Depressionen bei Männern

Depressiver Mann © istockphoto, Robert Ingelhart

Erst die nervenaufreibende Sitzung im Büro, dann ein versehentlicher Rempler auf der Straße und jetzt noch der lähmend zähflüssige Feierabendverkehr … auf einmal ist es so weit: Mann ballt die Fäuste, tritt wütend aufs Gaspedal oder brüllt scheinbar grundlos herum. Wenn friedliebende Männer plötzlich "ausrasten", stecken oft nicht nur angestaute Aggressionen dahinter. Möglicherweise ist auch eine verborgene Depression die Ursache.

Frauenkrankheit Depression?

Laut Statistik sind Depressionen ein vorrangig weibliches Phänomen: Rund zwei bis drei Mal so viele Frauen wie Männer erkranken daran. Die Zahlen sagen in diesem Fall jedoch nur die halbe Wahrheit. "Frauen gehen grundsätzlich rund doppelt so häufig zum Arzt wie Männer", erklärt Diplom-Psychologe Frank Meiners von der DAK. "Entsprechend tauchen sie auch häufiger in der Statistik auf."

Die Anzahl der Suizide besagt etwas anderes: Laut Statistischem Bundesamt liegt sie bei Männern rund drei Mal so hoch wie bei Frauen. Zwar geht nicht jeder Freitod auf eine psychische Erkrankung zurück, aber: "Die große Zahl der männlichen Suizide lässt darauf schließen, dass Depressionen im Vorfeld vielfach nicht erkannt werden", sagt Meiners. Laut DAK-Gesundheitsreport sind psychische Erkrankungen insgesamt auf dem Vormarsch: Bei Männern zum Beispiel stieg die Anzahl der Fehltage aufgrund seelischer Leiden seit 2000 um 12,5 Prozent. Wegen depressiver Störungen gab es bei ihnen sogar 26,2 Prozent mehr Fehltage.

Männer ticken anders (aus)

Schuld daran, dass männliche Depressionen oft unentdeckt bleiben, sind die vermeintlich untypischen Symptome. Wutausbrüche, Kamikaze-Manöver mit dem Auto oder gewalttätige Übergriffe entsprechen nicht den klassischen Anzeichen einer Depression und fallen daher durchs Erkennungs-Raster. Wie in anderen Fällen auch, ticken Männer hier anders als Frauen. Anstatt sich niedergeschlagen und verzweifelt von der Welt zurückzuziehen, schlägt ihre Ohnmacht in Wut um. "Männer tendieren zu aggressivem Verhalten, weil das dem typisch männlichen Selbstbild eher entspricht als der leise Rückzug", erläutert der Experte. "Das erschwert die Diagnose."

Wenn der Körper für die Seele leidet

Nicht alle depressiven Männer reagieren jedoch mit Gewalt. Da es ihnen häufig schwer fällt, über psychische Probleme zu sprechen, übertragen viele ihre Beschwerden auf den Körper. "Anstatt über die Wunden auf ihrer Seele zu klagen, sprechen Männer über greifbare, physische Probleme: Rückenschmerzen, Magen- oder Herzbeschwerden sind häufig körperlicher Ausdruck einer psychischen Erkrankung", berichtet Meiners. Viele depressive Männer leiden auch unter sexuellen Problemen oder haben weniger Lust auf Sex. Dies macht ihnen oft besonders schwer zu schaffen, da sie um ihre Männlichkeit fürchten.

Aktualisiert: 07.11.2016 - Autor: DAK

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