Chronische Schmerzen - Körpereigene Schmerzmittel und Placebos

Körpereigene Schmerzmittel

Forscher wie Prof. Zieglgänsberger untersuchen, ob sich das Schmerzgedächtnis auch wieder löschen lässt. Der Körper soll das Vergessen lernen. Körpereigene Systeme sind ein Schlüssel dazu, etwa die "Endocannabinoide", das sind Marihuana-artige Stoffe, die das Gehirn produziert. Die Forschung beschäftigt sich intensiv damit, wie man diese Vorgänge fördern kann. Auch im Ausland arbeiten Forscher an neuen Methoden der Schmerztherapie.

Schmerzstiller im Speichel?

Vielleicht gelingt es demnächst, ein körpereigenes Schmerzmittel zu isolieren und nebenwirkungsfrei einzusetzen. Denn Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass der Mensch in seinem Speichel ein körpereigenes Schmerzmittel produziert. Es soll sogar wirksamer sein als Morphium.

Verantwortlich dafür ist ein kleines Protein namens Opiorphin, das Schmerzen sehr effektiv stillt, wie die Wissenschaftler im Magazin „Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften berichten. Das Opiorphin habe in Versuchen bei Ratten Schmerzen bei Entzündungen effektiv gelindert. Zudem konnten die behandelten Nager länger über Stahlnägel laufen als nicht behandelte Artgenossen.

Opiorphin ist eine Morphium-ähnliche Substanz - sie spielt eine Schlüsselrolle in der Schmerzwahrnehmung, reguliert aber auch emotionale Reaktionen. Opiorphin und verwandte Substanzen aktivierten im Körper einen schmerzstillenden Mechanismus, berichten die Wissenschaftler.

Wahrscheinlich hemmten die Stoffe den Abbau körpereigener Endorphine – das sind Hormone, die Schmerzempfinden senken und Glücksgefühle hervorrufen. Daher sei langfristig eine Anwendung Opiorphin in der Schmerztherapie sowie bei Stimmungsschwankungen vorstellbar

In einem nächsten Schritt wollen die Forscher herausfinden, welche Umstände im Körper die natürliche Produktion von Opiorphin hervorrufen.

Placebos wirken

Auch die Wirkung der Placebos – Scheinmedikamente – wird immer besser erforscht. Der Turiner Wissenschaftler Fabrizio Benedetti etwa fand heraus, wie wichtig es ist, dass Patienten nichts von den Placebos wissen und eine Besserung ihres Schmerzzustandes erwarten – theoretisch ist so jeder Mensch für Placebos empfänglich. Dr. Karin Meissner vom Institut für medizinische Psychologie an der Universität München hat gezeigt, dass gezielte Placebo-Effekte sogar auf Organe möglich sind.

In einem Versuch erhielten 18 gesunde Personen, in drei Gruppen eingeteilt, beispielsweise an verschiedenen Tagen je eine Tablette ohne jegliche Wirksubstanz. Alle Teilnehmer wurden in formiert, dass die Medikamente die Magenaktivität steigern, senken oder nicht beeinflussen. Die Forscher haben die Magenaktivität eine halbe Stunde vor und nach der Placebo-Gabe gemessen.

Gleichzeitig zeichneten sie die Herzfrequenz, die Atmung und den elektrischen Hautwiderstand der Untersuchten auf.

Das Resultat: die Probanden reagierten mit deutlich veränderten Magenbewegungen - die anderen Organe hingegen zeigten keine Veränderung. Karin Meissner führt weitere Studien durch, in denen mit Placebo-Medikamenten der Blutdruck gesenkt werden soll. Ähnliches konnte auch der Placeboforscher Benedetti erfolgreich bei Patienten zeigen, die eine wirkstofffreie Creme gegen Schmerzen an Hand und Füßen auftrugen.

Aktualisiert: 11.01.2017 – Autor: bo

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