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Fibromyalgie: Spezielle Ernährung nicht notwendig

Frau mit Fibromyalgie © istockphoto, JackF

Patienten mit Fibromyalgie leiden häufig stark unter ihrer Erkrankung. Da es zwar verschiedene Behandlungsansätze, jedoch kein einheitliches Therapiekonzept gibt, wünschen sich viele Patienten, selbst etwas tun zu können. Oft ist dann das Internet die erste Anlaufstelle. Hier finden sich zahlreiche Tipps und Ratschläge, die sich nicht selten mit dem Thema Ernährung beschäftigen. Von Rezepten über "verbotene" Lebensmittel bis hin zur "Heilung durch Diät" – viele Ratgeber versprechen Linderung durch eine Ernährungsumstellung. Allerdings existieren keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über die Wirkung der Ernährung bei Fibromyalgie. Betroffen sollten daher derartige Empfehlungen kritisch lesen und im Zweifel ihren Arzt um Rat fragen.

Multimodale Therapie bei Fibromyalgie

Das Fibromyalgie-Syndrom ist eine chronische Erkrankung, bei der neben Schmerzen in verschiedenen Körperregionen zahlreiche weitere Symptome wie Schlafstörungen, Depressionen oder Beschwerden im Magen-Darm-Trakt auftreten können. Die Ursachen von Fibromyalgie sind weitestgehend unbekannt und eine vollständige Heilung ist nicht möglich. 

Bei der Behandlung wird häufig auf die sogenannte "multimodale Therapie" gesetzt, die körperliches Training in Kombination mit Entspannungstherapie und psychotherapeutischen Verfahren beinhaltet. Medikamente wie Schmerzmittel oder Antidepressiva können dabei unter Umständen vorübergehend eingesetzt werden. 

Kein Nachweis für Einfluss der Ernährung

Während die Wirksamkeit der körperlichen Trainings- und Bewegungstherapie wissenschaftlich eindeutig belegt werden konnte, fehlen für einen Einfluss der Ernährung beim Behandeln von Fibromyalgie bislang verlässlichen Daten aus Studien. 

Zwar wurden einige kleine Studien durchgeführt, die den Effekt verschiedener Ernährungsformen auf die Beschwerden bei Patienten mit Fibromyalgie untersucht haben. Die Ergebnisse erbrachten jedoch keinen sicheren Beleg für eine Wirkung, sodass in der Leitlinie zur Behandlung von Fibromyalgie keine Empfehlung zu einer speziellen Ernährungsweise gegeben wird.

Nahrungsergänzungsmittel nicht empfehlenswert

Oftmals wird Fibromyalgie-Patienten zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitaminen, L-Carnitin oder Magnesium geraten. Hierbei sind sich Experten jedoch einig, dass kein positiver Effekt auf die Beschwerden bei Fibromyalgie zu erwarten ist. 

Zudem können bestimmte Präparate zur Nahrungsergänzung Nebenwirkungen haben oder versehentlich überdosiert werden. Sie sollten daher Nahrungsergänzungsmittel nicht eigenständig, sondern nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt einnehmen – beispielsweise, wenn bei Ihnen ein Vitaminmangel durch einen Bluttest nachgewiesen wurde. 

Fibromyalgie: Vegetarische Ernährung kann helfen

Häufig lesen Betroffene außerdem die Empfehlung, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren. Tatsächlich wurden zwei Studien durchgeführt, in denen bei Patienten mit einer vegetarischen Ernährung eine Schmerzlinderung beobachtet wurde: In einer Studie wurde der Effekt von vegetarischer Kost mit dem Wirkstoff Amitriptylin verglichen. Hierbei hatte jedoch Amitriptylin eine stärkere schmerzlindernde Wirkung als die Ernährung.

In einer anderen Studie ernährte sich ein Teil der Patienten von salzarmer vegetarischer Rohkost und wurde mit einer Kontrollgruppe von Patienten verglichen, die ihre Ernährung nicht umstellten. Dabei konnte ein positiver Effekt der Ernährungsumstellung auf die Beschwerden beobachtet werden.

Test auf Unverträglichkeiten möglicherweise sinnvoll

Ein weiterer häufiger Ratschlag für Fibromyalgie-Patienten ist, bestimmte Nahrungsmittel wie etwa Zucker zu meiden. Bezüglich solcher genereller Verbote existieren keine Studien, die eine Wirksamkeit bei Fibromyalgie untersucht haben. 

In einer amerikanischen Studie wurde jedoch bei einer Patientengruppe ein Test auf Nahrungsmittelunverträglichkeit durchgeführt und basierend auf dessen Ergebnissen ein Ernährungsprogramm mit Verzicht auf bestimmte Nahrungsbestandteile wie etwa Gluten erstellt. Im Gegensatz zu der Kontrollgruppe ohne Ernährungsumstellung gaben die Patienten der ersten Gruppe eine Reduktion der Schmerzen um die Hälfte an. 

Studienergebnisse kritisch zu betrachten

Um diese Ergebnisse richtig zu interpretieren, muss man allerdings den Aufbau der Studien genauer betrachten: In der amerikanischen Studie bestanden die beiden verglichenen Gruppen aus 40 beziehungsweise elf Patienten. In den beiden Studien zu vegetarischer Ernährung war die Anzahl der teilnehmenden Patienten ähnlich gering. 

Ein Faktor, der dazu beiträgt, dass die Ergebnisse einer Studie zu wissenschaftlichen Beweisen und somit zu allgemeingültigen Empfehlungen führen können, ist jedoch eine ausreichend große Anzahl an Probanden. Daher können die bisherigen Forschungsergebnisse allenfalls Hinweise auf einen möglichen Einfluss der untersuchten Ernährungsformen auf die Beschwerden bei Fibromyalgie geben.

Ausprobieren, was guttut

Dennoch berichten viele Patienten von positiven Erfahrungen mit einer Ernährungsumstellung. Betroffene können durchaus von einer Änderung ihres Essverhaltens oder vom Verzicht auf bestimmte Lebensmittel profitieren. Allerdings gibt es keinen allgemeingültigen Essensplan oder "richtiges" Essen und Trinken bei Fibromyalgie. Vielmehr muss jeder Patient selbst testen, was ihm kulinarisch guttut.  

Extreme Ernährungsformen wie salzarme, vegetarische Rohkost oder vegane Ernährung bergen allerdings das Risiko einer Unterversorgung mit Nährstoffen. Um ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun, sollten also Fibromyalgie-Patienten – wie alle anderen Menschen – auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten, die in Maßen auch Zucker und tierische Produkte beinhalten kann.

Aktualisiert: 10.07.2019 – Autor: Dr. med. Jana Wittkowski

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