Therapie und Hilfe bei Internetsucht

Internetsüchtige Frau surft im Internet © Karolina Grabowska / Kaboompics

Erreichbarkeit rund um die Uhr, rund um den Globus. Das Internet ist aus unserer Gesellschaft und unserem Alltag, sowie geschäftlich als auch privat, nicht mehr wegzudenken. Via E-Mail, Messenger oder auch über Chatrooms ist die Möglichkeit der Kommunikation nahezu grenzenlos, virtuelle Kaufhäuser, juristische Informationsportale oder online-learning sind nur wenige Beispiele für die Vielfalt der Nutzung im Internet. Wie fließend ist die Grenze zwischen normaler Internetnutzung und Internetsucht? Erstmals tauchte der Begriff der Internetsucht bereits 1995 auf und wurde vom Psychiater Ivan Goldberg geprägt. Seitdem sind eine Vielzahl von Innovationen rund um das Internet zu verzeichnen, im Gegensatz zu den 90er Jahren gibt es in der westlich geprägten Gesellschaft kaum noch ein Zuhause ohne einen Internetanschluss, das gleiche gilt für Unternehmen. Doch mit dem Zuwachs an virtuellen Angeboten kann zeitgleich die Gefahr einer möglichen Internetsucht wachsen.

Internetsucht oder pathologischer Internetgebrauch

Derzeit gibt es noch keinen verbindlichen Begriff, der die Symptome und Auswirken einer möglichen Internetsucht vereint. Statt Internetsucht ist auch häufig die Sprache von pathologischem Internetgebrauch oder einer Störung der eigenen Impulskontrolle. Denn bei einer Internetsucht handelt es sich nicht um eine Abhängigkeit eines Stoffes, wie etwa Alkohol oder Nikotin, es ist vielmehr ein Zwang nach einem bestimmten Verhalten, in diesem Fall ein dringendes Verlangen das Internet häufig zu benutzen. Die Nutzung im Internet kann dabei völlig unterschiedlich sein. Ob Spiele, Chatrooms, häufiges Überprüfen der E-Mails oder weitere Aktivitäten im Netz, die Möglichkeiten sind enorm. Chatrooms werden gerne von Menschen genutzt, die in der Realität schüchtern sind. Hier können sie schnell und unkompliziert mit anderen in Kontakt kommen, sogar in andere Persönlichkeiten eintauchen. Spiele im Internet werden bei einer möglichen Internetsucht vorwiegend Jugendlichen zugeordnet.

Symptome und Folgen von Internetsucht

Auch wenn das Krankheitsbild bislang noch nicht ausschöpfend erforscht ist, sind charakteristische Symptome sowie mögliche Auswirkung einer übermäßigen Nutzung des Internets in folgenden Bereichen zu erkennen:

  • Kontrollverlust
  • Starker Realitätsverlust
  • Beeinträchtigung im sozialen Umfeld bis zur sozialen Isolation
  • Körperliche Stress Symptome
  • Psychische Auswirkungen


Der Verlust von Kontrolle spielt eine zentrale Rolle in der Internetsucht. Keine Kontrolle mehr über die Zeit, aber auch der Kontrollverlust über sich selbst können ausschlaggebende Faktoren für ein Abhängigkeitsverhalten im Zusammenhang mit dem Medium Internet sein. Häufig beginnt eine Internetsucht darin, dass Tag für Tag mehr Zeit mit dem Internet verbracht wird.

Zunächst fällt dies nicht weiter auf, da der Prozess schleichend ist. Jedoch hat der Betroffene plötzlich immer weniger Zeit, sich um andere Aktivitäten wie etwa Hausarbeit, Hobbys zu kümmern. Auch der Arbeitsplatz und der Freundeskreis können bei einer Steigerung der Internetsucht in Mitleidenschaft gezogen werden. Im schlimmsten Fall kann Internetsucht sogar zum Verlust der Arbeitsstelle wegen Missbrauch von Internet am Arbeitsplatz oder zur völligen Isolation führen. Häufig empfinden Betroffene Scham, wenn sie merken, dass sie durch das Internet Kontrolle verlieren. Problematischer Weise jedoch können Scham und Schuldgefühle dazu führen, die tatsächliche Nutzungsdauer im Internet zu bagatellisieren oder andere sogar zu belügen, um einer Therapie zu entgehen. Diese Handlungen können dann auch psychische Folgen mit sich ziehen. Betroffene reagieren gereizt oder sogar aggressiv, wenn sie auf ein mögliches Problem mit dem Internet von nahestehenden Personen angesprochen werden. Eine Therapie kann hilfreich sein.

Hilfe und Therapie bei Internetsucht

Neben der charakteristischen Wandlung durch Internetsucht kann diese - ohne Therapie - auch Folgen für die Gesundheit mit sich ziehen. Schlafstörungen durch Überreizung der Sinne, nervöse Magenbeschwerden, Kopfweh und Augenschmerzen können möglicherweise durch eine übermäßige Nutzung im Internet ausgelöst werden. Um zu einem realistischen Umgang mit dem Internet zurückzufinden, bedarf es einer Therapie und Hilfe von Außenstehenden. Beratungsstellen können hier Betroffenen und Angehörigen weiterhelfen und Adressen für eine mögliche Therapie vermitteln.

Aktualisiert: 14.11.2014 – Autor: Sabrina Haas

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