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Depression – Formen und Therapie

Eine Depression kann unterschiedlichste Auslöser haben und in verschiedensten Formen auftreten. Was gegen eine Depression hilft ist somit auch abhängig von der Art der Depression. Welche Formen von Depressionen es gibt und welche Möglichkeiten zur Behandlung einer Depression zur Verfügung stehen, erfahren Sie im Folgenden.

Wie werden Depressionen klassifiziert?

Früher wurden die Depressionen in der Medizin in endogene, psychogene und organische Depressionen eingeteilt – inzwischen werden die Depressionen eher nach Symptomen, Schweregrad, Krankheitsdauer und Rückfallrisiko bewertet, doch die alte Klassifikation findet sich immer noch in vielen Büchern.

Neben depressiven Episoden und wiederkehrenden depressiven Störungen können auch sogenannte sekundäre Depressionen auftreten, das sind Depressionen, die im Rahmen einer anderen psychischen Grunderkrankung (Angststörung, Bulimie, Sucht) auftreten. Davon werden die depressiven Störungen abgegrenzt, die mit somatischen Erkrankungen einhergehen, also mit Krankheiten des Körpers.

Formen von Depressionen

Einerseits kann man davon ausgehen, dass ca. 25 Prozent aller chronisch Kranken depressive Symptome entwickeln – was jeder gut nachvollziehen kann, denn durch eine chronische Erkrankung wird der Alltag doch stark beeinträchtigt. Andererseits gibt es eine Reihe von Erkrankungen, bei denen die Depression eines der Symptome darstellt: Alzheimer, Parkinson, multiple Sklerose, aber auch Herzinsuffizienz, viele Autoimmunerkrankungen, Porphyrie und Diabetes mellitus.

Es gibt außerdem noch eine ganze Reihe von Depressions-Sonderformen: Bei der atypischen Depression essen und schlafen die Betroffenen viel und die saisonale Depression tritt meist nicht in Frühjahr und Herbst, sondern vor allem im Winter auf. 

Daneben werden viele langjährig gebrauchte Begriffe wie Jammerdepression oder Altersdepression (ab dem 60. Lebensjahr) immer noch für einzelne Untertypen der neuen Klassifikation verwendet. Der Begriff Jammerdepression wurde dabei früher für Menschen verwendet, die von einer inneren Unruhe und Ängstlichkeit getrieben sind – oftmals klagen sie dabei über Herzrasen und Luftnot. Heute spricht man von einer agitierten Depression.

Was kann man gegen eine Depression tun?

Wichtig ist bei einer Depression eine rasche Behandlung durch einen Fachmann. Eine erste Anlaufstelle kann der Hausarzt sein, der bei der Suche nach einem fachkundigen Arzt oder Therapeuten unterstützen kann. Auch die Telefonseelsorge oder Krisendienste können eine anfängliche Hilfestellung bieten.

Dabei kann die Therapie darin bestehen, dass intensive Gespräche über die Ursachen der Depression geführt werden und keine medikamentöse Behandlung nötig ist – das kommt allerdings eher bei einer leichten depressiven Episode vor.

Meist wird eine Kombination aus medikamentöser Behandlung und Psychotherapie angewandt, denn viele Studien zeigen, dass die Kombination schneller und nachhaltiger zum Erfolg führt als die Einzeltherapie.

Medikamente zur Behandlung einer Depression

Es gibt sehr viele verschiedene Medikamente gegen Depressionen. Diese Medikamente werden Antidepressiva genannt und müssen je nach Schweregrad der Depression, Ausprägung der Symptome, Lebensalter und weitere Erkrankungen sorgfältig ausgesucht und miteinander kombiniert werden. Beispiele für Antidepressiva sind die Wirkstoffe Mirtazapin und Citalopram.

Psychotherapie und Psychoedukation

Bei der Therapie einer Depression spielen Psychotherapie und die sogenannte Psychoedukation eine wichtige Rolle:

Im Bereich Psychotherapie gibt es verschiedenste Formen wie Verhaltenstherapie, interpersonelle Psychotherapie oder kognitive Psychotherapie.

