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Gebärmutterhalskrebs-Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut in Berlin empfiehlt die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) als Standard-Impfung für Mädchen und junge Frauen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Jedes Jahr wird deutschlandweit bei mehr als 4.700 Frauen ein Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) diagnostiziert und etwa 1.500 Frauen sterben an dieser Erkrankung. Durch die HPV-Impfung wird bei Frauen das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, gesenkt. Auch für Jungen wird die Impfung neuerdings empfohlen.

Wissenswertes rund um die Gebärmutterhalskrebs-Impfung

Der Impfstoff ist zur Prävention des Zervixkarzinoms (Gebärmutterhalskrebs) und seiner Vorstufen sowie des Vulvakarzinoms und der äußeren Genitalwarzen (Feigwarzen) zugelassen. Die Zweimalimpfung sollte idealerweise bei Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren in einem Abstand von 5 Monaten erfolgen und vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein. Ein vollständiger Schutz besteht erst nach Verabreichung beider Dosen. Die Impfung wirkt nicht gegen schon bestehende HPV-Infektionen oder vorhandene Feigwarzen.

Dieser Hinweis bedeutet jedoch nicht, dass Mädchen von der Impfung ausgeschlossen sind beziehungsweise eine Kostenerstattung der Krankenkassen hinfällig werden könnte, falls bereits Geschlechtsverkehr stattfand. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass bereits der erste Geschlechtsverkehr eine Infektion mit den vier entscheidenden Virustypen zur Folge hat.

Versäumte Impfungen sollten bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, also bis zu dem Tag vor dem 18. Geburtstag, nachgeholt werden. Bei Nachholimpfungen im Alter von über 14 Jahren oder bei einem Impfabstand von weniger als  5 Monaten zwischen der  ersten und zweiten Dosis ist eine dritte Impfstoffdosis erforderlich.

Die Impfung dürfen Frauenärzte, Hausärzte oder auch Kinderärzte durchführen.

HPV-Impfung auch für Jungs empfohlen

Für Jungen empfiehlt die STIKO ebenfalls, die HPV-Impfung im Alter von 9 bis 14 Jahren durchzuführen – Nachimpfungen sind auch hier bis zum Alter von 17 Jahren ratsam. Grund für die Empfehlung ist nicht nur, dass das Virus auch durch Männer verbreitet wird. Die Impfung dient auch dem Schutz der Männer selbst, denn diese können infolge der gleichen HPV-Typen beispielsweise an Mund-Rachen-Krebs, Penis- oder Analkrebs erkranken.

Keine Altersbegrenzung für die Impfung

Die STIKO weist ausdrücklich darauf hin, dass Frauen außerhalb des Altersbereichs von 9 bis 14 Jahren ebenfalls von einer Impfung profitieren. Es liegt in der Verantwortung des Frauenarztes, die Patientinnen darauf hinzuweisen und entsprechend der Zulassung des zurzeit auf dem Markt befindlichen Impfstoffes die Impfung anzubieten.

Die STIKO lässt keinen Zweifel daran, dass eine Gebärmutterhalskrebs-Impfung die empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen nicht ersetzt. Impfung und Vorsorgeuntersuchungen bilden gemeinsam die tragenden Säulen einer wirksamen Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs.

Gebärmutterhalskrebs-Impfung: Was ist zu beachten?

Seit August 2017 sind in Deutschland nur noch die Impfstoffe Cervarix und Gardasil 9 zugelassen: 

  • Cervarix wirkt ausschließlich gegen HPV 16 und 18, die für etwa 60 bis 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen verantwortlich sind. Der Wirkstoff bietet keinen Schutz vor Feigwarzen.
  • Gardasil 9 schützt hingegen vor 9 HP-Viren, die Ursache für etwa 75 bis 90 Prozent aller Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen sind. Gardasil 9 schützt auch vor Feigwarzen.

Nach derzeitigen Erkenntnissen ist noch nicht klar, ob der Impfschutz dauerhaft anhält oder ob eine Auffrisch-Impfung nötig ist. Bisherige Studien deuten zwar darauf hin, dass die Impfung dauerhaft wirkt. Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich jedoch meist über viele Jahre hinweg, weshalb weitere Untersuchungen notwendig sind.

Da die Impfung gegen HPV-Viren nicht alle onkogenen HP-Typen erfasst, weist die STIKO explizit darauf hin, dass die Früherkennungsmaßnahmen zum Gebärmutterhalskrebs unverändert in Anspruch genommen werden müssen.

Gebärmutterhalskrebsimpfung in der Schwangerschaft?

Wegen der ungenügenden Datenlage sollte jedoch auf Impfungen in der Schwangerschaft verzichtet werden. Stillen ist – wie bei allen anderen Impfungen auch – keine Kontraindikation. Wird eine Frau während des Impfprogramms schwanger, kann die fehlende zweite oder dritte Impfung nach der Entbindung nachgeholt werden. Einzelfälle, bei denen die Impfung versehentlich während der Schwangerschaft durchgeführt wurde, erwiesen sich als nicht schädlich für das Baby.

