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Rheumatoide Arthritis: Behandlung und Vorsorge

Medikamentöse Behandlung

Die rheumatoide Arthritis kann bis heute nicht geheilt werden. Die Behandlung zielt in erster Linie darauf, den Schmerz zu lindern, die Entzündung zu hemmen (was gleichzeitig das Fortschreiten bremst) sowie die Funktion von Gelenken und Muskulatur zu erhalten. Welche Maßnahmen im Einzelfall angezeigt sind, hängt von der Aktivität der Erkrankung ab. Bei milden Formen reicht die Gabe von sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (nicht kortisonhaltige Antirheumatika), kurz NSAR aus. Diese Arzneimittel lindern Schmerz, Schwellung und Entzündung. Sie halten aber die Zerstörung des Gelenkknorpels nicht gänzlich auf und haben keinen Einfluss auf das Fortschreiten der Erkrankung.

Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie

Aufgrund der Gefahr von ernsten Nebenwirkungen (zum Beispiel lebensbedrohlichen Magengeschwüren) sollten diese Medikamente nur unter ärztlicher Aufsicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Neuere Präparate dieser Gruppe scheinen - bei gleicher Wirksamkeit - nicht zu unerwünschten Wirkungen am Magen zu führen.

Bei schweren Formen beziehungsweise hoher Krankheitsaktivität und drohender Gelenkzerstörung sind Basistherapeutika notwendig, das heißt Medikamente, die nachweislich den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Bewährt haben sich hier Gold, Chloroquin, D-Penicillamin, Sulfalazin und Methotrexat. Die Wirkung dieser Mittel tritt langsam ein (frühestens nach 6 bis 12 Wochen), die Rate an Nebenwirkungen ist relativ hoch (ca. 40%).

Ein zuverlässiges Mittel ist auch Cortison, ein körpereigenes Hormon, das stark entzündungshemmend wirkt. Kortison wird im "Schub" über kurze Zeit hoch dosiert verabfolgt und die Dosis dann schrittweise reduziert. Ist eine längerfristige Gabe erforderlich, wird so niedrig wie möglich dosiert. Auf diese Weise erreicht man eine hohe Wirkung und geht gefährlichen Nebenwirkungen aus dem Weg (siehe auch Häufige Fragen).

Biologische Immunmodulatoren

Eine neue Gruppe von Arzneimitteln, in die viel Hoffnung gesetzt wird, sind die "biologischen Immunmodulatoren" (Stoffe, die die Immunantwort steuern). Zu dieser Gruppe gehören die Interleukine bzw. deren Hemmstoffe, Immunglobuline sowie der Tumornekrosefaktor-alpha. Sie sollen die Zerstörung des Gelenkknorpels durch Hemmung der "falschen" Entzündungsreaktion des Körpers aufhalten. Auch diese Arzneimittel können die rheumatoide Polyarthritis nicht heilen, stellen aber einen weiteren "Therapiebaustein" dar.

Krankengymnastik gegen rheumatoide Arthritis

Regelmäßige Krankengymnastik und physikalische Behandlungen sind mindestens genauso wichtig wie Medikamente. Dadurch werden Einschränkungen der Gelenkfunktion gemildert und die Muskulatur gestärkt. Bewährte Maßnahmen sind Kälteanwendungen oder-, Wärmepackungen (je nach Empfinden des Patienten), Bäder, Elektrotherapie, Lichtbehandlungen und Massage. Bei einer sogenannten Ergotherapie lernt der Betroffene mit Funktionseinschränkungen im Alltag zurecht zu kommen.

Operationen

Es gibt zahlreiche, speziell für die rheumatoide Arthritis entwickelte Operationsverfahren. Sie sind angezeigt, wenn Medikamente ein schnelles Fortschreiten der Gelenkzerstörung nicht aufhalten können oder eine behindernde Funktionsstörung besteht. Ist das Gelenk bereits zerstört, kann zum Beispiel ein künstliches Gelenk oder eine Gelenkversteifung notwendig sein.

Vorsorge

Es gibt keine Möglichkeit, der Erkrankung an einer chronischen Polyarthritis vorzubeugen - und leider auch keine andere Möglichkeit als medikamentös ihr Fortschreiten zu verhindern. Eine frühzeitige und sorgfältig durchgeführte Physiotherapie verbunden mit einer probaten individuellen Arzneimitteleinstellung ist der beste Weg, den die heutige Medizin kennt.

Ernährung bei rheumatoider Arthritis

Eine richtige Ernährung kann als unterstützende Maßnahme zum Therapieerfolg beitragen. Sinnvoll ist der Verzicht auf Nahrungsmittel, die Arachidonsäure enthalten. Hierzu gehören zum Beispiel Eier, Schweineschmalz, Leberwurst und Schweineleber. Die Zufuhr ungesättigter Fettsäuren (viel Fisch), eine ausreichende Versorgung mit den Vitaminen C und E sowie dem sogenannten Spurenelement Selen (viel Gemüse und hochwertige Pflanzenöle) und auch von Calcium (Milch und Milchprodukte) und Vitamin D sind zu empfehlen.

Wichtiger Hinweis

Rheumatische Erkrankungen, insbesondere die rheumatoide Arthritis, können zu den Volkskrankheiten gezählt werden. Sie sind nicht nur häufig, sondern treten in sehr unterschiedlichen leichten oder schweren Verlaufsformen und in allen Altersgruppen auf. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen können sie zu erheblichen Beeinträchtigungen der Berufsfähigkeit, nicht selten sogar zu einer Erwerbsunfähigkeit führen.

Achtung: Fragen Sie bei starken Beschwerden, auffälligen körperlichen Veränderungen oder vor der Einnahme von Medikamenten unbedingt Ihren Arzt oder Apotheker. Speziell Schwangere und chronisch Kranke müssen bei der Anwendung bestimmter Arzneimittel aufpassen!

Aktualisiert: 10.02.2017 – Autor: Udo Schmidt

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