Blut

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  • Synonyme: Sanguis; Körperhämatokrit

  • Englischer Begriff: blood

im Blutkreislauf zirkulierende Suspension von Blutzellen (Erythrozyten, Leukozyten, Blutplättchen) im Plasma mit für den Organismus vielfältigen, nicht anderweitig ersetzbaren Funktionen. Vielfach als „flüssiges Gewebe“ bezeichnet. Zahlreiche Aufgaben im Wärmehaushalt sowie im Stofftransport für Gase, Nährstoffe, Intermediärprodukte, Abwehrstoffe, Abbauprodukte, Wirkstoffe, Hormone, gerinnungsaktive Substanzen, Zellen. Gesamtblutvolumen: Es wird je nach Bestimmungsmethode zwischen 65,6 u. 71,4 ml/kg Körpermasse mit einer Schwankungsbreite von 51–87 ml/kg Körpermasse angegeben. Dabei beträgt das gesamte Erythrozytenvolumen 25,8 ml/kg (bei Frauen) Körpermasse bzw. 30,3 ml/kg Körpermasse (bei Männern). Das Volumenverhältnis von Blutzellen zu Plasma beträgt bei Männern 44–48 zu 56–52. Die Gesamtblutmenge ist bei Bezug auf das Körpergewicht bei Männern durchschnittlich etwas größer als bei Frauen. Bei der Geburt beträgt das Gesamtblutvolumen um 300 ml; es verdoppelt sich im 1. Lj. Sportliche Betätigung führt zur Vermehrung des Gesamtvolumens. Physiol.: Der physiologische Zustand des B. ist größtenteils durch physikalische Faktoren bestimmt. Eine der Hauptfunktionen, der Stofftransport, nutzt die physikalisch-chemischen Eigenschaften der Eiweißstoffe, der sog. Trägerproteine (s.a. Plasmaproteine). Die elektrische Ladung einzelner Plasmabestandteile u. die elektrische Oberflächenladung der Blutzellen sind Voraussetzung für ihre Wanderung im elektrischen Feld (Elektrophorese). Wasser ist der Hauptbestandteil des B. mit 90% im Plasma u. 65% in den Blutzellen. Der normale kryoskopische Punkt des Blutplasmas liegt bei –0,56 °C (± 0,01). Die Niere ist vorwiegend für die Aufrechterhaltung der Isotonie des B. verantwortlich. Der onkotische Druck der Plasmaproteine beeinflusst wesentlich den Wasseraustausch im Kapillarsystem. Die Konstanz der Isohydrie ist für den Ablauf aller biologischen Vorgänge Vorbedingung. Der normale pH-Wert liegt zwischen 7,37 u. 7,45. Puffersysteme des Plasmas u. der Blutkörperchen steuern die Erhaltung des Säuren-Basen-Gleichgewichts, wobei das Kohlensäurehydrogenkarbonatsystem den wichtigsten Puffer darstellt. Die Fähigkeit des B., Kohlensäure in Form von Hydrogenkarbonat zu binden, hängt von der Menge des nicht fest gebundenen Alkalis ab. Der Wert dieser Alkalireserve beträgt 55–56 Vol.-% gebundener Kohlensäure. Die Konstanz des Säuren-Basen-Gleichgewichts wird weiterhin durch das System NaH2PO4–Na2HPO4, die Plasmaproteine u. die Erythrozyten aufrechterhalten. Blutviskosität, Berechnungsindex des Serums sowie die Oberflächenspannung des Plasmas sind weitere physikalische Kriterien des B. Diagn. Kriterien: Bereits unter physiologischen Bedingungen findet im Ablauf der Lebensvorgänge ein dauernder Zustrom in die u. ein Abstrom von Stoffen aus der Blutbahn statt. Enge Wechselbeziehungen bestehen zwischen der Zusammensetzung des Plasmas u. den verschiedenen Organfunktionen. Größe des Einstroms in die Blutbahn, Transportmöglichkeit bzw. -kapazität u. Größe des Ausstroms aus der Blutbahn sind bestimmend für die jeweilige Konzentration eines Stoffs im B. Veränderungen dieser Stoffkonzentration, d.h. der Zusammensetzung des B., können wichtige diagnostische Hinweise erlauben, wenn der entsprechende Blutspiegel, der normalerweise nur in engen Grenzen schwankt, im Sinne einer Verminderung oder Vermehrung abweicht. Das Zellpackungsvolumen (PCV für engl.: packed cell volume) wird in der medizinischen Praxis meist mittels des Hämatokritverfahrens bestimmt, bei dem Blutkörperchen mittels Zentrifugalkraft in einem Röhrchen zusammengepresst werden.

  • B., arterielles
    das nach Sauerstoffaufnahme in der Lunge hellere, in den Arterien des... (mehr)
  • B., okkultes   Tabelle
    eine mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbare Blutbeimengung im Harn (Mikrohämaturie)... (mehr)
  • B., venöses
    das sauerstoffärmere, aber CO2-reichere B. im Venensystem (u... (mehr)

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