AB0-Blutgruppensystem

Roche Lexikon Logo
  • Etymol.: spr. a-be-null

  • Englischer Begriff: AB0 blood group system

Abbildung   Tabelle

(Landsteiner 1900) das zuerst entdeckte „klassische“ System der Blutgruppen des Menschen. Merkmale sind an die Erythrozytenmembran gebunden und werden nach den Mendel-Gesetzen vererbt. „Natürliche“ IgM-Antikörper (reguläre Isoantikörper = Isoagglutinine) gegen die individuell fehlenden Merkmale (Antigene) des Systems sind bereits beim Neugeborenen nachweisbar. Es umfasst vier verschiedene Gruppen, nämlich A, B, AB u. 0 (z.T. mit Untergruppen [A1, A2; A1B, A2B] u. Varianten [z.B. A3, Ax; letztere umfasst A0 u. A4]). Die Blutgruppen werden durch die Gene A1/A2, B u. 0 bestimmt. Die Produkte des 0-Gens sind weder an Ery noch im Serum nachweisbar (das Gen ist amorph = stumm); die Produkte der anderen Gene sind antigen wirksame Glykoproteide. Die jeweils zwei Erbanlagen sind auf dem langen Arm des Chromosoms 9 (9q34) lokalisiert. Ferner besitzen alle Erythrozyten eine sog. heterogenetische Substanz „H“ (Vorläufersubstanz; Präkursor der A- u. B-Substanzen). Chemisch ist die Spezifität von A gebunden an α-N-Acetyl-d-Galactosamin, von B an d-Galactosid u. von H an l-Fucose (Anlagerung der Letzteren an das Blutgruppen-Lipoproteinskelett enzymatisch gesteuert [Glucosyltransferase] durch das H-Gen; ist Voraussetzung für Wirksamwerden der anderen Blutgruppen-Gene). Die Blutgruppensubstanzen sind auch in Zellen anderer Organsysteme nachweisbar, bei Sekretoren auch im Speichel, Schweiß, Harn. Der Nachweis der Gruppen erfolgt mit Hilfe von Testseren (mit entsprechenden Antikörpern): Untergruppe A1 durch Anti-A1-Seren u. Anti-A1-Phytagglutinine (Lectine); Untergruppe A2: indirekter Nachweis (als nicht mit Anti-A1-Seren reagierendes A); B: durch Anti-B-Seren; s.a. Tab., Abb. (A-Untergruppen, -Varianten unberücksichtigt). Die H-Substanz wird durch Anti-H-Phytagglutinine nachgewiesen. Die Blutgruppenbestimmung ist u.a. wichtig für Bluttransfusion (AB0-Inkompatibilität) u. für gerichtsmedizinische Gutachten. Die A-Untergruppen wurden – wie auch „schwache“ A-Varianten – später anhand der unterschiedlichen Agglutinationsstärke entdeckt (A1 bis A5 bzw. Ax, A0, Am usw.; auch Zwischenformen zwischen A1 u. A2 = intermediäres A = Ai). Die schwache B-Eigenschaft bzw. B-Varianten sind selten (B2, B3 bzw. Bw, Bx etc.) u. klinisch ohne Bedeutung. Die Varianten Am u. Bm sind nur im Speichel u. anderen Körperflüssigkeiten nachweisbar. S.a. Landsteiner-Regel.

Medizin-Lexikon durchsuchen

Wonach suchen Sie? Bitte geben Sie Ihren Suchbegriff ein:

Roche Lexikon – ein Service von Urban & Fischer/Reed Elsevier

Das Roche Lexikon Medizin gibt es auch als Buch, CD-Rom, Kombiausgabe und mit Rechtschreibprüfung.