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Scheideninfektion als Dauerbrenner

Frau mit Scheideninfektion bei Ärztin © istockphoto, AlexRaths (Symbolfoto)

Es juckt, es brennt - und der Ausfluss riecht unangenehm fischartig: Scheideninfektionen sind der häufigste Grund für einen Besuch beim Gynäkologen. Fünf Millionen Frauen sind jedes Jahr davon betroffen. Es passiert nach einem Besuch im Schwimmbad oder in der Sauna, durch zu enge Kleidung, einen neuen Partner, ungesunde Ernährung, zu viel Alkohol und Nikotin, ungeeignete Intimhygiene - oder weil einfach die Nerven blank liegen: Bakterien oder Pilze lösen eine Entzündung der Scheide aus. "Mit einem Abstrich kann der Gynäkologe die Ursache der Entzündung identifizieren - und je nach Auslöser mit einem Antibiotikum oder Anti-Pilzmittel die akute Scheideninfektion schnell behandeln", so der Berliner Frauenarzt Prof. Dr. Erich Saling.

Milchsäurebakterien als natürlicher Schutz der Scheide

Bei jeder fünften Patientin wird die Scheideninfektion allerdings chronisch - denn die Akutbehandlung zerstört nicht nur die Krankheitserreger, sondern auch Milchsäurebakterien, die den Intimbereich in einem gesunden biologischen Gleichgewicht halten. "Auf einer gesunden Vaginalschleimhaut überwiegen Milchsäurebakterien, die Zucker in der Schleimhaut abbauen. Dabei entsteht Milchsäure", erklärt Prof. Saling. Und dieses saure Milieu (pH-Wert unter 4,4) macht die Scheide stark gegen Krankheitserreger. Hefepilze, Bakterien und Trichomonaden können sich dann nur schwer ausbreiten.

Milchsäurebakterien wirken wie ein "natürlicher Schutzschild" gegen Krankheitserreger, die eine Scheideninfektion auslösen können. Sind sie in die Minderzahl geraten, gilt es, für Nachschub zu sorgen. In der Apotheke gibt es inzwischen Tabletten und Zäpfchen (z.B. Vagiflor), die lebensfähige Milchsäurebakterien enthalten, bequem einzuführen sind und dazu beitragen, das biologische Gleichgewicht wieder herzustellen.

Scheideninfektionen: Risiko für das Wunschbaby

Auch in der Schwangerschaft erfüllen diese Schutzpatrone eine wichtige Aufgabe. Jedes Jahr kommen in Deutschland 50.000 Babys zu früh - also vor der 37. Schwangerschaftswoche - auf die Welt. Bakterielle Infektionen sind neben Stress, Rauchen oder Bluthochdruck die wichtigste Ursache für diese Komplikation. Experten schätzen: "Bakterielle Infektionen sind für 15 Prozent aller Frühgeburten verantwortlich."

Da Scheideninfektionen anfangs symptomfrei verlaufen, werden sie häufig zu spät erkannt und behandelt. "Jede siebte Schwangere, die unter einer bakteriellen Scheideninfektion leidet, bringt ein Frühchen zur Welt", schätzen Frauenärzte. Sie empfehlen, den pH-Wert der Scheide zweimal wöchentlich zu messen und das biologische Gleichgewicht mit Präparaten, die Milchsäurebakterien enthalten, wieder herzustellen.

Und dies kann sehr erfolgreich gelingen, wie eine Studie an der Berliner Charité-Klinik zeigte: In einer Gruppe von Schwangeren mit einem erhöhten vaginalen pH-Wert und gestörtem biologischen Gleichgewicht in der Scheide brachten 15 Prozent der Testpersonen ein Frühchen zur Welt. Bei Schwangeren, deren Scheidenflora mit Milchsäurebakterien wieder hergestellt worden war, sank die Frühgeburtenrate auf zwei Prozent.

Scheideninfektion: Was tun, um diese zu vermeiden?

Neben der gezielten Immuntherapie mit Milchsäurebakterien können Sie selbst viel dafür tun, um eine Scheideninfektion zu vermeiden:

  • Milde Intimhygiene: Nicht mit der Hygiene übertreiben und statt aggressiver Seife milde Reinigungslotionen verwenden.
  • Binden statt Tampons verwenden: Manche Tampons lassen die Scheide leicht austrocknen und können zu Reizungen führen. Besser Binden verwenden.
  • Naturfasern statt Synthetik: In feuchtem Milieu vermehren sich Krankheitserreger schnell. Deshalb Slips aus Naturfasern verwenden, die sich bei 60 Grad waschen lassen, und sehr eng anliegende Hosen vermeiden. Sie können einen Feuchtigkeitsstau auslösen.
  • Raus aus dem nassen Badeanzug: Nach dem Schwimmen den Badeanzug sofort wechseln.
  • Vorsicht vor Whirlpools: Die feuchte Wärme ist ein Brutkasten für Pilze und Bakterien, die eine Scheideninfektion auslösen können.
  • Gesunde Ernährung: Wenig Fett, genügend Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe, wenig Zucker und Süßigkeiten. Denn eine zuckerreiche Ernährung schafft günstige Lebensbedingungen für schädliche Keime im Scheidenbereich. Pilze lieben Zucker!

Aktualisiert: 10.07.2012 – Autor: djd

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