Ständig Kopfschmerzen: Was tun?

Mann mit Kopfschmerzen
© iStockphoto, dolgachov

Mehr als die Hälfte aller Deutschen macht zumindest gelegentlich diese Erfahrung: der Kopf brummt, droht zu platzen, beeinträchtigt unser Wohlbefinden bis hin zum Unerträglichen. Häufig kommen die Beschwerden aus dem Nichts. Wer nur gelegentlich mit Kopfschmerzen zu tun hat, kann sich meist selbst helfen: mit einer Tasse Kaffee mit Zitrone, einem Entspannungsbad oder mit freiverkäuflichen Schmerztabletten aus der Apotheke. Menschen, die ständig mit Kopfschmerzen zu tun haben, brauchen ärztliche Hilfe. Der Erfolg einer Behandlung hängt von der Kenntnis ab, um welche Art von Kopfschmerz es sich handelt.

Die häufigsten Kopfschmerzarten

Experten kennen mehr als 160 verschiedene Kopfschmerzarten. Zu den häufigsten Formen zählen der Spannungskopfschmerz und die Migräne. Etwa 33 Millionen Deutsche leiden an Spannungskopfschmerzen, Migräne oder einer Kombination aus beiden.

  • Charakteristisch für Spannungskopfschmerzen sind dumpfe, drückende Schmerzen. Meist ist der gesamte Kopf betroffen. Bei Bewegung bessern sich die Beschwerden.
  • Im Gegensatz dazu sind die Beschwerden bei Migräne überwiegend halbseitig und von pochendem, pulsierendem Charakter. Jede Bewegung wird zur Qual. Häufig ziehen sich Betroffene in ein abgedunkeltes Zimmer zurück, suchen Ruhe und Entspannung.

Da es für eine erfolgreiche Behandlung wichtig ist, die Kopfschmerzform und ihre Auslöser möglichst genau zu kennen, sollten Patienten, die ständig an Kopfschmerzen leiden, ein Tagebuch führen. Darin werden Dauer, Intensität, Art der Kopfschmerzen sowie mögliche Auslöser notiert. Außerdem sollte eingetragen werden, welche Medikamente angewandt wurden und ob sie geholfen haben.

Die Ursachen sind vielfältig

Stundenlanges Sitzen in einer falschen Körperhaltung, psychosozialer Stress am Arbeitsplatz oder in der Familie, Arbeiten bei schlechtem Licht oder in schlechter Luft, Schlafmangel und Rauchen – das sind nur einige der möglichen Ursachen für ständige Spannungskopfschmerzen.

Durch Körperfehlhaltungen kann es beispielsweise zum Verkrampfen der Rückenmuskulatur kommen. Die Muskeln senden ständig kleine Schmerzimpulse an das Gehirn. Ein Schmerzfilter im Gehirn weist diese geringen Impulse als unbedeutend zurück. Doch durch die ständige Inanspruchnahme dieses Filters werden Botenstoffe wie das Serotonin aufgebraucht. Die Schmerzimpulse gelangen ungehindert zum Gehirn. Der Mensch empfindet Kopfschmerzen. Spannungskopfschmerzen kommen familiär gehäuft vor.

Darüber hinaus können Kopfschmerzen die Folge einer anderen Erkrankung sein. So treten die Beschwerden häufig nach Schädelverletzungen, bei einer Infektion, bei Gefäßstörungen, bei Kopf- und Gesichtsneuralgien, durch Substanzeinwirkungen (zum Beispiel Alkohol, Natriumglutamat) und bei Kopf- und Gesichtsschmerzen bei Erkrankungen auf.

Das muss der Arzt von Ihnen wissen

Menschen, die ständig mit Kopfschmerzen zu tun haben, sollten einen Arztbesuch nicht zu lange hinauszögern. Schmerzen können chronisch werden und haben dann schlechtere Therapiechancen. Um möglichst schnell einen Hinweis auf die Ursache der Kopfschmerzen zu bekommen, ist für den Arzt ein gut geführtes Kopfschmerztagebuch sehr hilfreich. Patienten, die kein Tagebuch führen, sollten Auskunft geben können über alle Erkrankungen, die bestehen, und über die regelmäßig eingenommenen Arzneimittel.

