Darmverschluss: Symptome und Diagnose

Tastuntersuchung bei Darmverschluss © istockphoto, Wavebreakmedia

Bei einem Darmverschluss (Ileus) ist der Darm – wie es der Name vermuten lässt – tatsächlich zu, sodass Nahrungsreste kaum oder gar nicht mehr ausgeschieden werden können. Ein verschlossener Darm kann sich plötzlich und dramatisch äußern, wenn zum Beispiel ein Darmstück in einem Bruchsack eingeklemmt wird, oder sich schleichend und diskret ausbilden, beispielsweise bei einem langsam wachsenden, einengenden Tumor. Doch egal, welches Krankheitsbild auftritt: Ein Darmverschluss ist immer ein lebensbedrohlicher Notfall und muss sofort im Krankenhaus behandelt werden.

Symptome bei einem mechanischen Darmverschluss

Für einen mechanischen Darmverschluss ist meist ein Hindernis (Tumor, Kotballen) verantwortlich, das den Darm verstopft. Auch kann es sein, dass der Darm von außen eingeschnürt wird, wie etwa bei Verwachsungen oder in Folge einer Verletzung.

Die Symptome eines verschlossenen Darms können sich je nach Ursache und Schweregrad voneinander unterscheiden. Grundsätzlich fallen jedoch folgende Anzeichen auf:

  • Der Darminhalt staut sich bis in den Magen, was zu Aufstoßen, Übelkeit und Erbrechen führt. Im Extremfall muss der Patient Kot erbrechen (Miserere).
  • Schmerzen entstehen durch heftige, krampf- und schubartige Darmkontraktionen oder eine gleichzeitig bestehende Bauchfellentzündung.
  • Als Folge der Darmerweiterung ist der Bauch aufgebläht (Meteorismus)

Achtung: Beim Strangulationsileus wird der betroffene Darmabschnitt nicht mehr durchblutet. Der Schmerz hält dann fortwährend an, der Blutdruck sinkt, der Puls beschleunigt sich und der Patient erbricht stark (auch Stuhl).

Oftmals entwickelt sich ein Ileus jedoch schmerzfrei und über Wochen bis Monate. Beim mechanischen Darmverschluss kann bei hoher Verschlusslokalisation im Bereich des Dünndarms durchaus normaler Stuhlgang abgesetzt werden, da in diesem Darmabschnitt der Stuhlgang noch flüssig ist und die Flüssigkeit gut den eingeengten Darmabschnitt passieren kann.

Ist die Nahrungspassage nicht komplett unterbrochen, sondern nur eingeschränkt, spricht man von einem "Subileus".

Symptome eines paralytischen Darmverschlusses

Der paralytische Darmverschluss wird durch eine Lähmung der Muskulatur der Darmwand hervorgerufen. Als Folge kann der Darminhalt nicht mehr weitertransportiert werden.

Die Symptome beim paralytischen Typ sind nicht so stark ausgeprägt wie beim mechanischen Typ und erscheinen verzögert. Zwar kommt es auch zu Übelkeit und Erbrechen, doch da der Darm gelähmt ist, sind keinerlei Darmgeräusche zu vernehmen. In der Medizin spricht man dann von "Grabes- oder Totenstille".

Die Schmerzen sind dauerhaft und diffus, sodass der Patient nicht eindeutig sagen kann, von wo die Schmerzen kommen. Besonders charakteristisch für einen paralytischen Darmverschluss ist der aufgeblähte Bauch, der im Falle einer zusätzlichen Bauchfellentzündung zu einem sogenannten harten und gespannten "Trommelbauch" werden kann. Im weiteren Verlauf kann es vorkommen, dass der Patient flüssigen Darminhalt erbrechen muss.

