Knochenbruch

Knochenbruch: Gebrochenes Bein im Gips © istockphoto, Halfpoint

Bei Glätte und Eis haben Unfallchirurgen viel zu tun, denn die Anzahl der Knochenbrüche, vor allem an Unterarm und Oberschenkelhals, nimmt dann oft rasant zu. Doch Knochenbrüche sind nicht nur im Winter ein Thema: Neben diesen häufig vorkommenden Frakturen durch Stürze, bei denen meist nur ein Knochen betroffen ist, kann es beispielsweise durch Verkehrsunfälle auch zu deutlich komplizierteren Knochenbrüchen kommen. Doch wie entsteht ein Knochenbruch und wie lange dauert der Heilungsprozess? Diese und andere Fragen beantworten wir im Folgenden.

Knochen – ein hartes Gerüst für den weichen Kern

Unser knöchernes Körpergerüst macht circa 20 Prozent unseres Gewichts aus, verankert Muskeln und Bänder und schützt im Kopf-, Brust- und Beckenbereich unsere inneren Organe. Knochen bestehen zu knapp 50 Prozent aus anorganischem Material wie Kalziumphosphat, zu 25 Prozent aus Bindegewebestrukturen und zu 25 Prozent aus Wasser.

Sie sind sehr stabil: Ein ausgewachsener Knochen kann einem Druck von bis zu 15 Kilogramm pro Quadratmillimeter standhalten – so kann ein Oberschenkelknochen insgesamt gut 1,5 Tonnen tragen.

Wie entsteht ein Knochenbruch?

Trotz der enormen Belastbarkeit kann bei stärkerer Krafteinwirkung auf das knöcherne Skelett ein Knochen aufgrund seiner spröden, harten Substanz nicht ausweichen – ein Knochenriss (Fissur), ein Knochenbruch (Fraktur) oder sogar eine Zersplitterung des Knochens in mehrere Teile (multiple Frakturen, komplizierter Bruch) entsteht. Kommt es bei einer Fraktur zu einer Verschiebung der Bruchstücke, spricht man von einer Dislokation.

Häufige Ursache für einen Knochenbruch ist eine plötzliche und starke Gewalteinwirkung, beispielsweise durch einen:

  • Unfall
  • Sturz
  • Stoß
  • Schlag

Aber auch eine wiederholte Überlastung kann bewirken, dass ein Knochen bricht. Man spricht dann von einem Ermüdungsbruch oder einer Stressfraktur.

Daneben existieren sogenannte pathologische Frakturen, bei denen ein Knochen ohne (oder durch geringe) äußere Einwirkung bricht. Im diesem Fall ist die Knochenstruktur so verändert, dass der Knochen keiner Druckbelastung gewachsen ist – zum Beispiel bei knochenverändernden Stoffwechselkrankheiten wie starke Osteoporose oder der Glasknochenkrankheit, bei Knochenkrebs oder einer Metastasenbildung im Knochen.

Verschiedene Arten von Knochenbrüchen

Auf welche Weise der Knochen bricht, ist reine Physik. Je nach Krafteinwirkung können beispielsweise folgende Arten von Brüchen entstehen:

  • ein glatter Durchbruch
  • ein Durchbruch mit ausgesprengtem Knochenfragment auf der Gegenseite
  • eine spiralig gedrehte Knochenbruchstelle (Spiralfraktur) oder
  • viele Knochentrümmer

Im Kindesalter ist der Knochen noch nicht so spröde und kann besser nachgeben: Dort treten häufig die sogenannten Grünholzfrakturen auf. Bei Grünholzfrakturen bricht der Knochen nur auf einer Seite an, oder er wird zusammengestaucht oder die empfindliche Knochenhaut wird verletzt, der Knochen hält aber stand. Es kommt zur Bildung eines Knicks, wie bei einem jungen grünen Zweig – daher der Name.

Zudem können die Brüche mit anderen Verletzungen verbunden sein, beispielsweise mit Verletzungen der Haut, Nerven, Gelenke oder von benachbarten Organen.

Knochenbrüche werden anhand verschiedenster Kriterien unterteilt, wie etwa anhand ihrer Lokalisation, der Zahl der Fragmente oder danach, ob es sich um eine offene oder geschlossene Fraktur handelt.

Wie lange braucht ein Knochen zum Heilen?

Als Richtwert gilt: Nach einem Knochenbruch dauert es in der Regel etwa sechs bis zwölf Wochen, bis eine volle Belastung des Knochens wieder möglich ist. Bei Kindern sind drei bis vier Wochen Heilungsdauer möglich, bei Erwachsenen kann es auch ebenso viele Monate dauern.