HPV-bedingte Erkrankungen

Gebärmutterhalskrebs wird ausschließlich durch humane Papillomviren verursacht und der Hauptübertragungsweg ist Geschlechtsverkehr. Der Zusammenhang zwischen einer Infektion mit HP-Viren und Gebärmutterhalskrebs ist noch stärker ausgeprägt als der zwischen Rauchen und Lungenkrebs, so die Experten.

Humane Papillomviren sind weit verbreitet. Schätzungsweise 80% der sexuell aktiven Mädchen und Frauen kommen irgendwann im Laufe ihres Lebens (häufig als Jugendliche oder junge Erwachsene), mit den Viren in Kontakt. Man nimmt an, dass in Europa bei den HPV-bedingten Erkrankungen insgesamt

  • 75% aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs
  • 95% der Vulva- und Vaginalkarzinome
  • 70% der präkanzerösen und 50% der potenziell präkanzerösen zervikalen Läsionen
  • 80% der präkanzerösen vulvären und vaginalen Läsionen 
  • 90% der Genitalwarzen

durch die Virustypen 6, 11, 16 und 18 verursacht werden.

Geimpfte Personen sollten vom Arzt darauf hingewiesen werden, dass die Impfung nur vor den im Impfstoff enthaltenen Typen HPV 6,11, 16 und 18 schützt, wobei 16 und 18 für die Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs zuständig sind, während 6 und 11 in erster Linie der Bildung von Genitalwarzen vorbeugen sollen. Letztere gelten nicht als bösartig, aber sie sind physisch wie psychisch äußerst belastend.

Häufigkeit von Genitalwarzen nimmt zu

Das mittlere Erkrankungsalter beim Zervixkarzinom beträgt 53 Jahre. Während sich die Todesrate bei Gebärmutterhalskrebs durch die Früherkennungsuntersuchungen deutlich verringert hat, nahm die Häufigkeit von Genitalwarzen enorm zu: Von etwa 10 pro 100.000 Frauen im Jahr 1970 auf heute 200 pro 100.000. Deshalb sprechen sich Ärzte für einen großzügigen Umgang mit der Gebärmutterhalskrebs-Impfung aus, selbst wenn Frauen außerhalb der empfohlenen Altersgrenze die Impfung wohl auch in Zukunft selber bezahlen müssen.

Patientinnen mit immer wiederkehrenden Feigwarzen profitieren möglicherweise auch von der Impfung und die Nutzung von Kondomen mindert das Risiko für Dauerinfektionen. Dass sich die Mortalitätsrate durch Gebärmutterhalskrebs in den vergangenen Jahrzehnten nahezu halbiert hat, ist der zytologischen Untersuchung zu verdanken, die im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt erfolgt.

Mehr Aufklärung über HPV

Eine Umfrage zeigte ein ernüchterndes Ergebnis: Nur 3,2% deutscher Frauen kennen das Virus und bringen sein Gefahrenpotential mit Gebärmutterhalskrebs in direkte Verbindung. Folglich muss das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Gebärmutterhalskrebs-Impfung als wirksame Präventionsmaßnahme geweckt und nachhaltig verstärkt werden.

Die Bereitschaft der Ärzte zu dieser Impfung ist groß, insbesondere bei den Gynäkologinnen und Gynäkologen, die sich von je her als Präventionsärzte der Frauen verstehen. Aufgabe der Medien ist es, durch umfassende Information und Aufklärung in breiten Kreisen der Bevölkerung und insbesondere bei den Jugendlichen Vertrauen in die Impfung aufzubauen.

Impfschutz regelmäßig aktualisieren

Die STIKO und der Berufsverband der Frauenärzte weisen darauf hin, dass die Impfung gegen HPV auch als Gelegenheit genutzt werden sollte, andere – insbesondere für Jugendliche – empfohlene Impfungen zu vervollständigen. Lediglich 25% der Jugendlichen verfügen über einen vollständigen Impfschutz.

Zu einem vollständigen Impfschutz gehören die Impfungen gegen:

  • Masern, Mumps, Röteln (falls nicht bereits zwei MMR-Impfungen vorliegen, sollten spätestens im Jugendalter die Lücken geschlossen werden).
  • Hepatitis B (Grundimmunisierung empfohlen, falls nicht bereits im Säuglingsalter geimpft).
  • Windpocken (wer die Varizellen noch nicht hatte bzw. nicht geimpft ist, erhält eine oder zwei Impfungen – je nach Lebensalter).
  • Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis und Keuchhusten: Eine Auffrischimpfung ist für alle Jugendliche empfohlen.

Aktualisiert: 02.07.2018 – Autor: Berufsverband der Frauenärzte e. V.

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