Migräne richtig behandeln

Frau nimmt Tabletten gegen Migräne © istockphoto, spukkato

Etwa zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden an Migräne. Die Symptome der Krankheit sind für die Betroffenen eine enorme Belastung. Während eines Migräneanfalls ist an einen normalen Tagesablauf nicht zu denken und die Lebensqualität sinkt auf ein Minimum. Trotz dieser dramatischen Einschränkungen befindet sich nicht einmal die Hälfte der Betroffenen in ärztlicher Behandlung. Häufig wissen sie noch nicht einmal, dass die Beschwerden durch eine Migräne verursacht sind.

Symptome bei Migräne

Dabei lässt sich die Krankheit durch drei Fragen mit einer Genauigkeit von 93 Prozent feststellen. Sie müssen zwei der folgenden drei Fragen mit "Ja" beantworten? Dann sollten Sie zum Arzt gehen:

  • Wurden während der vergangenen drei Monate Ihre Aktivitäten einen Tag lang oder länger durch Kopfschmerzen eingeschränkt?
  • Leiden Sie während Ihrer Kopfschmerzen an Übelkeit oder Erbrechen?
  • Stört Sie Licht/Helligkeit während der Kopfschmerzattacken?

Migränepatienten leiden in der Regel unter anfallsartigen, starken Schmerzen, die typischerweise auf eine Kopfhälfte begrenzt sind. Der Schmerz hat einen pulsierenden oder pochenden Charakter und verstärkt sich bei körperlicher Anstrengung. Nicht selten wird die Migräne-Attacke durch Vorboten wie Augenflimmern oder andere Sehstörungen, Gleichgewichts- oder Sensibilitätsstörungen (Aura) eingeleitet.

Aufwändige Spezialuntersuchungen sind meist nicht notwendig. Da Kopfschmerzen aber auch Anzeichen anderer Krankheiten sein können, sollte die Diagnose vom Arzt gesichert werden. Außerdem kann er eine geeignete Therapie gegen das "Gewitter im Kopf" einleiten.

Behandlung von Migräne

Prinzipiell lassen sich die Therapie im akuten Anfall und vorbeugende Maßnahmen unterscheiden. Bei einem leichten Migräneanfall empfiehlt die Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) die frühzeitige und ausreichend hoch dosierte Einnahme von Paracetamol oder nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen.

Mittelschweren und schweren Migräneanfälle werden mit Triptanen behandelt –Wirkstoffe, die gezielt gegen Migräne wirken und die beste Wirksamkeit bei akuten Attacken besitzen. Sie unterbrechen die Schmerzsignale und lindern die Migränesymptome wie Übelkeit und Erbrechen. Doch obwohl Triptane die Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von schwerer Migräne sind, erhalten in Deutschland nur zehn Prozent der Frauen mit Migräne eine entsprechende Therapie. Kopfschmerzexperten fordern deshalb, die Qualität der Behandlung zu erhöhen.

Vorbeugende Migräne-Behandlung

Treten Migräneattacken häufiger auf, kommt evtl. eine vorbeugende Behandlung infrage. Als Substanzen der ersten Wahl empfiehlt die DMKG die Betablocker Metoprolol und Propranolol, Flunarizin (eine Substanz, die auch bei Schwindel eingesetzt wird) sowie Valproinsäure und Topiramat, die auch bei Epilepsie helfen. Als Substanzen der zweiten Wahl stehen Amitriptylin, Venlafaxin, Gabapentin, Naproxen, Acetylsalicylsäure, Pestwurz, Magnesium und Vitamin B2 zur Verfügung.

Als besonders wirksam erweist sich oft ist die Kopplung der medikamentösen Behandlung mit anderen Maßnahmen. Im Mittelpunkt steht eine entsprechende Lebensführung (z. B. ausreichend Schlaf & Entspannung, das Meiden bestimmter Lebensmittel, z. B. Rotwein, Käse, Schokolade, regelmäßiger körperlicher Ausgleich); unterstützend wirken oft Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation, Biofeedbackverfahren und die kognitive Verhaltenstherapie.

Migräneattacken rechtzeitig gegensteuern

Je früher Sie bei einem drohenden Anfall intervenieren, desto milder verläuft er häufig. Kündigt sich eine Attacke an, sagen Sie alle Termine ab, ziehen Sie sich zurück und legen Sie sich ins Bett. Zögern Sie nicht, ein Medikament einzunehmen – eine Untersuchung belegt, dass Patienten, die ein Triptan frühzeitig einnahmen, höhere Chancen auf komplette Schmerzfreiheit hatten, als Betroffene, die warteten bis der Anfall mittelschwer bis schwer war.

Sie sind unsicher, ob Sie wirklich an Migräne leiden oder haben Bedenken wegen der Medikamentennebenwirkungen? Sprechen Sie mit Ihrem Arzt! Dies ist umso wichtiger als dass Migränepatienten auch ein doppelt so hohes Risiko für Herzerkrankungen tragen wie andere Menschen. In einer Untersuchung des National Institute of Health in Bethesda (USA) wurden die Daten von 520 an Migräne Leidenden mit gesunden Kontrollpersonen verglichen.

Bei den Migräne-Patienten zeigte sich danach eine Häufung von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie hatten erhöhte Cholesterinwerte, erhöhten Blutdruck und rauchten häufiger als die Kontrollpersonen. Auch eine genetische Veranlagung war erkennbar. So traten bei den Eltern vermehrt frühe Herzinfarkte auf.

Tipp: Als Betroffener sollten Sie regelmäßig die Check-Up-Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen und ihre kardiovaskuläre Risikofaktoren beachten. Zu empfehlen ist auch ein regelmäßiges Fitnessprogramm mit Ausdauersportarten.

Aktualisiert: 06.06.2019

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