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Karpaltunnelsyndrom – wenn die Hand immer einschläft

Schmerzende Hand durch Karpaltunnelsyndrom © istockphoto, AndreyPopov

Wenn Sie als Frau zwischen 40 und 60 Jahren alt sind und oft ein Kribbeln in einer oder beiden Händen verspüren, dann können Sie sich ein Karpaltunnelsyndrom zugezogen haben – eine häufige Erkrankung des Handgelenks. Aber auch bei Frauen anderen Alters und bei Männern tritt das Karpaltunnelsyndrom auf.

Was ist der Karpaltunnel?

Der Karpaltunnel ist eine knöcherne Rinne und wird von den Handwurzelknochen (carpus, lateinisch für "Handwurzel") gebildet. Er liegt auf der Innenseite des Unterarms – von außen ist der betreffende Bereich durch viele kleine Falten kurz unterhalb der Hand zu erkennen. Durch den Karpaltunnel verlaufen vielen Sehnen, die als Verlängerung der Unterarmmuskulatur zu den einzelnen Fingern führen und für die Beugung zuständig sind.

Außer den Sehnen der Fingerbeuger verläuft auch ein Nerv, der Nervus medianus, durch den Karpaltunnel. Seine Nervenfasern sind für die kurzen Fingerbeuger, den kräftigen Faustschluss und das Gefühl in der Handfläche bis in den Bereich des kleines Fingers verantwortlich. Wenn seine Fasern verletzt werden, ist also die kräftige Beugung von Daumen, Zeige- und Mittelfinger genauso eingeschränkt wie die Möglichkeit, eine Faust zu machen. Der Karpaltunnel hat ein Dach aus straffem Bindegewebe – dieses Band (Retinaculum flexorum) dient den Sehnen als Hebel und Halt, sie können so nicht aus der Rinne entweichen.

Wie entsteht ein Karpaltunnelsyndrom?

Zu einem Karpaltunnelsyndrom kommt es, wenn der Raum, der den Sehnen und dem Nerv zu Verfügung steht, eingeengt wird. Mögliche Ursachen sind:

In der Folge dieser Ursachen kommt es beim Karpaltunnelsyndrom zu einer Verdickung der Sehnen im jeweiigen Bereich.

Auch verstärkte manuelle Arbeit kann zu einem Karpaltunnelsyndrom führen ebenso wie längeres Gehen an Unterarmgehstützen, zum Beispiel nach einer Meniskus-OP. Interessanterweise tritt es häufig bei Diabetes mellitus, nach einer Schwangerschaft, in den Wechseljahren oder bei Schilddrüsenunterfunktion auf – also bei einer hormonellen Umstellung oder einem hormonellen Ungleichgewicht.

Wie äußert sich ein Karpaltunnelsyndrom?

Typischerweise bemerkt man häufig nach dem Schlafen ein Kribbeln von Daumen, Zeige- und/oder Mittelfinger an der betroffenen Hand, man wacht oft mit einer eingeschlafenen Hand auf. Vor allem am Daumen treten je nach Bewegung Schmerzen auf, die sich wie kleine elektrische Schläge anfühlen können. Die Schmerzen können sich auch auf den Unterarm ausdehnen.

Wenn man nichts gegen das Karpaltunnelsyndrom unternimmt, kommt es nach einiger Zeit zu einer sichtbarer Atrophie (Größenabnahme) des Daumenballens. Ein kräftiger Faustschluss ist nicht mehr möglich, eine Flasche kann nicht mehr umschlossen werden, auch Brotschneiden fällt schwer.

Das Karpaltunnelsyndrom kommt doppelt so häufig bei Frauen wie bei Männern vor und tritt meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf. Oft ist erst eine Hand betroffen, kurz danach meist auch die andere.

Aktualisiert: 10.01.2017 – Autor: Nathalie Blanck

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