Divertikel-Erkrankungen

Frau mit Divertikel-Erkrankung © istockphoto, shironosov

Immer häufiger leiden Menschen an Divertikel-Erkrankungen. Die säckchenförmigen Ausstülpungen der Darmwand verursachen in den meisten Fällen keine Beschwerden - falls doch, sollten Betroffene umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Eine ballaststoffreiche Ernährung beugt der Bildung von Divertikeln wie auch schwereren Folgen dieser Erkrankung vor. Die Zahl der Divertikel-Erkrankungen hat in den westlichen Industrieländern in den vergangenen Jahrzehnten stetig zugenommen. Für 40- bis 60-Jährige wird eine Häufigkeit von 7 bis 12 Prozent angenommen, bei den über 60-Jährigen sind 40 bis 50 Prozent betroffen. Damit gehört die Divertikulose zu den häufigsten Dickdarmerkrankungen.

Definition: Was sind Divertikel?

Divertikulum bedeutet im Lateinischen Abweg, Abweichung; Divertikel sind kleine, sackförmige Ausstülpungen. Sie können in verschiedenen Organen auftreten. Wird keine genauere Angabe gemacht, sind im Allgemeinen Ausstülpungen der Dickdarmwand gemeint. Kommen diese Ausstülpungen nicht vereinzelt, sondern in größerer Anzahl vor, spricht man von einer Divertikulose. Entzünden sich die Divertikel, handelt es sich um eine Divertikulitis.

Ursachen: Wie entstehen Divertikel?

Die genaue Ursache der Ausstülpungen konnte bisher nicht geklärt werden. Man geht aber davon aus, dass die vergleichsweise ballaststoffarme Ernährung in der westlichen Welt eine wichtige Rolle spielt. Zum Beispiel nehmen Vegetarier viel mehr Ballaststoffe zu sich als "Fleischesser" - und sind viel seltener von Divertikulose betroffen.

Symptome: Was können für Beschwerden auftreten?

Nicht jede Divertikulose ruft automatisch Beschwerden hervor - 80 Prozent der Betroffenen haben keinerlei Symptome. Oft werden die Ausstülpungen zufällig bei einer Darmspiegelung entdeckt. Nur bei 20 Prozent der Erkrankten treten gesundheitliche Probleme auf, zum Beispiel Blähungen, Bauchschmerzen, besonders im linken Unterbauch oder Verstopfung im Wechsel mit Durchfällen.

Schwerwiegende Komplikationen sind selten, gehören aber sofort in ärztliche Behandlung, beispielsweise bei Blut im Stuhl. Wenn die Divertikel sich entzünden, kommt es zu einer Divertikulitis. Dabei sind die Symptome ähnlich wie bei einer Blinddarmentzündung: krampfartige Schmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, meist auch Fieber.

Divertikel in der Speiseröhre

Ausstülpungen der Schleimhaut können auf an anderen Stellen im Körper auftauchen – am bekanntesten sind Divertikel der Speiseröhre. Und zwar weist diese an drei Stellen Engpässe auf:

  • Der erste liegt streng genommen vor dem eigentlichen Beginn der Speiseröhre, dort wo aus dem Schlund Luft- und Speiseröhre hervorgehen. Hier ist die Muskulatur, die die Schleimhaut umgibt, relativ dünn, so dass sich schnell mal ein Divertikel ausstülpt. Dieses Divertikel nennt man Zenker-Divertikel. Typische Beschwerden sind Nahrungsreste, die sich morgens unverdaut wieder im Mund anfinden, manchmal auch ein Engegefühl im Hals.
  • Weitere Divertikel finden sich oft am dem Bereich, wo aus der Luftröhre die beiden Hauptbronchien abgehen, und kurz vor dem Ende der Speiseröhre, wo sie den Brustraum verlässt und durch das Zwerchfell hindurchtritt.

Alle Divertikel können bei starken Beschwerden in einer laparoskopischen Operation (OP) entfernt werden.

Behandlung, Ernährung, Operation

Bestehende Divertikel bilden sich nicht mehr zurück. Eine ballaststoffreiche Ernährung baut aber Komplikationen wie auch der Bildung weiterer Divertikel vor und wird deshalb zur Vorbeugung und für beschwerdefreie Patienten empfohlen. Für die tägliche Ernährung bedeutet das: Vollkornprodukte sowie Gemüse und Obst sollten reichlich auf dem Speisezettel stehen, tierische Erzeugnisse wie Fleisch, Wurst oder Eier reduziert werden.

Damit der Darm sich langsam an eine solche Kost gewöhnen kann, sollte die Umstellung schrittweise und langsam erfolgen. Außerdem ganz wichtig: Reichlich trinken, damit den Ballaststoffen ausreichend Flüssigkeit zur Verfügung steht. Durch die tägliche Aufnahme von Weizenkleie kann der Ballaststoffgehalt der Nahrung noch zusätzlich gesteigert werden.

Bei einer Divertikulitis werden von Ihrem Arzt Maßnahmen zur Behandlung ergriffen, um die Entzündung einzudämmen und so eine Operation (OP) zu vermeiden. Dazu gehört, dass Sie bis zum Abklingen der Entzündung auf feste Nahrung verzichten müssen, meist im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts mit Infusionen ernährt werden und Antibiotika erhalten. Muss der Darmabschnitt, weil er sich immer wieder entzündet, entfernt werden, kann das meist in einer laparoskopischen Operation (OP) geschehen – nur bei einer starken Entzündung und einer Komplikation wie einem Darmdurchbruch ist manchmal eine sofortige offene Not-Operation notwendig.

Aktualisiert: 16.02.2017 – Autor: efg / Überarbeitung: Nathalie Blanck

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