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Wenn Angst krank macht...

Jeder Mensch kennt Sorgen und Ängste. Das gehört zum normalen Leben und ist eigentlich nichts Krankhaftes. Doch diese innere Qual kann überhand nehmen und so heftig werden, dass sie Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt. Angst wird dann zur eigenständigen Krankheit. Das ist inzwischen medizinisch gesichert.

In der heutigen, immer komplexer werdenden Zeit leiden viele Menschen, auch Kinder, unter einer derart übersteigerten Angst, oftmals sogar unbewusst. In Studien und Befragungen liegen diejenigen Patienten, die ihren Hausarzt wegen einer Angststörung aufsuchen, mit am weitesten vorne.

Spürbare Angst?

Nicht jedes Gefühl der Verunsicherung bedarf medizinischer Hilfe aus der Apotheke oder durch sachkundige psychologische Beratung. Noch einmal sei betont: Die normale Angst ist eine reguläre Lebensfunktion. Sie schützt uns vor erkannten Gefahren, zwingt zur Vorsicht und vermindert so Risiken.

Auch Sorgen, sei es um den Arbeitsplatz, die wirtschaftliche Entwicklung, die Zukunft der Kinder, um Angehörige und vieles mehr, sind trotz aller Belastung nichts Krankhaftes, was in jedem Falle einer ärztlichen Behandlung oder medikamentösen Dämpfung bedürfte.

Neben diesen völlig normalen Stimmungen gibt es aber auch Angstzustände, die weit über das verständliche und normale Maß hinausgehen. Die Angst hat sich dann verselbständigt und wurde zum eigenen Krankheitsbild. Das ist keineswegs ein seltenes Phänomen.

Experten schätzen, dass etwa jeder sechste Bundesbürger mindestens einmal in seinem Leben Zustände derartiger krankhafter, behandlungsbedürftige Ängste erlebte. Und die Zahl scheint zuzunehmen, auch wegen der aktuellen terroristischen Ereignisse.

Organische Beschwerden bei Angstzuständen

Oft ist auch dem Betroffenen selbst nicht klar, dass die Ursache für die vielgestaltigen Beschwerden eigentlich eine Angstkrankheit ist. Man vermutet ganz andere, organische Funktionsstörungen. Häufige Symptome einer Angstkrankheit sind:

  • Herzrasen
  • unerklärbare Schweißausbrüche
  • starkes Schwindelgefühl
  • Schwächezustände
  • Unlust
  • Händezittern
  • Atemnot
  • "Kloßgefühl" im Hals
  • Neigung zum Grübeln
  • Schlafstörungen
  • Alpträume
  • Verlust der Lebensfreude

Das Herz kann völlig gesund sein, eine Nervenkrankheit o.ä. Organbefunde liegen in diesen Fällen so genannter primärer Angststörungen nicht vor. Trotzdem sind das keine "eingebildeten" Störungen.

Erhebliche Beeinträchtigungen durch "weiche" Knie oder Beine, durch Schwindelgefühl und Benommenheit, durch das Gefühl, oft wacklig oder zittrig zu sein, und ein auffallendes Schwächegefühl mit großer Furchtsamkeit müssen auch an eine Angsterkrankung denken lassen. Diese Anzeichen sind natürlich noch keine Beweise für eine behandlungsbedürftige Angstkrankheit.

Unterschiedliche Formen der Angst

Angsterkrankungen können in unterschiedlichen Formen auftreten. Es können kurzzeitige Angstanfälle (Panikattacken) sein, die nur einige Minuten dauern und häufig wiederkommen. Es kann aber auch eine allgemeine, stets vorhandene Angst sein (generalisiertes Angstsyndrom).

Traumatische Ereignisse können vor allem die generalisierte Angst sowie die so genannte Platzangst mit Furcht in Hochhäusern, bei Menschenansammlungen o.ä. begünstigen.

Was kann man gegen krankhafte Angst tun?

Falsch wäre es, mit Vorwürfen und einem "Reiß' dich doch zusammen!" derartige krankhafte Angstzustände überwinden zu wollen. Es ist eine Krankheit, keine Laune oder Rücksichtslosigkeit der Betroffenen. Krankheiten müssen behandelt werden.

Wenn die geschilderten Symptome oder andere Beschwerden unklarer Ursache auftreten und die Angst gleichsam das ganze Lebensgefühl verdunkelt, man sich ihr hilflos ausgeliefert fühlt, dann sollten Betroffene zunächst Gespräche mit Vertrauenspersonen suchen. Das können Angehörige und Freunde, das kann aber auch gleich der Arzt sein.

Schwere Angstzustände bedürfen sowieso professioneller Hilfe durch Ärzte oder Psychologen. Mit psychotherapeutischen Maßnahmen, aber auch mit wirksamen Arzneimitteln können diese Ängste und die meist damit verbundenen Stimmungstiefs (Depressionen) behandelt werden.

Eine Selbstbehandlung durch Flucht in den Alkohol oder andere stimmungsaufhellende Drogen wäre falsch, das könnte die Ängste sogar noch verstärken.

Aktualisiert: 09.07.2018

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