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Hautkrebs - Expertenmeinung gefragt

Dr. Charles Zugerman ist Arzt an der Abteilung für Dermatologie am Northwestern Memorial Hospital in Chicago, USA. Zusätzlich lehrt er als Professor für klinische Dermatologie an der Medizinischen Fakultät der Northwestern University in Chicago. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen hat er auch viele Weiterbildungsveranstaltungen vor Fachpublikum geleitet. Er ist Spezialist für allergische Kontaktdermatitis, beruflich bedingte Hauterkrankungen und kosmetische Dermatologie. Unter anderem ist er Mitglied der amerikanischen Akademie für Dermatologie sowie der dermatologischen und medizinischen Fachgesellschaft in Chicago.

gesundheit.de: Wie häufig ist Hautkrebs?

Prof. Zugerman: Die Häufigkeitsangaben über einzelne Hautkrebsarten hängen im wesentlichen davon ab, wie ausgereift die Meldesysteme über die jeweiligen Erkrankungen in einzelnen Ländern sind. Weltweit gibt es normalerweise ungefähr dreimal so viele Hautkrebsfälle wie in den Vereinigten Staaten. Die Hautkrebsrate ist unterschiedlich von Ort zu Ort, je nachdem wie viele hellhäutige Menschen dort leben, wie intensiv die Sonne scheint und welche Angebote für Freizeitaktivitäten unter freiem Himmel existieren und auch wahrgenommen werden. Hautkrebs ist die häufigste Krebsart in den Vereinigten Staaten; die weltweit höchsten Hautkrebsraten sind in Südafrika und Australien anzutreffen.

Es gibt viele unterschiedliche Arten von Hautkrebs. Die drei wichtigsten sind Basaliom, Plattenepithelkarzinom und Melanom. Wie sieht es mit dem Basaliom aus?

Was das Basaliom, die häufigste Hautkrebsart anbelangt, gibt es in den Vereinigten Staaten ungefähr 900.000 Fälle pro Jahr. Es tritt in ungefähr 146 Fällen pro 100.000 Einwohner auf, wobei die Zahlen noch höher sind, wenn man zum Beispiel Florida, Kalifornien, Australien oder Südafrika, also Orte mit hoher Sonneneinstrahlung betrachtet. Die Häufigkeit ist demgegenüber niedriger in Ländern mit geringerer Sonneneinstrahlung wie Österreich, Skandinavien oder Grossbritannien, in denen hellhäutige Menschen leben. Ein Basaliom hat normalerweise eine rosarote bis rote Farbe und kann jahrelang bestehen. Mein Patient mit der längsten diesbezüglichen Vorgeschichte war jemand, der während 20 Jahren einen Fleck im Gesicht hatte, der sich schließlich als Basaliom herausstellte. Dieser Krebs wächst und entwickelt sich nur sehr langsam. Als Alarmsignal gilt, wenn sich ein Hautfleck vergrößert oder eine rosarote Farbe aufweist. Ich habe bereits 13-Jährige mit Basaliom gesehen. Ich möchte noch einmal betonen, dass die Menschen in den seltensten Fällen an Basaliomen sterben, obwohl diese sehr häufig auftreten. Würden in diesen Ländern überwiegend dunkelhäutige Menschen leben, wäre die Häufigkeit von Hautkrebs noch einmal niedriger. In den Vereinigten Staaten sterben sehr wenige der 900.000 Betroffenen mit Basaliom. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich mich bisher an keinen einzigen Fall erinnern, in dem jemand an einem Basaliom verstorben wäre. Tödlich enden meist diejenigen Fälle, in denen große, aggressive Tumoren vorliegen, die sich lokal zum Beispiel im Gehirn, Knochen oder den Gefäßen ausdehnen, ohne dabei notwendigerweise zu metastasieren. Allerdings ist dies sehr selten.

Der andere häufige Hautkrebs ist das Plattenepithelkarzinom. Was können Sie uns darüber sagen?

Plattenepithelzellen sind dünne, lange Zellen, die Fischschuppen ähnlich sehen und im Gewebe an der Hautoberfläche vorkommen. Das Plattenepithelkarzinom tritt am häufigsten bei über 50-Jährigen auf. Dieser Hautkrebs hat meistens eine harte, berührungsempfindliche Oberfläche und kann relativ schnell innerhalb einiger Monate deutlich an Größe zunehmen. Plattenepithelkarzinome sind allerdings seltener als Basaliome, dafür aber meistens auch aggressiver, jeweils in Abhängigkeit von ihrer Ätiologie. In den USA kommen ungefähr 200?000 Fälle pro Jahr vor. Es versterben mehr Leute an Plattenepithelkarzinomen als an Basaliomen.

Und der dritte häufige Typ von Hautkrebs, das Melanom?

Melanome entwickeln sich aus Melanozyten, die sich in den untersten Hautschichten befinden. In den USA wird die Diagnose wahrscheinlich in ungefähr 34.000 Fällen pro Jahr gestellt, weltweit sind es ungefähr 90.000 Fälle. Und in den Vereinigten Staaten sterben jährlich ungefähr 7.200 Menschen an Melanomen.

Was ist die Ursache dieser häufigen Formen von Hautkrebs?

Die ultraviolette oder UV-Strahlung der Sonne ist die wesentliche Ursache von Hautkrebs. Zusätzlich können auch künstliche UV-Quellen wie Solarien Hautkrebs verursachen. Wie ich bereits erwähnt hatte, findet sich die höchste Hautkrebsrate in Südafrika und Australien, weil in diesen Ländern die UV-Einstrahlung sehr hoch ist.

Und was ist die Ursache von Melanomen?

