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Flatten the Curve: Warum Social Distancing so wichtig ist

Flatten the curve © istockphoto, Nuthawut Somsuk

Experten schätzen, dass sich 60 bis 70 Prozent der Deutschen mit dem Coronavirus infizieren werden, bei den meisten wird die Infektion einen leichten Verlauf nehmen. Dennoch ist es wichtig, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen – nur so lässt sich eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern und Zeit für die Entwicklung von Medikamenten und/oder Impfstoffen gewinnen. "Flatten the curve" heißt das Gebot der Stunde – hier erläutern wir, was damit gemeint ist und warum es so wichtig ist.

Welche Kurve ist gemeint?

Wenn Fachleute von "Flatten the Curve" (Abflachen der Kurve) sprechen, meinen sie Grafiken wie diese, welche die zu erwartende Zahl von Corona-Infektionen über einen gewissen Zeitraum hinweg abbildet.

Flatten the curve (Animation zur Erklärung)

"Flatten the curve" – diese Animation veranschaulicht die Auswirkungen.

Ohne Schutzmaßnahmen verläuft diese Kurve sehr steil, die Zahl der Neuinfektionen wächst rasant. Mathematiker sprechen hier von einem "exponentiellen Wachstum".

Was bedeutet exponentielles Wachstum?

Die meisten Dinge entwickeln sich linear: Dabei kommt in festen Abständen eine feste Zahl von Fällen dazu, beispielsweise zweihundert pro Woche. Beim exponentiellen Wachstum hingegen findet in einem festen Zeitraum jeweils eine Verdopplung der Fallzahlen statt. Das ist deshalb so gefährlich, weil diese Form des Wachstums oft unterschätzt wird: Die Kurve verläuft zunächst relativ flach, um dann steil anzusteigen, bis sie fast senkrecht nach oben schießt.

Um die enorme Wucht exponentiellen Wachstums zu verdeutlichen, wird gerne die Legende vom Erfinder des Schachspiels zitiert. Dieser bat seinen Herrscher darum, in Reiskörnern entlohnt zu werden: Ein Korn für das erste Feld des Schachbretts, zwei für das zweite, vier für das dritte, acht für das vierte – und immer so weiter. Der Herrscher willigte nichtsahnend ein – um festzustellen, dass er bei dieser kontinuierlichen Verdopplung mehr als 18 Trillionen Reiskörner für das 64. Feld benötigen würde.

Das Coronavirus verbreitet sich nach dem gleichen Prinzip: Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl der Infizierten etwa alle drei Tage verdoppelt. Bei ungebremstem Wachstum wären dann bereits im Mai mehr als eine Million Menschen in Deutschland mit Corona infiziert.

Warum ist exponentielles Wachstum ein Problem?

Für die Mehrheit der Infizierten verläuft die Erkrankung harmlos, doch bei etwa 20 Prozent der Betroffenen wird eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich. Ein Teil von ihnen benötigt eine intensivmedizinische Betreuung, dafür stehen in Deutschland zurzeit jedoch nur circa 28.000 Betten zur Verfügung. Bei einer exponentiellen Ausbreitung des Coronavirus werden so viele Menschen gleichzeitig krank, dass die Krankenhäuser innerhalb kürzester Zeit überlastet wären und die Betroffenen nicht ausreichend behandelt werden könnten.

Auch Menschen mit anderen Erkrankungen könnten davon betroffen sein: Wenn mehr und mehr Betten für die Behandlung von Corona-Patienten benötigt werden, reichen die vorhandenen Kapazitäten nicht für die Versorgung anderer Patienten aus – bereits jetzt werden beispielsweise nicht unbedingt notwendige Operationen verschoben. Hinzu kommt, dass es zu Ausfällen beim medizinischen Personal kommen kann, wenn Ärzte und Pfleger selbst erkranken.

Wenn die Zahl der Zahl der Neuinfektionen über einen möglichst langen Zeitraum hingezogen – also die Kurve abgeflacht – wird, haben mehr Menschen die Chance auf eine optimale medizinische Versorgung und weniger Menschen werden sterben. Gleichzeitig gewinnen Wissenschaftler Zeit, die dringend für die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen benötigt wird.

Was tun, um die Kurve flachzuhalten?

Von der Schulschließung bis zum Versammlungsverbot: Sämtliche Maßnahmen von Regierung und Behörden zielen darauf ab, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Jeder Einzelne kann einen Beitrag dazu leisten, indem er seine sozialen Kontakte auf ein Minimum reduziert (Social Distancing). Das geht unter anderem mit folgenden Maßnahmen:

  • Arbeiten im Homeoffice
  • private Kontakte auf das Nötigste reduzieren oder per Telefon und Internet pflegen
  • Vermeidung öffentlicher Verkehrsmittel und Menschenansammlungen
  • mindestens ein bis zwei Meter Abstand zu anderen Menschen
  • Begrüßungsrituale wie Händeschütteln und Umarmungen vermeiden
  • Einkäufe zu Stoßzeiten vermeiden, gegebenenfalls auf Lieferdienste umsteigen
  • Verzicht auf Reisen

Da die Dunkelziffer beim Coronavirus sehr hoch ist und viele Betroffene gar nicht spüren, dass sie infiziert sind, ist es sehr wichtig, dass sich auch (vermeintlich) gesunde Menschen an diese Maßnahmen halten.

Quellen und weitere Informationen

Aktualisiert: 22.05.2020 – Autor: Constanze Wolff

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