Paruresis - Selbsthilfe für Betroffene

Paruresis-Therapie: Hoffnung auf Verhaltenstherapie

Mit Medikamenten ist Paruresis nicht zu therapieren. Doch sie lässt sich über eine Verhaltenstherapie positiv verändern. Vor Therapie-Beginn müssen jedoch körperliche Ursachen, wie zum Beispiel Prostatavergrößerung, Prostatakrebs oder Harnröhrenenge vom Facharzt ausgeschlossen werden. Die Paruresis-Therapie hat folgende Struktur: Vor der Therapie wird eine sehr ausführliche Diagnostik gemacht, damit die Therapie optimal auf den Paruresis-Betroffenen eingestellt werden kann.

Dem Paruresis-Betroffenen wird erläutert, wie die Blase funktioniert und warum die Blase in manchen Situationen nicht so will, wie es der Paruresis-Betroffene gerne hätte. Davon werden dann auch Übungen abgeleitet, die zur Überwindung der Paruresis dienen.

Paruresis: Behandlung mittels Übungen

Im zweiten Teil der Paruresis-Therapie werden die Übungen dann durchgeführt und führen häufig zu einer deutlichen Besserung der Probleme beim Wasserlassen. Der Körper soll lernen, dass die Toilettensituation völlig ungefährlich ist - und dazu muss sich der Paruresis-Betroffene genau dieser Situation stellen. Der Therapeut erarbeitet gemeinsam mit dem Betroffenen eine Liste mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Für manche Paruresis-Betroffene ist das Urinieren im Sitzen in einer Kabine leicht, schwieriger ist das Urinieren im Stehen. Der Patient muss bei allen Übungen viel getrunken haben, damit der Harndrang das Urinieren etwas erleichtert. Im dritten Teil der Paruresis-Therapie geht es dann um die "Paruresis im Kopf" - die negativen Gedanken. In Gesprächen werden die Gedanken des Betroffenen genau analysiert, hinterfragt und eventuell auch verändert.

Paruresis: Selbsthilfe für Betroffene

Zunächst muss der Betroffene "seine" Paruresis kennenlernen. Dabei sollte ein Paruresis-Betroffener eine Schwierigkeitshierarchie erstellen, also in welcher Situation das Urinieren leicht ist (etwa wenn niemand zugegen ist) und wann unmöglich ist (so ist es für manche unmöglich, im Büro zu urinieren, wenn Kollegen hereinkommen könnten), ein Dritter hat vielleicht Angst davor, dass das Plätschern zu laut ist. Im nächsten Schritt der Selbsthilfe braucht der Paruresis-Betroffene einen "Buddy", einen Vertrauten also, mit dem er Situationen bewusst durchsteht.

Dieser Vertraute sollte genau über das Problem Bescheid wissen, Verständnis haben und bereit sein, bei den Übungen ernsthaft mitzumachen, um eine wertvolle Hilfe zu sein. Nun wird zur Paruresis-Selbsthilfe der Körper überlistet: der Körper soll lernen, dass Toilette nicht gleich Gefahr bedeutet. Zu der Übung gehört auch, das Unterbrechen des Harnstrahls für drei bis fünf Sekunden zu üben – natürlich zu Hause in Ruhe. Dies geht durch Muskelanspannung. Zur Vorbereitung der Übung muss der Paruresis-Betroffene sehr viel trinken (circa zwei Liter), am besten kohlensäurefreies Wasser, denn der Harndrang muss sehr stark sein.

Paruresis: Hilfe durch Selbsthilfe

Erst der folgende Schritt während der Paruresis-Selbsthilfe ist eine Konfrontationsübung: man sucht sich die Situation, in der ein Toilettengang noch so gerade funktioniert, also z.B. bei Männern Urinieren im Sitzen in der Kabine, wenn niemand vor der Tür wartet. Auf einer öffentlichen Toilette wird in einem Kaufhaus nun geübt: Urinieren im Stehen bei angelehnter Kabinentür – wobei der Buddy dabei ist und vor der Tür wartet. Wenn das geht, versucht man, den Strahl zu unterbrechen.

Die Übungen, bei denen man immer wieder Rückschläge akzeptieren muss, werden in ihrem Schwierigkeitsgrad gesteigert. Im nächsten Schritt schließen sich gemeinsam mit dem Buddy die Folgeübungen an, wobei die letzte leichtere Übung, die erfolgreich lief, erstmal wiederholt werden sollte. Erst dann sollte man z.B. die Übungsorte wechseln und das Training steigern.

Paruresis besiegen

Der dann folgende Schritt bei der Paruresis-Selbsthilfe bedeutet für den Betroffenen, nun alleine zu üben, was einige Überwindung kosten wird. Aber durch die Übungen mit dem Buddy kennt man jetzt jede Menge Situationen, die man nach Schwierigkeitsgrad durchgestuft oft probieren kann und sollte. Das alles dauert seine Zeit und kostet immer wieder Überwindung, ohne die man jedoch die Paruresis nicht überwinden wird. Der letzte Schritt ist der erste Schritt in ein selbstbestimmtes Leben: das Vermeidungsverhalten muss sukzessive abgebaut werden, um die Paruresis besiegen zu können.

Aktualisiert: 12.06.2015 – Autor: bo

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