Knochenbruch – Therapie

Die richtige Therapie bei einem Knochenbruch ist vor allem abhängig von Art, Schweregrad und Lokalisation der Fraktur, aber auch individuelle Faktoren wie das Alter oder Begleiterkrankungen spielen eine Rolle. Es gibt verschiedene Behandlungsformen, die in konservativ und operativ eingeteilt werden. Welche Form die richtige ist, entscheidet der behandelnde Arzt im Einzelfall. Wir stellen Ihnen die gängigen Methoden der Behandlung eines Knochenbruchs vor.

Wie wird ein Knochenbruch behandelt?

Damit der gebrochene Knochen heilen kann, müssen beide Knochenenden so zusammengefügt werden, dass sie sich wieder in der korrekten anatomischen Lage befinden (Reposition) – ansonsten resultiert eine Bewegungseinschränkung oder ein Achsenknick. Außerdem ist wichtig, dass zwischen ihnen kein größerer Spalt entsteht, da sonst kein neues Knochengewebe aufgebaut wird.

Die Knochenheilung braucht einige Zeit, in der der Knochen ruhiggestellt werden muss (Retention und Fixation). Das geschieht bei einfachen Frakturen meist mit einem starren Verband aus Gips oder ähnlichen Materialien.

Der dritte wichtige Bestandteil der Behandlung ist die Rehabilitation, bei der durch gezielte Übungen Funktionsverluste vermieden beziehungsweise die Funktion wiederhergestellt werden sollen.

Die Behandlung einer Fraktur sollte schnellstmöglich nach dem Unfall erfolgen, denn hat sich erst eine Schwellung um den Bruch herum gebildet, ist beispielsweise eine Operation schwieriger durchzuführen.

Nicht immer Behandlung erforderlich

Allerdings muss nicht jeder Knochenbruch behandelt werden. Ein unkomplizierter Rippenbruch oder ein Nasenbeinbruch ohne Verschiebung der Knochen heilt beispielsweise auch ohne Behandlung ab. In solchen Fällen beschränkt sich die Therapie meist auf die Linderung der Schmerzen, beispielsweise durch Kühlung und die Gabe von Schmerzmitteln.

Konservative Behandlung eines Knochenbruchs

Bei der konservativen Therapie eines Knochenbruchs wird der Knochen (gegebenenfalls nach der Reposition) in der richtigen Position ruhiggestellt, bis er verheilt ist. Mögliche Hilfsmittel sind beispielsweise:

  • Gipsverband oder Gipsschiene
  • Orthese beziehungsweise Schiene
  • spezielle Verbandstechniken
  • Extensionsbehandlung (Streckverband)

Eine konservative Behandlung ist meist möglich, wenn die Fraktur nicht disloziert, also verschoben, ist. Bei komplizierten oder offenen Frakturen ist in der Regel eine Operation erforderlich.

Operation bei komplizierten Frakturen

Komplizierte Frakturen werden oft operiert, um beispielsweise die Einzelteile des Knochens wieder zusammenzufügen oder eine Achsenfehlstellung auszugleichen. Die Knochenbruchstücke werden dabei mit speziellen Drähten, Nägeln, Schrauben und Platten zusammengefügt, um die exakte anatomische Form wiederherzustellen (man spricht von einer Osteosynthese). Oft wird dabei der Innenraum des Knochens genutzt, um besonders dicke Schrauben zu verankern.

Diese metallischen Hilfen führen dazu, dass der Knochen hinterher soweit stabilisiert ist, dass er eingeschränkt belastet werden darf. Gerade für ältere Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch ist diese schnelle Mobilisierung oft die Lebensrettung – früher starben viele ältere Patienten an den Folgen einer langen Bettlägerigkeit (zum Beispiel einer Lungenentzündung), die nach einem Oberschenkelhalsbruch folgte.

Die Metallteile werden meist nach sechs Monaten bis zwei Jahren wieder entfernt. In einigen Fällen (vor allem bei älteren Menschen) werden sie jedoch dauerhaft im Körper belassen. Auch gibt es Fälle, in denen beispielsweise Drähte bereits nach einigen Tagen wieder entfernt werden können.

Fixateur externe – der "äußere Spanner"

Eine weitere operative Möglichkeit der Behandlung ist ein sogenannter Fixateur externe. Dabei wird der Knochen von außen stabilisiert, indem ein Stahlgestänge außerhalb des Körpers mithilfe von langen Schrauben durch unbeschädigte Knochenteile fixiert wird.

Diese Methode kommt vor allem zum Einsatz, wenn der Knochen in viele kleine Teile zersprungen, das Gewebe an der Stelle stark geschädigt oder die Wunde (vermutlich) infiziert ist. Der Vorteil des Verfahrens liegt darin, dass auf die Weichteile oder den beschädigten Knochen kein Druck ausgeübt wird. Die Heilung dauert jedoch meist länger.

Rehabilitation als Teil der Behandlung

Wie bereits beschrieben, beginnt die Rehabilitation oft schon, wenn die Schmerzen abnehmen und eine Bewegung zulassen. Durch gezielte physiotherapeutische Übungen und möglichst normale Benutzung soll vermieden werden, dass betroffene Muskeln und Gelenke infolge der mangelnden Bewegung Schaden nehmen. Mit fortschreitender Heilung kann der betroffene Körperbereich immer stärker belastet werden.

In anderen Fällen kann es jedoch ratsam sein, das betroffene Körperteil bis zu seiner vollständigen Heilung komplett zu schonen und zu entlasten. Welche Maßnahmen im Einzelfall geeignet sind, entscheidet der behandelnde Arzt.

Welche Komplikationen gibt es?

Wenn der Knochenbruch nicht ausreichend ruhiggestellt wird, die Knochenenden keinen festen Kontakt zueinander haben oder sich wieder verschieben, kann der Körper kein neues Knochengewebe in der Bruchstelle aufbauen. Er baut minderwertiges Gewebe in den Knochenspalt ein, das sich erst langsam zu stabilem Knochengewebe umbaut.

Diese sekundäre Knochenheilung kann bis zu zwei Jahren dauern. Wenn sie unterbleibt, entsteht eine sogenannte Pseudarthrose, das heißt ein instabiler Knochenbereich, der zu Schmerzen und einer Bewegungseinschränkung führt.

Gerade bei offenen Brüchen besteht zudem die Gefahr einer Knochenentzündung (Osteitis, Osteomyelitis), die eine langwierige Behandlung erfordert und dazu führen kann, dass der Knochen nicht zusammenwächst.

Abgesehen davon kann ein Knochenbruch auch stets mit weiteren Verletzungen, beispielsweise von Muskeln, Nerven oder Sehnen, oder einem starken Blutverlust einhergehen. Infektionen durch Bakterien, insbesondere durch den Tetanus-Erreger Clostridium tetani, sind ebenso denkbaren Folgen wie eine Thrombose durch das lange Liegen bei komplizierten Brüchen.

Die meisten Knochenbrüche heilen jedoch ohne Komplikationen oder langfristige Folgen aus.

Aktualisiert: 14.09.2018 - Autor: Nathalie Blanck; überarbeitet: Silke Hamann

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