Für den Arzt ist wichtig, ob auch andere Familienmitglieder an Kopfschmerzen leiden, seit wann die Beschwerden bestehen, wie häufig sie auftreten, ob und wie sich die Schmerzen ankündigen, wann die Kopfschmerzen beginnen und ob Auslösefaktoren bekannt sind. Bei Frauen ist darüber hinaus von Bedeutung, ob es einen Zusammenhang mit der Menstruation gibt. Außerdem ist es wichtig, den genauen Ort der Schmerzen zu kennen und die Stärke beschreiben zu können.

Der Arzt hat zur Beurteilung der Schmerzstärke eine Skala zur Verfügung, die Betroffenen das Beschreiben der Intensität erleichtert. Weitere Fragen des Arztes beziehen sich auf Nebenwirkungen der Kopfschmerzen, wie beispielsweise Übelkeit, Erbrechen, Sprachstörungen, Geruchsempfindlichkeit oder Schwindel. Wenn Patienten bereits wissen, was ihnen am besten hilft, sollte der Arzt das auch wissen.

Das hilft bei Kopfschmerzen

Bei gelegentlich auftretenden, leichten bis mittelschweren Spannungskopfschmerzen empfiehlt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) eine Kombination der Wirkstoffe Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Koffein als Mittel der ersten Wahl. Durch die Kombination dieser Wirkstoffe in einer Tablette kommt es zu einer gegenseitigen Verstärkung der vorteilhaften Effekte.

Paracetamol verbessert beispielsweise die entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkung von ASS. Koffein verbessert den schmerzstillenden Effekt von ASS und Paracetamol. Kombinationspräparate wirken außerdem schneller und setzen an unterschiedlichen Wirkorten an. Darüber hinaus sind sie besser verträglich, weil die einzelnen Wirkstoffe in Kombinationspräparaten niedriger dosiert werden können.

Zur Behandlung einer leichten Migräneattacke sind nach den Empfehlungen der DMKG Acetylsalicylsäure und Paracetamol als Einzelsubstanzen oder in einer festen Kombination mit Koffein sowie Ibuprofen geeignet. Bei sehr starken Anfällen wird die Gruppe der verschreibungspflichtigen Triptane eingesetzt. Triptane wirken direkt an den Blutgefäßen des Gehirns, dort wo der Schmerz entsteht. Starke und chronische Kopfschmerzen gehören in die Hand von Schmerztherapeuten.

Schmerzmittel richtig anwenden

Da die zu häufige, unkontrollierte Einnahme von Schmerzmitteln selbst Kopfschmerzen auslösen kann, warnt die DMKG: Kopfschmerz- und Migränemittel sollten höchstens an zehn Tagen pro Monat und maximal drei Tage hintereinander eingenommen werden. Wer ständig unter Kopfschmerzen leidet, sollte versuchen den Schmerzmittelkonsum durch Vorbeugung zu verringern.

So kann man Kopfschmerzen vorbeugen

Intensität und Häufigkeit der Kopfschmerzen können durch regelmäßigen Ausdauersport positiv beeinflusst werden. Joggen, Schwimmen oder Radfahren sind besonders gut geeignet. Auch durch gezielte Entspannungsübungen lassen sich die Kopfschmerzen lindern. Bewährt haben sich die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Autogenes Training und Yoga.

Auch das kann helfen ...

Wer den Auslöser der Beschwerden kennt, kann versuchen, durch Meiden der auslösenden Faktoren eine Schmerzlinderung zu erzielen. Viele Menschen profitieren von einer Reizabschirmung im abgedunkelten, ruhigen Zimmer. Auch Ablenkung oder das Vorstellen einer angenehmen Situation können helfen.

Manche Patienten schwören auf Akupunktur, andere bevorzugen Massagen mit ätherischen Ölen, Akupressur, feuchtkalte Kompressen oder Wechselfußbäder. Für diese Methoden gilt: Ausprobieren!

Aktualisiert: 12.10.2020 - Autor: Forum Schmerz im Deutschen Grünen Kreuz e. V.; gesundheit.de

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