Multiresistenz: Gefahr durch Killerkeime?

Multiresistente Keime – eine Gefahr für jedermann?

Multiresistente Keime sind nicht angriffslustiger als ihre Verwandten ohne Schutz, und sie lösen die gleichen Krankheiten aus. Was sie gefährlich macht, ist, dass man sie nur sehr schwer wieder los wird. Das gilt umso mehr, als dass sie oft Patienten im Krankenhaus infizieren, die häufig auch noch an einer Abwehrschwäche leiden.

Welche Keime sind multiresistent?

Bisher sind weltweit unterschiedliche Keime relevant. Gibt es zum Beispiel in Zentral- und Osteuropa Pneumokokken, die gegen Penicillin resistent sind und schwere Lungenentzündungen verursachen, können solche Infektionen in Deutschland noch gut behandelt werden.

In Deutschland gelten zum Beispiel folgende Erreger als problematisch:

  • manche Staphylokokken, die Sepsis und Lungenentzündungen auslösen
  • Enterokokken, die an Nieren-, Gallenwegs- und Bauchfellentzündungen beteiligt sind
  • bestimmte Erreger, die bei im Krankenhaus erworbenen Infektionen von Lunge, Bauchraum oder Nieren relevant sein können

MRSA-Bakterien

In der Klinik spielen häufig MRSA-Bakterien eine Rolle. Diese "Methicillin-resistenten-Staphylococcus-aureus-Stämme" sind eine resistente Art des Staphylococcus aureus, einem normalen Besiedler von Nase, Hals und Darm.

Er wird dadurch zum Problemkeim, dass er gegen Methicillin (einem Penicillinabkömmling) und gegen viele andere Antibiotika unempfindlich und damit zum Beispiel bei Wundinfektionen schwer zu behandeln ist. Für gesunde Menschen mit normaler körpereigener Abwehr sind MRSA-Bakterien nicht ansteckend.

Auch vancomycinresistenten Enterokokken (VRE) spielen in den letzten Jahren zunehmend eine Rolle bei Krankenhausinfektionen.

Keimkontrolle – Hoffnung auf Heilung?

Ziemlich sicher ist: Mit jedem neuen Medikament werden sich die Bakterien neue Abwehrmechanismen einfallen lassen. Die Entwicklung lässt sich allerdings zumindest steuern.

Folgende Maßnahmen sind weltweit von Medizinern, Mikrobiologen und Hygienefachleuten anerkannt, damit Antibiotika auch noch in zehn Jahren ihre segensreiche Wirkung entfalten können:

  • strikte Hygienemaßnahmen vor allem in Kliniken, Alten- und Pflegeheimen
  • begrenzte und zielgerichtete Verordnungen von Antibiotika, verantwortlicher Umgang der Patienten mit den verordneten Medikamenten
  • Beschränkung von Antibiotika z. B. in der Tierzucht

Kupfer gegen Keime?

Daneben gibt es immer wieder interessante Entdeckungen, die zusätzliche Wege der Infektionsbekämpfung weisen.

So zeigt sich beispielsweise, dass Kupfer Keime abtötet und damit die Verbreitung auch multiresistenter Bakterien wirkungsvoll stoppen kann. Eine Hamburger Klinik hatte in zwei Stationen über mehrere Monate Türgriffe, Türplatten und Lichtschalter aus Kupfer eingebaut – die Anzahl der Keime war auf diesen um mehr als ein Drittel geringer als auf den üblichen Edelstahl-Armaturen.

Aktualisiert: 23.01.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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