Melanome entstehen auf dreierlei Weise. Einige Melanome treten als Folge von Sonneneinstrahlung auf und finden sich dann an denselben Körperstellen wie Basaliome oder Plattenepithelkarzinome. Melanome entstehen häufiger bei Menschen, die unter freiem Himmel arbeiten. Jemand, der zum Beispiel für eine Telefongesellschaft arbeitet und dabei Telefonmaste installiert oder jemand der jedes Wochenende im Freien Golf spielt, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Melanom entwickeln als jemand, der nie nach draußen geht.

Was kann man tun, um Hautkrebs zu vermeiden?

Was gegen die meisten Basaliome und Plattenepithelkarzinome und gegen einige Melanome helfen würde: die Sonnenexposition reduzieren. Man muss wissen, dass Hautkrebs weitaus häufiger bei Menschen auftritt, die während der ersten 18 Lebensjahre einer starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren. Also muss man an erster Stelle die Kinder und an zweite Stelle die Erwachsenen vor der Sonne schützen. Leute, die sich einen Sonnenbrand zuziehen, um anschließend braun zu werden, schaden sich ungemein. Jede Art von Sonnenbrand ist schädlich. Ich sage meinen Patienten immer, dass sie die Mittagssonne meiden sollen. Menschen mit heller Haut, blauen Augen und roten Haaren, die leicht Sommersprossen bekommen, haben eher Probleme als dunkelhäutige Asiaten, Farbige oder Anwohner des Mittelmeerraumes. Das Leben in den Tropen stellt ebenfalls einen Risikofaktor dar. Hellhäutige mit erhöhtem Risiko, die in den Tropen leben, sollten zwischen 10 Uhr morgens und 2 Uhr nachmittags die Sonne meiden.

Was halten Sie von Sonnencremes?

Der Gebrauch von Sonnencremes ist eine Vorsichtsmassnahme. Man sollte eine Sonnencreme benutzen und darauf achten, diese 30 bis 45 Minuten vor Sonnenexposition aufzutragen. Die Creme sollte sowohl vor UVA- wie auch UVB-Strahlen schützen. Ein Sonnenbrand entsteht überwiegend durch UVB-Strahlung, welche man auch als Sonnenbrandstrahlung bezeichnen könnte. Aber es gibt auch synergistische Effekte mit der bräunenden, langwelligen UVA-Strahlung. Die Sonnencreme sollte also gegen soviel Strahlung wie möglich, sowohl im langwelligen als auch kurzwelligen Bereich abschirmen. Für hellhäutige Menschen empfiehlt sich eine Sonnencreme mit mindestens Lichtschutzfaktor 30, bei dunkelhäutigen kann der Lichtschutzfaktor auch darunter liegen.

Gibt es auch andere Vorsichtsmaßnahmen?

Eine andere Möglichkeit, sich vor zuviel Licht zu schützen, besteht darin, entweder einen Regenschirm oder dunkle, undurchsichtige Kleidung oder einen Hut mit breiter Krempe zu benutzen. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Prävention ist, unnatürliche Veränderungen wahrzunehmen und bei den Leuten ein Bewusstsein dafür zu schaffen, worauf bei den drei unterschiedlichen Hautkrebsarten geachtet werden sollte. Menschen mit einem hohen Risiko sollten sich in regelmäßigen Abständen, je nach individuellem Risiko, von einem Hautarzt untersuchen lassen. Jemand, der bereits einmal an Hautkrebs erkrankt war, leicht einen Sonnenbrand bekommt oder eine positive Familiengeschichte für Hautkrebs hat, sollte zumindest zweimal im Jahr von einem Hautarzt gesehen werden. Zusätzlich sollten Hochrisikopatienten aber auch selbst ihre Haut regelmäßig untersuchen und zwar vor einem Ganzkörperspiegel und zusätzlich mit einem Handspiegel für die Rückenpartie.

In welchem Alter und wie oft sollte die Haut untersucht werden?

Jeder, der eine Untersuchung aus welchem Grund auch immer wünscht, zum Beispiel weil er sich über einen Leberfleck Sorgen macht, sollte sich dieser Untersuchung unterziehen. Ich kenne eine Reihe von Leuten, die 7- oder 8-jährige Kinder zur Kontrolle bringen, wobei man bei Kindern unter 16 nur sehr selten Hautkrebs findet. Wenn jemand bereits einmal an Hautkrebs erkrankt war, sollte er mindestens viermal im Jahr untersucht werden. Patienten mit Basaliomen werden normalerweise zweimal pro Jahr untersucht. Patienten mit Hautkrebs in der Familiengeschichte sollten ein- bis zweimal pro Jahr untersucht werden.

Es gibt so viel Hautkrebs durch Sonneneinstrahlung und doch sehen wir hier im Sommer Tausende von Leuten, die stundenlang in der Sonne sitzen, ohne sich irgendwelche Sorgen zu machen.

Sie sitzen in der Sonne aus denselben Gründen, warum andere Leute weiterhin rauchen. Rauchen ist gefährlich, aber die Leute rauchen trotzdem. Übergewicht ist gefährlich, trotzdem sind die Leute weiter übergewichtig. Cholesterinreiche Nahrungsmittel zu sich zu nehmen ist gefährlich, trotzdem tun die Leute es weiterhin. Warum? Weil es angenehm und bequem ist. Warum sitzen Leute in der Sonne? Weil sie sich dabei wohlfühlen. Sie lieben es, sich zu bräunen, sie mögen Ihr Aussehen anschließend und sie mögen das Gefühl von Sonne auf der Haut. Die Leute werden durch Magazine oder von Freunden beeinflusst und sie möchten gebräunt sein; folgerichtig haben sie ein höheres Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass die Leute in die Sonne gehen, solange sie es einigermaßen intelligent tun.

Aktualisiert: 25.03.2014

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