Folgen und Therapie von Sportsucht

Gestörtes Körperbild

Für manche Menschen kann das Training in einen ständigen Kampf um den idealen Körper ausarten. Dazu gehören Bodybuilder und Personen mit Essstörungen. Experten sprechen sogar von Sport-Bulimie (Bulimia athletica) und Sport-Magersucht (Anorexia athletica). Betroffene erbrechen oder hungern nicht, sondern trainieren sich die lästigen Kalorien einfach ab. Gugutzer weiß: "Gerade junge Frauen übertragen ihre hohen Ansprüche an sich selbst auf das Training und wollen über ihre Leistung Anerkennung erzielen."

Während bei Frauen oft der Wunsch nach dem Idealgewicht und der Traumfigur die treibende Kraft ist, geht es Männern vor allem um die Muskelbepackung. Beiden gemeinsam ist, dass ihre Körperwahrnehmung gestört ist. Magersüchtige Frauen finden sich selbst bei gesundheitsgefährdendem Untergewicht noch zu dick. Männer kommen sich trotz dickem Bizeps schmächtig und untrainiert vor. Unter Bodybuildern ist dieses Phänomen als "Muskeldysmorphie" bekannt. Ohne das Training, so befürchten sie, baue der Körper sofort Muskeln ab.

Folgen von Sportsucht

Das exzessive Sporttreiben kann schwere Folgen für den Körper haben. Wer Ermüdungserscheinungen des Körpers ignoriert, nimmt frühzeitigen Verschleiß von Knochen, Bändern und Sehnen in Kauf. Frauen, die zusätzlich an Magersucht oder Bulimie leiden, verlieren lebenswichtiges Körperfett. Mögliche Folgen sind Hormonstörungen mit Ausbleiben der Regelblutung oder Osteoporose mit einer Abnahme der Knochendichte.

Ab einem gewissen Kalorienverbrauch ohne ausreichende Nahrungszufuhr setzt dann nicht mehr der gewünschte Effekt ein, sondern das Gegenteil: Der Körper baut keine Muskeln auf, sondern ab - damit sinkt die körperliche Leistungsfähigkeit empfindlich. Auch die sozialen Kontakte, die Konzentration am Arbeitsplatz und die Karriere leiden.

Wer neben der Arbeit noch ein mehrstündiges Fitnessprogramm durchzieht, vereinsamt nach und nach. Während die Muskeln stärker werden, erlahmt der Kontakt zu Freunden und Verwandten. Sogar die Liebesbeziehungen können zerbrechen, wenn der Partner das Verständnis für den Dauersport verliert, weil er sich zu wenig beachtet fühlt. Mancher läuft im Wortsinn vor einer Beziehung davon.

Sportsucht: Behandlung durch Psychotherapeuten

Die Gefahr ist bei Sportsüchtigen groß, dass sie das Suchtverhalten nicht als solches wahrnehmen, sondern nur als ein leidenschaftlich betriebenes Hobby abtun. Wer erste Zeichen einer Sportsucht bei sich feststellt, wird meist erkennen, dass er das Sportvolumen nicht aus eigener Kraft reduzieren kann. "Dann sollte er sich an einen Psychotherapeuten wenden", rät Gugutzer.

Die Ursachen und die Ausprägung der Fitnesssucht seien individuell sehr verschieden, "man muss jedes Mal neu entscheiden, welche Therapie sich für den Betroffenen eignet". Im Vordergrund stehen kognitive Therapieansätze. Durch Gespräche versuchen Therapeut und Betroffener, die Ursachen des Suchtverhaltens zu entschlüsseln und letztlich die Abhängigkeit zu lösen.

Die Patienten können eine psychologische Beratungsstelle aufsuchen oder einen praktizierenden Sportpsychologen konsultieren. Bestehen bereits schwerwiegende körperliche Folgeerscheinungen, wird mitunter ein stationärer Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik notwendig.

Aktualisiert: 26.10.2017

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