Lungenpest

Spricht man über die Pest, drängen sich einem unweigerlich Bilder des Mittelalters mit unhygienischen Zuständen, unzähligen Ratten und vielen menschenleeren Regionen auf - forderten doch die Pestepidemien im Mittelalter über 20 Millionen Todesopfer. Doch auch heute noch sind die Pestbakterien laut WHO jährlich für 1000-3000 Menschen tödlich - zuletzt die in Nordwestchina ausgebrochene Lungenpest.

Pest - was ist das?

Die Pest ist eine bakterielle Erkrankung, die sehr unterschiedlich verlaufen kann: Im schlimmsten Fall führt sie als Lungenpest innerhalb weniger Tage zum Tod, die harmlose Variante führt zu einer leichten grippalen Reaktion des Körpers mit etwas Fieber und Unwohlsein (abortive Pestform). Die Pestbakterien können durch Bisse eines infizierten Flohs auf den Menschen übertragen oder als Tröpfcheninfektion z.B. beim Husten von Mensch zu Mensch weitergegeben werden.

Wie oft kommt es zu Pesterkrankungen und wo treten sie auf?

Während Europa und Australien als pestfrei gelten, gibt es in Asien, Afrika und Amerika Gegenden, in denen es immer wieder zu regionalen Pestausbrüchen kommt. Gefährdet sind von allem Menschen, die viel direkten Kontakt zu Tieren haben: Jäger, Tierärzte, aber auch Hirten oder andere Menschen, die mit ihren Tieren beengt zusammenleben. Besonders unter schlechten hygienischen Bedingungen und in Gegenden mit einem niedrigen Lebensstandard, in denen viele Menschen – und auch Tiere - auf engstem Raum zusammenleben, können infizierte Flöhe neben Ratten und anderen Nagetieren auch Menschen anstecken. Zwar sind die Bedingungen für die weltweite Ausbreitung eines Infektionsherds wie im Mittelalter nicht gegeben, doch kommt es lokal jedes Jahr immer wieder zu begrenzten Pestausbrüchen, die teilweise mehrere Hundert oder sogar Tausend Tote fordern. Die Länder Uganda, Kongo, Indien, China waren in den letzten Jahren betroffen – aber auch im Südwesten der USA kommt es immer mal wieder zu Pesterkrankungen bei Katzenbesitzern, deren Tiere erkrankte Präriehunde erbeuten.

Beulenpest, Lungenpest - wo liegt der Unterschied?

Die verschiedenen Pestformen werden tatsächlich vom gleichen Erreger hervorgerufen. Bei der Beulenpest kommt es zum einen lokal an der Bissstelle zu schmerzhaften Lymphnotenschwellungen - die Lymphknoten und -bahnen können bis zu 10 Zentimeter dicke Ausbeulungen bilden (daher der Name). Zum anderen zeigt der Pestkranke starkes Fieber, Grippesymptome, möglicherweise eine Bewusstlosigkeit. Die Beulenpest geht oft in eine Pestsepsis (Sepsis=Blutvergiftung) über, bei der die Bakterien mit dem Blut in alle Organe verstreut werden, wo sie zu Erkrankungssymptomen führen. Während eine Beulenpest in ca. der Hälfte aller Erkrankungen tödlich verläuft, ist eine Pestsepsis ohne gezielte antibiotische Behandlung fast immer tödlich – und zwar bereits nach 1 bis 2 Tagen.
Ähnlich fatal zeigt sich das Krankheitsbild der Lungenpest. Auch dort sterben bis zu 95% aller Erkrankten innerhalb von wenigen Tagen – wahrscheinlich, weil auch dort durch den direkten Kontakt der Erreger zur Lunge das Abwehrsystem des Körpers zu spät gegen die Infektion ankämpfen kann. Die Betroffenen husten, entwickeln nach kurzer Zeit blutigen Auswurf und ein Lungenversagen mit Atemnot und Blutrückstau zum Herzen. Manchmal beginnt die Pest auch mit einer Halsentzündung, die aber ähnlich wie die Beulenpest ohne Behandlung in eine Pestsepsis ausarten kann. Nur die abortive Pest ist eine harmlose Variante, die mit leichten Erkältungssymptomen einhergeht. Hat man einen Pestanfall überlebt, besteht lebenslange Immunität gegen diese gefährliche Erkrankung.

Was kann man bei einer Pesterkrankung tun?

Bei Verdacht auf eine Pesterkrankung ist die rasche Gabe von antibiotischen Substanzen wie Streptomycin, Tetracyclin oder Doxycyclin meist lebensrettend – so lässt sich die Sterblichkeit auf unter 20 % senken. Der Nachweis der Erreger im Blut sichert die Diagnose, allerdings wird wegen des dramatischen Krankheitsverlauf meist mit der Behandlung begonnen, bevor ein Ergebnis vorliegt.
Daneben kommt der Vernichtung der infizierten Flöhe mittels Insektenvernichtungsmittel und Bekämpfung der Nager im betroffenen Gebiert eine besondere Rolle zu. Mit diesen Maßnahmen wird verhindert, dass sich weitere Personen mit den Pesterregern infizieren.

Wie kann man einem Pestausbruch vorbeugen?

Schutzmaßnahmen gegen Flohstiche in Gebieten, die für Pestausbrüche bekannt sind, wie das Bedecken der Beine und moderne Insektenschutzmittel sind für Menschen, die sich in gefährdeten Gebieten aufhalten, ebenso selbstverständlich wie das Fernhalten von Nagern. Ist man eventuell mit den Erregern in Kontakt geraten, empfiehlt sich eine vorsorgliche Antibiotikagabe über mehrere Tage. Es existiert zwar ein Impfstoff gegen den Pesterreger, er ist aber nur begrenzt wirksam und schlecht verträglich.

Aktualisiert: 28.03.2014 – Autor: Quellen: Robert-Koch-Institut, WHO / Nathalie Blanck

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