Chronische Schmerzerkrankungen

Gesicht einer Frau mit chronischen Schmerzen © MadalinIonut

Jeder Schmerz, vor allem wenn er unzureichend behandelt wird oder über einen längeren Zeitraum anhält, birgt das Risiko, chronisch zu werden. Ursache ist eine Veränderung von Nervenzellen auf der Ebene des Rückenmarks und des Gehirns. Erfahren Sie mehr über chronische Schmerzerkrankungen.

Akuter Schmerz als Schutzreflex

Jeder Mensch kennt Schmerzen, zum Beispiel nach einem Schnitt in den Finger oder nach einer Prellung. Von der Natur wurden Schmerzen als Warnsignale angelegt: Beim Griff auf die heiße Herdplatte nehmen freie Nervenenden die Schmerzreize auf und transportieren sie in Form elektrischer Impulse zu bestimmten Nervenzellen im Rückenmark. Dort wird bei akutem Schmerz ein Schutzreflex ausgelöst – die Hand wird von der heißen Herdplatte genommen.

Vom Rückenmark wird der Reiz an das Gehirn weitergeleitet. Dort findet die eigentliche Schmerzverarbeitung statt. Im Thalamus wird der Schmerz bewusst, im limbischen System kommt die affektiv-emotionale Komponente hinzu, in der Hirnrinde wird der Entstehungsort des Schmerzes erkannt und das Gefühl als Erfahrung gespeichert.

Wenn die Ursache des Schmerzes behoben ist, werden binnen kurzer Zeit die Informationen vermutlich wieder gelöscht. Der Schmerz hat seinen Zweck erfüllt, der Organismus geht zur Tagesordnung über.

Entstehung eines Schmerzgedächtnisses

Werden die schmerzverarbeitenden Nervenzellen über längere Zeit starken Reizen ausgesetzt, kann es zur Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses kommen. Das heißt, dem Gehirn werden selbst dann noch Schmerzen signalisiert, wenn die eigentliche Ursache längst beseitigt ist.

Letztendlich werden die beteiligten Nervenzellen empfindlicher und verarbeiten selbst leichte Reize oder Berührungen als Schmerz oder geben Schmerzimpulse ohne eine Ursache weiter.

Ein Schmerzgedächtnis ist nicht löschbar

Wenn es bereits zu einer Schmerzchronifizierung gekommen ist, ist es derzeit noch nicht möglich, ein entstandenes Schmerzgedächtnis pharmakologisch wieder zu löschen.

Sogenannte Gegenirritationsverfahren wie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) oder die Elektro-Akupunktur können in manchen Fällen die gesteigerte Empfindlichkeit des Nervensystems im Rückenmark reduzieren.

Nicht jeder Schmerz wird chronisch

Aus akuten Schmerzen, insbesondere bei unzureichender Behandlung, können quälende chronische Schmerzen entstehen. Aber nicht jeder akute Schmerz wird chronisch. Dies deutet auf körpereigene Faktoren hin, die einer Chronifizierung entgegenstehen. Solche Antichronifizierungsfaktoren sind bislang wenig erforscht.

Aktualisiert: 04.02.2019 – Autor: Udo Schmidt

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