Darm und Immunsystem

Gesunder Darm stärkt Immunsystem © istockphoto, Nastco

Darm und Immunsystem stehen in enger Verbindung miteinander. Ist der Darm geschwächt, verliert das gesamte Immunsystem an Stärke. Und umgekehrt kann es bei einer Abwehrschwäche zu Störungen im Magen-Darm-Trakt kommen. In beiden Fällen gerät die Darmflora aus dem Gleichgewicht. Die Darmflora – so lautet die Bezeichnung für die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die im Darm leben. Milliarden kleinster Lebewesen, überwiegend Bakterien, tummeln sich dort. Man unterscheidet etwa 500 verschiedene Arten. Es sind fleißige Helfer des Immunsystems, die letztendlich sogar beeinflussen, ob der Mensch sich wohl fühlt oder kränkelt.

Aufgaben der Mikroorganismen im Darm

Die gesundheitsfördernden Darmbewohner erfüllen viele Aufgaben:

  • Sie sorgen dafür, dass bestimmte Nährstoffe ordentlich verdaut und auch verwertet werden können.
  • Sie bilden Vitamine, beispielsweise Vitamin K, das wichtig für die Blutgerinnung ist.
  • Sie schützen den Darm vor aggressiven Schadstoffen.
  • Sie verhindern, dass krankheitserregende Viren, Bakterien oder Pilze sich in der Darmschleimhaut einnisten und Infektionen auslösen.
  • Sie versorgen die Immunzellen, die im Darm sitzen, mit wichtigen Informationen. Erreger können dadurch gezielt bekämpft werden.
  • Sie fördern den Aufbau und die Ernährung der Darmschleimhaut.

All diese Aufgaben können jedoch nur bewältigt werden, wenn die Darmbesiedelung ausgewogen ist. Die Mikroorganismen müssen dafür in einem ganz bestimmten Verhältnis zueinander stehen.

Störungen des Darms

Der Darm kann kleine oder kurzfristige Belastungen im Regelfall gut ausgleichen. Ernste Störungen und Erkrankungen entstehen erst dann, wenn die Angriffe sehr massiv oder von Dauer sind. Falsche Ernährung, eine ungesunde Lebensführung, aggressive Krankheitserreger oder die Einnahme bestimmter Arzneistoffe wie Antibiotika oder Kortison sind Beispiele dafür.

Die guten Keime werden durch solche Einflüsse geschädigt und die schlechten können sich ausbreiten. Giftige Stoffwechselprodukte entstehen und belasten den Darm. Fremd- und Schadstoffe können nicht mehr ausreichend abgewehrt werden. Entzündliche Prozesse können folgen. Immer mehr krankmachende Keime nehmen den Platz der guten, gesundheitsfördernden ein. Bald ist die Darmflora "unterbesetzt" und überlastet. Erste Anzeichen dafür sind Blähungen Aufstoßen und Krämpfe im Darm oder auch Koliken sowie schmieriger, stark riechender Stuhl.

Auch das Immunsystem beginnt zu "schwächeln". Die Immunzellen im Darm können nicht mehr optimal arbeiten, die Abwehrkräfte schwinden. Dann haben die Krankheitserreger leichtes Spiel, gesundheitliche Störungen auszulösen. Zahlreiche Krankheiten können folgen. Die Betroffenen reagieren empfindlicher, nicht nur mit Infektionskrankheiten. Manchmal entwickeln sich auch Allergien, rheumatische Erkrankungen oder bestimmte Hautleiden. Das sind alles Krankheiten, die man zunächst nicht mit einer gestörten Darmfunktion in Verbindung bringt.

Darmsanierung

Glücklicherweise nimmt der Darm auch Hilfe von außen an und man kann einiges dafür tun, um seine Funktion wieder zu normalisieren. Diese Maßnahmen werden unter dem Schlagwort Darmsanierung zusammengefasst. Es gibt verschiedene Vorgehensweisen. Ganz wichtig ist es jedoch, vorher die Ursache der Darmbeschwerden beim Arzt abzuklären. Gibt dieser grünes Licht, steht der Apotheker bei der Behandlung mit den sanierenden Mikroorganismen beratend zur Seite. Die meisten dieser Mittel sind apothekenpflichtig, aber man benötigt keine ärztliche Verordnung für ihre Anwendung.

Therapie von Darmentzündungen

Bei der so genannten Schleimhauttherapie versucht man, mit bakteriellen Stoffwechselprodukten Entzündungen entgegenzuwirken und die Funktionen der Schleimhaut wiederherzustellen. Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen wie E. coli (Darmbakterium des Menschen) oder bestimmten Lactobacillen (Milchsäurebakterien) kommen dafür infrage. Diese Therapie greift besonders gut bei einer entzündeten Schleimhaut, beispielsweise nach Durchfallerkrankungen. Denn die gesundheitsfördernden Keime der Darmflora können sich nur vermehren, wenn die Darmschleimhaut gesund ist.

Bei der mikrobiologischen Therapie wird der Darm durch die Verabreichung ganzer Keime, also nicht nur deren Stoffwechselprodukte, behandelt. Man verwendet dafür sowohl lebende, als auch abgetötete Keime, beispielsweise auch E. coli oder Enterococcus faecalis. Die Keime kommen in der natürlichen Darmflora vor und richten keinen Schaden an. Sie helfen, die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen und tragen zur Sanierung des Immunsystems bei.

Probiotika werden vorbeugend zur Stärkung des Immunsystems empfohlen. Es handelt sich dabei um Mikroorganismen, meist Lactobacillus- und Bifidobakterien, die mit Nahrungs- oder Nahrungsergänzungsmitteln in den Darm gelangen, sich dort ansiedeln und die Arbeit der natürlichen Darmflora unterstützen. Nahrungsergänzungsmittel aus der Apotheke, beispielsweise in Form von Kapseln, haben den Vorteil, dass man genau weiß, dass die Kulturen in ausreichender Menge im Darm ankommen und wirken. Bei Lebensmitteln ist das nicht immer gegeben, beispielsweise, wenn die Kühlkette unterbrochen wurde oder die Lagerung nicht sachgemäß stattfindet.

Pilze gegen Durchfall

Präbiotika wie Inulin oder Oligofruktose sind unverdauliche Kohlenhydrate (Oligosaccharide), die von den menschlichen Verdauungssäften nicht aufgeschlossen werden können. Sie steigern die Anzahl oder die Aktivität der erwünschten Milchsäure- und Bifidobakterien im Darm und unterstützen dadurch die Abwehrkräfte des Körpers. Symbiotika sind Kombinationen aus Pro- und Präbiotika.

Bei akuten Durchfällen, aber auch zum Vorbeugen von Reisedurchfall beispielsweise, eignet sich auch eine Therapie mit Saccharomyces boulardii. Das ist ein Hefepilz, der als Kapsel oder Pulver eingenommen werden kann und den Magen-Darm-Trakt innerhalb weniger Stunden besiedelt. Dort hindert er die Durchfallerreger daran, sich auszubreiten, ohne die Darmflora zu beeinträchtigen. Die Mittel sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

Aktualisiert: 22.06.2016

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