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Degenerative Schultererkrankungen – Erkrankungsformen und Behandlung

An der Schulter kann es auf Dauer zu einer Vielzahl von degenerativen Erkrankungen kommen. Dazu zählen beispielsweise das Impingement-Syndrom, die Ruptur der Rotatorenmanschette oder die Arthrose im Schultergelenk. Welche Erkrankungen der Schulter außerdem entstehen können wie diese sich äußern und wie die Behandlung erfolgt, erfahren Sie hier.

Degenerative Schultererkrankungen: Welche Formen gibt es?

Vor fast 150 Jahren prägte der französische Arzt Simon Duplay den Ausdruck "Periarthritis humeroscapularis" (PHS) für alle degenerativen Veränderungen in der Umgebung des Schultergelenks.

Dieser Begriff wurde bis Ende des letzten Jahrhunderts für alle möglichen Formen der schmerzhaften Schultersteife gebraucht – inzwischen sind die diagnostischen Möglichkeiten aber so weit ausgereift, dass die verschiedenen Krankheitsprozesse klar voneinander abgegrenzt werden können und die Diagnose PHS der Vergangenheit angehören sollte.

Das Impingement-Syndrom (das Engpass-Syndrom der Schulter)

Beim Impingement-Syndrom handelt es sich um einen Schulterengpass, der auf verschiedenen Wegen entstehen kann. Zwischen der Oberkante des Oberarmkopfes und dem knöchernen Vorsprung, den die Schulterhöhe darstellt, ist der Platz genau für die anatomischen Strukturen bemessen, die dort normalerweise hingehören.

Dazu zählen die lange Bizepssehne, die sehnigen Muskelansätze der Rotatorenmanschette und ein großer Schleimbeutel, der wie eine Schmierschicht die Bewegung der Muskeln gegeneinander ermöglicht. Alle diese Strukturen können bei einer Entzündung anschwellen, in die Sehnen kann sich bei ständiger Dauerbelastung Kalk einlagern und sie können – ähnlich wie ein Seil – durch permanente Überanstrengung auffasern und letztendlich reißen.

Noch dazu können sich sowohl das Schultergelenk als auch das darüberliegende Gelenk zwischen Schulterhöhe und Schlüsselbein abnutzen, anschwellen und am Rand vermehrt Knochensubstanz bilden. Im Schleimbeutel kann sich vermehrt Flüssigkeit ansammeln, sodass ein Teufelskreis entsteht: Eine leichte Volumenzunahme eines Sehnenansatzes durch Auffaserung reizt den Schleimbeutel; der Schleimbeutel reagiert mit einer Volumenzunahme, weil er vermehrt entzündliche Flüssigkeit bildet.

Es führen also verschiedene Mechanismen zum Impingement-Syndrom – der Arzt kann anhand von Bewegungstests und Röntgenbildern unterscheiden, welche Ursache vorliegt. Für den Betroffenen stellt sich der Schulterengpass so dar, dass er bei Bewegungen, bei denen er den Arm über die Horizontale heben muss, Schmerzen in der Schulter verspürt.

Die Ruptur der Rotatorenmanschette

Bei diesem Krankheitsbild, von dem zehnmal häufiger Männer betroffen sind, reißt ein Teil oder alle Sehnen, mit denen die Muskeln der Rotatorenmanschette am Oberarmkopf befestigt sind. Häufig genügt bereits eine unbedachte Bewegung, um die durch Abnutzung vorgeschädigten Sehnen reißen zu lassen.

Die Ruptur ist äußerst schmerzhaft, der Arm kann nicht mehr über die Horizontale gehoben werden.

Die Kalkschulter (Tendinosis calcarea)

Bei einer Kalkschulter wird Kalk in den Sehnenansätzen der Rotatorenmanschette eingelagert. Begünstigt wird diese Einlagerung durch eine schlechte Durchblutung der Muskeln und Sehnen, die zum Beispiel bei Überkopfarbeit (etwa bei Malern oder Stukkateuren) auftritt.

Die Ablagerungen in den Sehnen erfolgt unbemerkt, doch oft dehnen sich die Kalkablagerungen in den Schleimbeutel aus, was sehr schmerzhaft ist. Glücklicherweise lösen sich die Ablagerungen unter den Therapiemaßnahmen meist wieder auf – allerdings können auch hierbei Schmerzen auftreten.

Die Schädigungen der langen Bizepssehne

Die lange Bizepssehne ist in eine Sehnenscheide gehüllt, läuft durch eine knöcherne Rinne des Oberarms und macht alle Schulterbewegungen mit. Sowohl die Sehnenscheide als auch die Sehne können sich abnutzen, der Knochen baut dann als Folge Knochenmaterial um diesen chronischen Entzündungsprozess, was wiederum die Entzündung verstärken kann.

Im Endzustand kann die Sehne reißen, was man bei muskulösen Menschen eindrucksvoll sehen kann, da sich der Muskelbauch oberhalb des Ellenbogens zusammenzieht.

Die Arthrosen der Schultergelenke

Als Abnutzungserscheinung kann sich eine Arthrose des Gelenks zwischen Schulterhöhe und Schlüsselbein oder zwischen Oberarmkopf und Gelenkpfanne am Schulterblatt einstellen. Dieser Gelenkverschleiß führt zu Schmerzen bei jeder Schulterbewegung. Als Folge aller degenerativen Erkrankungen kann sich eine Schultersteife einstellen, bei der alle Bewegungen schmerzen und der Bewegungsumfang schmerzbedingt immer mehr abnimmt.

Behandlung von degenerativen Schultererkrankungen

Grundsätzlich treten degenerative Schultererkrankungen meist im höheren Lebensalter auf und die Behandlung – selbst der Schultersteife – erfolgt erst einmal konservativ.

Wenn jedoch junge, sportlich sehr aktive Menschen quasi "vorzeitig" von einer Alterserscheinung an der Schulter betroffen sind, wird der Schaden operativ behoben. Besonders die Ruptur der langen Bizepssehne und eine Rotatorenmanschettenruptur haben bei frühzeitiger Operation gute Chancen auf vollständige Wiederherstellung.

Konservative Therapie einer degenerativen Schultererkrankung

Zu den konservativen Behandlungsmaßnahmen zählen:

  • eine schmerzstillende medikamentöse Therapie
  • krankengymnastische Übungen
  • Elektrotherapie
  • Wärme- und Kältebehandlungen

Wenn der Auslöser bekannt ist, ist auch das Vermeiden der Ursache für die Überlastung ein wichtiger Bestandteil der Therapie einer degenerativen Schultererkrankung. Solche Auslöser sind zum Beispiel das ständige Schreiben auf der Schreibmaschine oder am Computer, Arbeiten über Kopf oder Sportarten wie Tennis und Badminton.

Aktualisiert: 20.08.2019 – Autor: Nathalie Blanck

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