Darmverschluss: Diagnose

Wenn es der Zustand des Patienten zulässt, erfolgt eine ausführliche Erhebung der Krankenvorgeschichte (Anamnese). Hinweise auf wiederholte Magengeschwüre, krampfartige Schmerzen, die unmittelbar nach dem Essen auftreten (Hinweis auf einen Mesenterialinfarkt) oder Schmerzen im rechten Unterbauch (zum Beispiel durch eine Blinddarmentzündung) können hilfreich sein, die verschiedenen Ursachen einzugrenzen und die notwendigen Untersuchungen einzuleiten.

Die Befragung nach der Art der Schmerzen gibt Aufschluss darüber, welches Organ betroffen sein könnte. Plötzlich auftretende, heftige und stechende Schmerzen im rechten Oberbauch weisen eher auf eine Gallenblasenentzündung oder auf ein Zwölffingerdarmgeschwür hin. Strahlen diese Schmerzen in den rechten Rücken aus, dann kann es sich um eine Gallenblasenentzündung handeln. Daher ist die genaue Beschreibung der Schmerzausdehnung ebenso wichtig wie die Beschreibung der Art der Schmerzen.

Weitere Untersuchungen durch den Arzt

Nach der Krankengeschichte folgt der körperliche Untersuchungsbefund. Oft wirkt ein von einem Darmverschluss Betroffener unruhig, seine Beine können angewinkelt sein, um die Spannung im Bauch zu verringern und eine Entlastung zu ermöglichen. Bei der Untersuchung lässt sich eine Abwehrspannung des Bauches feststellen. Diese tritt entweder an einem bestimmten Punkt auf oder ist über den ganzen Bauch verteilt. Der Bauch ist oft allgemein druckschmerzhaft.

Mit dem Stethoskop lassen sich die Darmgeräusche beurteilen. Metallisch klingende Darmgeräusche weisen auf einen mechanischen Ileus hin. Fehlende Darmgeräusche weisen dagegen auf einen lähmenden Darmverschluss hin.

Die rektale Untersuchung (Abtastung des Enddarms mit dem Finger) kann schmerzhaft sein, insbesondere dann, wenn eine Blinddarmentzündung zu einer Reizung des Bauchfells geführt hat.

Bildgebende Untersuchungen

Zur Beurteilung des Bauches werden Röntgenaufnahmen im Stehen oder in Linksseitenlage gemacht. Bei einem Darmverschluss lassen sich sichelförmige Luft- und Flüssigkeitsansammlungen erkennen. Je nach Beteiligung werden sie als Dünn- oder Dickdarmspiegel bezeichnet. Freie Luft unter dem Zwerchfell ist ein Zeichen für ein "Leck" im Magen-Darm-Trakt, oft tritt die Luft durch einen entzündeten und undichten Schleimhautbereich aus.

Mit der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) lässt sich die Ursache des Darmverschlusses eingrenzen. Pendelperistaltik (Darminhalt wird nicht mehr transportiert) spricht für einen mechanischen Darmverschluss und fehlende Peristaltik für einen lähmenden Darmverschluss.

Die Computertomographie wird als ergänzende Untersuchung zur Beurteilung der inneren Organe durchgeführt.

Aufschluss durch Werte im Blut

Je nach Ursache des Darmverschlusses können viele Blutwerte krankhaft verändert sein. Das Blutbild ermöglicht die Bestimmung weißer (Leukozyten) und roter (Erythrozyten) Blutkörperchen, des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin und der Blutplättchen (Thrombozyten).

Blutverlust führt zu einer Verringerung des Hämoglobins. Eine Entzündung dagegen verursacht einen deutlichen Anstieg der weißen Blutkörperchen. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit, das C-reaktive Protein und die Laktatdehydrogenase (LDH) sind erhöht.

Außerdem können die Leberwerte und Bauchspeicheldrüsenwerte krankhaft ansteigen. Bei Fortschreiten der Erkrankung verschlechtern sich auch die Gerinnungswerte.

Aktualisiert: 10.12.2018 – Autor: Nathalie Blanck

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