Rückenschmerzen: Behandlung

Menschen, die unter Rückenschmerzen leiden, können etwas für ihren Rücken tun und dadurch ihre Lebensqualität erheblich verbessern. Noch nicht durchgesetzt hat sich die Erkenntnis, dass 80 Prozent aller Rückenschmerzen harmlos sind und meist nach ein paar Tagen von allein verschwinden. Mit oder ohne Arzt. Kurzzeitig auftretende Beschwerden können zudem durch Eigeninitiative oft schnell gelindert werden.

Hausmittel bei Rückenschmerzen

"Wärmeanwendungen zum Beispiel fördern die Durchblutung und entspannen schmerzhaft verkrampfte Muskulatur", sagt Apotheker Dr. Peter Stein aus Köln. Auch pflanzliche Wirkstoffe wie Capsaicin oder Extrakte der Weidenrinde verringern die Beschwerden, und sind nach Ansicht des Apothekers zu empfehlen. Massagen und Bäder bieten eine angenehme und wohltuende zur körperlichen und inneren Entspannung. Sie fördern die Durchblutung der Muskulatur und lockern dadurch bestehende Verspannungen.

Operation oder Krankengymnastik gegen Rückenschmerzen

Bessern sich die Rückenschmerzen nach ein paar Tagen nicht, werden sie sogar schlimmer oder kommt Fieber hinzu, sollte der Arztbesuch nicht hinausgezögert werden. "Wer zu lange wartet und die Warnzeichen ignoriert, riskiert gesundheitliche Schäden", gibt Dr. Jan-Peter Jansen vom Schmerzzentrum Berlin zu bedenken. Solche Warnzeichen sind zum Beispiel Lähmungserscheinungen an Blase, Mastdarm oder Beinen. Dann muss nach Ansicht vieler Orthopäden operiert werden. "Dank der Entwicklung minimalinvasiver Techniken ist eine Operation heute kein bedrohlicher Eingriff mehr.

Doch Operation bleibt Operation und sollte deshalb wohl überlegt sein", sagt Dr. Matthias Psczolla. Trotz der "Schlüssellochtechnik" entstehen im Operationsgebiet Narben. Diese können mit dem umgebenden Gewebe verkleben und Druck oder Zug auf die Nerven ausüben. Das kann schließlich erneut zu Schmerzen führen. Aus diesem Grund sollten immer erst die Möglichkeiten einer konservativen Therapie ausgeschöpft werden, fordert der Orthopäde.

Im Vordergrund steht dabei die Krankengymnastik. Die Physiotherapie versucht die Beweglichkeit zu verbessern, die Rumpfmuskulatur zu stärken und die Wirbelsäule zu stabilisieren. Welche Techniken zum Einsatz kommen, richtet sich nach den Symptomen und der genauen Diagnose. Ist der Schmerz verflogen, ist die Sorge um den Rücken für die meisten Menschen wieder aus dem Sinn bis zum nächsten Mal. Mit Hilfe gezielter, regelmäßig angewandter Übungen könnten Sie jedoch viel tun und allerwenigstens den Zeitraum bis zum nächsten Auftreten von Rückenschmerzen erheblich ausdehnen.

Schmerztherapie gegen Rückenschmerzen

Vorraussetzung für eine aktive Bewegungstherapie oder mehr Alltagsaktivitäten ist eine effektive Schmerzbehandlung. "Wer Rückenschmerzen hat, bewegt sich nicht gern", stellt Dr. Dietmar Krause vom DGK fest. Viele Menschen mit akuten Schmerzen haben Angst vor jeder Bewegung und versuchen, durch körperliche Erstarrung Schmerzen zu vermeiden. Mit diesem Verhalten beginnt jedoch ein Teufelskreis:

  • Die Angst vor Bewegung kann zu Fehlstellungen führen.
  • Die Muskulatur wird geschwächt und die Funktionsfähigkeit des Bewegungsapparates nimmt ab. Weitere Schmerzen sind die Folge.
  • Die Belastung für die Betroffenen nimmt zu.

Wichtig ist es deshalb, durch eine Schmerztherapie die Beschwerden rechtzeitig zu lindern. Wer schmerzfrei ist, braucht keine Angst vor Bewegung zu haben. Mit einem gezielten Bewegungsprogramm kann man die Rückenmuskulatur stärken und die Wirbelsäule stabilisieren.

Medikamente bei Rückenschmerzen

Die Behandlung sollte die Beschwerden auf ein akzeptables Maß verringern. Deshalb muss sich der Einsatz der Medikamente nach der Intensität der Schmerzen richten, so Krause. Die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bilden dafür eine gute Grundlage. Danach sollten leichte Beschwerden mit nicht-steroidalen Antirheumatika wie den Wirkstoffen Diclofenac oder Ibuprofen behandelt werden.

Stärkste Rückenschmerzen, unter denen immerhin 500.000 Patienten in Deutschland leiden, benötigen opioidhaltige Schmerzmittel. Wichtig ist die regelmäßige Einnahme der Opioide nach einem festen Zeitplan. "Der konsequente Einsatz nach der Uhr sichert gleichmäßig hohe Wirkstoffspiegel und verhindert, dass Schmerzen erneut auftreten", erläutert Krause. Lang wirkende Präparate, die ihren Wirkstoff kontrolliert abgeben, sind deshalb erste Wahl bei Dauerschmerzen. Mit drei Tagen haben opioidhaltige Schmerzpflaster, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Fentanyl, die längste Wirkdauer. Weil das Opioid über die Haut ins Blut gelangt, tritt Verstopfung als häufigste Nebenwirkung seltener auf.

Entspannung gegen Rückenschmerzen

Das Erlernen von Entspannungstechniken versetzt die Betroffenen in die Lage, innere Anspannungen frühzeitig zu erkennen und mit Hilfe gezielter Übungen zu lösen. Mit Hilfe eines Stress-Management-Trainings können die Betroffenen lernen, mit ihrem Stress so zu leben, dass sie die körperlichen und seelischen Folgen gering halten können.

Weitere Behandlungsmaßnahmen

Bei Versagen der beschriebenen konservativen Maßnahmen können Injektionsbehandlungen und spezielle Kathetermethoden weiter helfen. Erst wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten versagen und nur in Ausnahmefällen bleibt noch die Operation. In der modernen Wirbelsäulenchirurgie können selbst große Eingriffe wie zum Beispiel Versteifungsoperationen mit mikrochirurgischen und wenig belastenden Techniken sicher und schonend durchgeführt werden. Sinnvoll ist dies jedoch nur nach eindeutiger Diagnosestellung sowie nach Ausschöpfung aller konservativen Therapiemöglichkeiten.

Aktualisiert: 21.07.2017 – Autor: Quellen: Deutsches Grünes Kreuz, Forum Schmerz, Aktion Gesunder Rücken e. V. / Überarbeitung: Nathalie Blanck

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?