellen Schutzausrüstung zu den Patienten. Außerdem sollten die für COVID-19 eingesetzten Ärzte möglichst keine Patienten mit anderen Erkrankungen behandeln.

Muss der COVID-19-Betroffene im Krankenhaus betreut werden, sollte der Patient vorzugsweise einzeln in einem Isolierzimmer untergebracht werden. Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr gilt für isolierte Coronavirus-Patienten striktes Besuchsverbot.

Auch wenn der Coronavirus-Patient nicht im Krankenhaus behandelt werden muss und sich zu Hause auskurieren kann, sollte er den Kontakt zu anderen Menschen strikt meiden und, wenn möglich, getrennt von den anderen Personen im Haushalt in einem separaten Zimmer untergebracht sein.

Antivirale Therapieversuche bei Coronavirus

Es ist noch nicht abzusehen, ob - und falls ja - wann ein spezifisches Virustatikum, das eine Vermehrung des Coronavirus hemmt, zur Verfügung stehen könnte.

Zum Einsatz kamen aber bereits mehrere Wirkstoffe für antivirale Therapieversuche, um SARS-CoV-2-Infektionen einzudämmen. Verschiedene Medikamente werden derzeit auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Therapieoption diskutiert. Da deren Wirksamkeit aber bislang nicht zureichend bestätigt wurde, reichen die Daten noch nicht aus, um einen der Wirkstoffe gegen SARS-CoV-2 offiziell zu empfehlen.

Eine antivirale Therapie kann im Einzelfall jedoch unter bestimmten Voraussetzungen bei schweren Verläufen der Erkrankung unter Einbeziehung einer Risiko-Nutzen-Abschätzung erwogen werden. Die Entscheidung obliegt immer dem behandelnden Arzt, unter Berücksichtigung der Bestimmungen des Landes, in dem der Betroffene behandelt wird.

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Passivimpfung gibt Hoffnung für Behandlung

Auf der Suche nach einem Medikament gegen das Coronavirus sehen Experten großes Potential hinsichtlich einer passiven Impfung aus sogenannten „monoklonalen neutralisierenden Antikörpern“. Dabei handelt es sich um hochspezifische Antikörper, die in Zellkulturen im Labor hergestellt werden und hochdosiert verabreicht werden könnten. Wissenschaftler, unter anderem der Berliner Charité sowie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), konnten aus Blutseren genesener COVID-19-Patienten bereits zahlreiche hochwirksame Antikörper herausfiltern, die sich gegen das Coronavirus richten.

Da die Antikörper nach und nach vom Körper wieder abgebaut werden, bieten Passivimpfungen allerdings nur temporär einen Schutz gegen das Coronavirus. Im Fokus der Wissenschaftler stehen besonders gefährdete Personengruppen wie medizinisches Personal, Pflegepersonal sowie Hochrisikopatienten. Diese sollen mit einer Passivimpfung zumindest einige Zeit geschützt werden, bis ein aktiver Impfstoff zur Verfügung steht.

Zusätzlich kann eine solche Passivimpfung auch therapeutisch eingesetzt werden. Durch das Spritzen der Antikörper in konzentrierter Form wird das Virus daran gehindert, sich weiter im Körper zu vermehren. So könnten schwere Verläufe verhindert und eine Heilung von COVID-19-Patienten beschleunigt werden.

Die Wirksamkeit wurde bereits in Tierversuchen bewiesen. Bislang fehlen allerdings klinische Studien am Menschen, weshalb auch die Verträglichkeit noch nicht bestätigt werden konnte (Stand: Dezember 2020).

Immunserumtherapie mit Blutplasma

Eine Weitere Möglichkeit, die auf einem ähnlichen Prinzip wie die Passivimpfung beruht, ist die Immunserumtherapie. Dabei wird COVID-19-Erkrankten antikörperreiches Blutplasma von bereits genesenen Patienten verabreicht. Die Vermehrung des Virus soll durch die Gabe des Plasmas in einem möglichst frühen Stadium aufgehalten werden, um schlimme Verläufe von COVID-19 zu verhindern. 

Die Wirksamkeit einer solchen Blutserumtherapie ist allerdings geringer als bei einer spezifischen Passivimpfung mit monoklonalen Antikörpern, da die Blutseren eine bunte Mischung an Antikörpern enthalten. Sie sind quasi nicht labortechnisch „maßgeschneidert“.

In mehreren Ländern zeigten erste Therapieversuche mit Blutplasma dennoch bereits vielversprechende Ergebnisse. In einer kleinen Studie in China beispielsweise konnte gezeigt werden, dass mit Blutserum behandelte COVID-19-Patienten einen milderen Krankheitsverlauf aufwiesen: Bei ihnen verringerte sich die Zahl der Viren im Blut und auch die Symptome klangen schneller wieder ab als bei der Vergleichsgruppe.

Genügend Antikörper sind allerdings nur im Blutplasma von Genesenen vorhanden, die COVID-19 in einer gewissen Schwere durchgemacht haben. Und selbst dann ist nicht garantiert, dass die richtigen Antikörper vorhanden sind. Unter anderem deshalb, weil falsche Antikörper eine Infektion verschlimmern könnten und die Spender seit mehreren Wochen symptomfrei sein müssen, kommt auch nur ein Bruchteil der zur Verfügung stehenden Spenden infrage.

Antibiotikatherapie bei Coronavirus und Superinfektion

Ist bekannt oder besteht der Verdacht, dass ein COVID-19-Patient eine weitere, durch Bakterien verursachte Infektion hat (Sekundärinfektion), sollte eine antibiotische Behandlung erfolgen.

Verhalten nach COVID-19-Infektion

Nach einer überstandenen COVID-19-Infektion, besonders bei schweren Verläufen und wenn der Patient stationär behandelt wurde, ist temporär das Risiko für neue Infektionen erhöht. Der ehemalige Coronavirus-Patient sollte sich deshalb in den folgenden Wochen selbst genau beobachten, die generell empfohlenen Hygienemaßnahmen einhalten und bei eventuellen Symptomen telefonischen Kontakt zum Arzt oder dem Gesundheitsamt aufnehmen. Am Wochenende und abends bitte die 116117 wählen.

Möglicherweise steht auch bald eine Passivimpfung zur Verfügung, mit der an COVID-19 erkrankte Menschen vielleicht erfolgreich behandelt werden könnten.

Quellen

Aktualisiert: 08.12.2020 - Autor: Annika Lutter, Medizinredakteurin

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