Wie lange es tatsächlich dauert, bis ein Bruch heilt, ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig, beispielsweise:

  • Art und Ausmaß des Bruchs (eine komplizierte Trümmerfraktur heilt langsamer als ein glatter Durchbruch)
  • dem Alter der betroffenen Person (bei Kindern wachsen Knochen schneller zusammen und Fehlstellungen der Knochen können gut korrigiert werden, mit zunehmendem Alter verlängert sich die Heilungsdauer)
  • der Lokalisation des Bruchs (bestimmte Knochen heilen schneller als andere)
  • der Art der Heilung (direkte und indirekte Frakturheilung)
  • der Art der Behandlung (welche vor allem von der Art des Bruchs abhängt)

Lokalisation: Wie lange heilt welcher Bruch?

Welcher Knochen betroffen ist, beeinflusst die Heilungsdauer. Es gelten folgende grobe Orientierungswerte, wobei zusätzlich die bereits genannten Einflussfaktoren zu beachten sind:

  • Ein Schlüsselbeinbruch heilt bei einem Erwachsenen beispielsweise nach sechs bis acht Wochen (die Ruhigstellung sollte drei bis vier Wochen dauern).
  • Ein Oberschenkelbruch hingegen dauert circa zehn bis 14 Wochen, jedoch kann sich die Heilung bis zu sechs Monate lang hinziehen.
  • Ein Nasenbeinbruch kann bereits nach zwei Wochen verheilt sein.
  • Ein Rippenbruch heilt in etwa zwölf Wochen, bei einfachen Brüchen geht es schneller.
  • Die Heilung eines gebrochenen Handgelenks dauert etwa fünf bis sechs Wochen.

Grundsätzlich lässt sich außerdem sagen, dass eine Gelenkfraktur oder ein Knochenbruch in der Nähe eines Gelenks meist länger braucht, um auszuheilen.

Indirekte und direkte Frakturheilung

Man unterscheidet zwei verschiedene Arten, auf die ein Knochenbruch heilen kann.

Bei der indirekten oder sekundären Frakturheilung entsteht an den Bruchenden des Knochens ein sogenannter Kallus, also ein Narbengewebe, welches die Bruchstelle überbrückt und sich langsam in Knochen umwandelt. Die Entwicklung dauert lange, sodass auch nach mehreren Monaten bis Jahren noch entsprechendes Gewebe auf Röntgenbildern erkennbar sein kann. Dennoch ist der Knochen bereits früher wieder normal belastbar.

Die direkte oder primäre Frakturheilung erfolgt ohne solches Narbengewebe und findet nur statt, wenn die Enden des Knochens genau aufeinanderpassen, was in der Regel nur bei einer operativen Behandlung der Fall ist. Der Knochen ist nach circa drei Wochen wieder voll funktionsfähig.

Richtige Behandlung entscheidend für Heilung

Bei der Behandlung eines Bruchs werden üblicherweise die einzelnen Teile des Knochens wieder zusammengefügt und in dieser Position fixiert, damit sie erneut zusammenwachsen können. Auch muss eine ausreichende Blutversorgung sichergestellt sein.

Zur Therapie eines Bruchs stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, welche Auswirkungen auf die Dauer der Heilung haben beziehungsweise darauf, wie schnell betroffene Bereiche wieder belastet werden können. Eine frühzeitige Behandlung trägt zu einer schnellen Heilung bei. Details zur Behandlung erfahren Sie später in diesem Artikel.

Rehabilitation begünstigt Heilungsverlauf

Zur Behandlung gehören auch entsprechende Reha-Maßnahmen: Um Folgeschäden für die Muskeln und Gelenke zu vermeiden, wartet man in der Regel nicht erst den Abschluss der Heilung ab, bevor der Knochen wieder belastet wird, sondern beginnt mit der Rehabilitation, sobald der Knochenbruch ausreichend behandelt und stabilisiert wurde:

  • Betroffene sollten versuchen, ihre nicht ruhiggestellten Gelenke möglichst normal zu benutzen.
  • Isometrische Übungen (eine spezielle Form des Krafttrainings) können zusätzlich helfen, die ruhiggestellte Muskulatur fit zu halten.
  • Sollte der Betroffene beispielsweise aufgrund von anderen Verletzungen, einer Erkrankung oder aus anderen Gründen Bettruhe halten müssen, erfolgt die Frühmobilisierung meist durch krankengymnastische Übungen im Bett.

In jedem Fall sollten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt halten und sich erklären lassen, welche Bewegungen und Übungen im Fall Ihres Knochenbruchs empfehlenswert sind.

Aktualisiert: 14.09.2018 – Autor: Nathalie Blanck; überarbeitet: Silke Hamann

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