Eine immer größere Rolle spielt die Psychoedukation: Damit ist die gezielte Aufklärung des Patienten über seine Erkrankung gemeint. So wird das Selbsthilfepotenzial des Patienten und seiner Angehörigen gefördert. Meist werden Gruppenprogramme von Kliniken oder psychiatrischen Praxen angeboten.

Weitere Formen der Therapie bei Depressionen

Weitere Therapieoptionen, die nur in speziellen Fällen eingesetzt werde, sind

Die Magnetstimulation ist eine neue Behandlungsmethode, die weniger belastet und möglicherweise bald die Elektrokrampftherapie ablösen kann.

Was kann man selbst außerdem tun?

Der wichtigste Schritt, um eine Depression zu überwinden, ist es, sich professionelle Hilfe zu suchen. Auch wenn es schwerfällt: Versuchen Sie, die Dinge wieder positiver zu sehen und hören Sie auf die Empfehlungen Ihres Therapeuten.

Folgende Tipps können Ihnen möglicherweise helfen, die Depression zu bewältigen:

  1. Versuchen Sie, Ihre Krankheit zu akzeptieren.
  2. Probieren Sie, sich die positiven Aspekte des Lebens und Ihre eigenen Stärken immer wieder bewusst zu machen.
  3. Tun Sie sich selbst etwas Gutes.
  4. Lassen Sie sich von Familie und Freunden zu Aktivitäten bewegen, die Ihnen früher Spaß gemacht haben.
  5. In Absprache mit dem behandelnden Arzt können Sport und körperliche Aktivität als Teil der Therapie in Erwägung gezogen werden – dies kann helfen, Ihr Selbstwertgefühl zu steigern.
  6. Setzen Sie zum Ziel, wichtige Entscheidungen selbst zu treffen, aber tun Sie das erst, wenn Sie sich wieder dazu in der Lage fühlen.

Beim Wiederkehren einer Depression schnell reagieren

Wenn Sie schon einmal eine Depression hatten, wissen Sie bereits, welche Therapie Ihnen geholfen hat. Falls Sie sich erneut unwohl fühlen, zögern Sie nicht, rasch Ihren Arzt aufzusuchen. Ein offener Umgang mit der Erkrankung im Freundes- und Familienkreis kann Ihnen helfen, schnell Unterstützung zu bekommen, falls Sie wieder in ein tiefes Loch fallen.

Was können Angehörige tun?

Auch Freunde und Angehörige können Betroffene bei einer Depression unterstützen: indem sie da sind, zuhören, sich Zeit nehmen und der Betroffenen Person Zeit lassen. Außerdem können sie ermutigen, professionelle Hilfe aufzusuchen.

Berücksichtigen Sie als Angehörige folgende Ratschläge:

  1. Schenken Sie emotionale Zuwendung und Akzeptanz, auch wenn die Sichtweisen des Betroffenen von Ihren eigenen abweichen.
  2. Bestärken Sie den Betroffenen in seinen positiven Verhaltensweisen und Erfolgen – so verstärken Sie sein Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten.
  3. Vermeiden Sie gut gemeinte, aber nicht zweckdienliche Äußerungen wie "Das geht schon vorbei" oder "Du musst dich nur zusammenreißen".
  4. Helfen Sie dem Betroffenen, realistische Ziele zu setzen, die ihn weder über- noch unterfordern.
  5. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Betroffene Erschöpfung, Kraft- und Mutlosigkeit zeigen und sich Ihren Bemühungen widersetzen – dies ist Teil der Krankheit.
  6. Bringen Sie Geduld auf und sorgen Sie für Aufheiterung oder Ablenkung – ohne den Betroffenen zu überfordern oder mit Reizen zu überfluten.

Auch für Angehörige und Freunde kann es schwer sein, jemandem mit einer Depression zur Seite zu stehen – deshalb stehen auch Personen im näheren Umfeld verschiedene Hilfsangebote zur Verfügung.

Aktualisiert: 09.04.2019 – Autor: Nathalie Blanck; überarbeitet: Silke Hamann

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