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Angst steigert den Schmerz

"Hart im Nehmen" oder "Mimose"? Menschen reagieren auf Schmerzen höchst unterschiedlich. Wie wir das Warnsignal des Körpers wahrnehmen, das uns über äußere oder innere Bedrohungen informiert, hängt von verschiedenen Umständen ab – etwa von unserer Tagesform und den Erfahrungen, die wir mit Schmerzen gemacht haben. Vom individuellen Schmerzempfinden ist dann auch die Wahl der Betäubung bei einer Zahnbehandlung abhängig.

Das Schmerzempfinden eines Menschen ist sehr individuell

Genau wie Hören oder Sehen ist auch das Schmerzempfinden eine Form der Wahrnehmung. Schmerz entsteht durch Reize wie Kälte, Hitze oder auch eine Verletzung oder Entzündung. Über Schmerzrezeptoren an den Nerven und das Rückenmark wird die Information „Schmerz" bis ins Gehirn, zum Thalamus, weitergeleitet. Diese Region gibt den Schmerz dann an die Hirnrinde weiter, die für das körperliche Fühlen zuständig ist. Die wechselseitige Erregung verschiedener Hirnareale führt schließlich dazu, dass der Mensch den Schmerz als unangenehm empfindet. Man unterscheidet Schmerzen einmal nach ihrem Entstehungsort in Oberflächen- oder Tiefenschmerz und differenziert außerdem zwischen akuten und chronischen Schmerzen, wie sie etwa zu einer Rheumaerkrankung gehören.

Schmerzempfinden ist erlernt

Dass manche Menschen mehr und manche weniger schmerzempfindlich sind, haben auch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt: Bestimmte Regionen des Gehirns sind unterschiedlich stark aktiv, was über die jeweilige Wahrnehmung entscheidet. Objektiv ist Schmerz nicht messbar, er hängt vielmehr vom subjektiven Erleben des Betroffenen ab. Auch Faktoren wie Stress, Erschöpfung und Angst können Schmerzen verstärken oder sogar auslösen. Die Art und Weise, in der ein Mensch auf Schmerzen reagiert, erlernt er bereits im Kindesalter. Vorbilder und die Reaktion der Eltern auf den kindlichen Schmerz prägen ganz maßgeblich das eigene Schmerzempfinden – ein Leben lang. So verhalten sich manche Menschen beängstigt, andere wütend, wieder andere versuchen sich abzulenken. Tatsächlich ist Ablenkung ein Mittel, den Schmerz zu beeinflussen – und diese Ablenkung kann man sich in der Zahnmedizin zunutze machen. Patienten entspannen, wenn sie über Kopfhörer Musik hören und senken so ihr Schmerzempfinden. Unter Hypnose kann der Schmerz sogar ganz ausgeschaltet werden.

So wird der Schmerz ausgeschaltet

Der Körper selbst verfügt über ein schmerzhemmendes System. In bestimmten Situationen, etwa bei Unfällen, werden Schmerzen verspätet oder auch gar nicht bemerkt. Dafür sorgen bestimmte Botenstoffe, die die Schmerzreaktion eine Zeit lang unterbinden, indem sie die Weiterleitung der Signale blockieren. Diese körpereigene „Betäubung" funktioniert als Abwehrsystem in akut bedrohlichen Situationen. Bei einem medizinischen Eingriff kommen dagegen verschiedene Methoden der Anästhesie zum Einsatz. Bei größeren Operationen sorgt die Vollnarkose dafür, dass einige der höheren Hirnfunktionen wie Bewusstsein und Schmerzempfinden außer Kraft gesetzt werden. Die lokale Betäubung unterbricht durch bestimmte eingespritzte Substanzen die Schmerzleitung von den Nerven zum Rückenmark, der Schmerz kommt also im Gehirn nicht an und kann damit nicht bewusst wahrgenommen werden.

Die richtige Zeit finden

Menschen fühlen und empfinden nicht immer gleich, denn der Körper unterliegt bestimmten zeitlichen Veränderungen. Nicht umsonst spricht man von der „inneren Uhr", die bei jedem anders tickt. Diese individuellen biologischen Rhythmen untersucht die Chronobiologie. Sie macht Aussagen über die Abläufe im Körper eines Menschen möglich – etwa, wann er besonders abwehrkräftig oder schmerzempfindlich ist. Auf der Basis dieser Erkenntnisse können auch Zahnärzte eine Behandlung vorausschauend planen und für ihre Patienten einen günstigen Zeitpunkt finden. Quelle: proDente

Aktualisiert: 23.04.2012

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