Mobilisationstechniken

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    physiotherap. Methoden zur Muskelentspannung u. -dehnung, Normalisierung des Muskeltonus u. Verbesserung der Beweglichkeit. Es lassen sich verschiedene Mobilisationstechniken unterscheiden: Bewegen unter Traktion: vorsichtige Bewegung in Traktionsstufe III bei schmerzfreier Ausgangsstellung u. fixiertem proximalem Gelenkpartner; dient der Aufhebung einer schmerzhaften Gelenkblockierung, z.B. durch freie Gelenkkörper oder Korbhenkelriss des Meniskus. Endgradiges anguläres Bewegen (Rotation): Bewegungen um die anatomische Achse mit maximalem Bewegungsausschlag; dient der Verlängerung des kollagenen Gewebes bei strukturellen Bewegungseinschränkungen mit Kapselmuster. Gleitmobilisation u. Traktionsmobilisation (Translationen): nach Einstellung u. Fixierung des maximal möglichen Bewegungsausmaßes einen Gelenkpartner parallel zur Behandlungsebene verschieben; dient der Verlängerung des kollagenen Gewebes bei strukturellen Bewegungseinschränkungen mit Kapselmuster unter bestmöglicher Vermeidung einer Kompression. Weichteilmanipulation: nach maximaler Vorspannung der betroffenen Sehne Traktionsmanipulation am distalen Gelenkpartner; dient der Wiederherstellung einer normalen Gleitfähigkeit der Sehne in der Sehnenscheide, z.B. bei chronischer Tendovaginitis. Haut-Muskel-Reflex nach Brügger: Kälteanwendung unter kräftigem Druck auf dem Agonisten, evtl. Hitzeanwendung auf dem Antagonisten; dient der Tonussenkung des Antagonisten u. Tonusregulation des Agonisten, z.B. bei Kontrakturen. Querreiben: in Dehnstellung des Muskels quer zum Faserverlauf mit gleich bleibendem Druck flächig u. langsam reiben; dient der Verbesserung der Durchblutung sowie der Senkung des Muskeltonus bei schmerzhaft eingeschränkter Beweglichkeit. Querfriktionen nach Cyriax: nach Vorbehandlung durch Hitze/Ultraschall Friktion quer zum Faserverlauf; dient der Tonussenkung, Schmerzlinderung, Mobilisation von Verklebungen, z.B. bei schmerzhaften Sehnenansatzreizungen. Funktionsmassage nach Evjenth/Terrier: Muskel längs zum Faserverlauf gegen Unterlage drücken u. nach proximal schieben, gleichzeitig Muskel in Drehung bewegen; dient der Tonussenkung, Schmerzlinderung, kontrollierten Stimulation der betroffenen Strukturen, z.B. bei eingeschränkter Beweglichkeit. Agistisch-exzentrische Kontraktionen nach Brügger: Patient geht aktiv an das Bewegungsende, Therapeut bewegt exzentrisch vom Bewegungsende weg, anschließend konzentrisch in die eingeschränkte Richtung; dient der Erweiterung des Bewegungsausmaßes, z.B. bei Kontrakturen. Postisometrische Relaxation: an die Anspannung des antagonistischen Muskels am Bewegungsende anschließende Entspannung, dann betroffenen Teil mit Eigenschwere sinken lassen; dient der Bewegungserweiterung bei schmerzhaft eingeschränkter Beweglichkeit. Ermüdung der Antagonisten (Sherrington 1): an die Anspannung des antagonistischen Muskels am Bewegungsende anschließende Entspannung, dann aktiv oder passiv weiter in die eingeschränkte Richtung bewegen; dient der Bewegungserweiterung bei eingeschränkter Beweglichkeit. Reziproke Hemmung (Sherrington 2): an die statische Anspannung des Agonisten am Bewegungsende anschließende Weiterbewegung in die gewünschte Richtung durch nachlassenden Widerstand des Therapeuten; dient der Bewegungserweiterung durch Tonussenkung der Antagonisten bei eingeschränkter Beweglichkeit. Betontes Arbeiten an der Bewegungsgrenze: Patient geht aktiv an das Bewegungsende, Therapeut bewegt exzentrisch aus Bewegungsende heraus, Patient bewegt aktiv weiter in die gewünschte Richtung (mehrmals wiederholen); dient der Bewegungserweiterung bei schmerzhaft eingeschränkter Beweglichkeit. Manuelles Querdehnen: nach Vordehnung des Muskels diesen quer zum Faserverlauf verschieben, Patient spannt den Muskel dann gegen Widerstand an, danach entspannen u. weiter dehnen; dient der Bewegungserweiterung bei eingeschränkter Beweglichkeit an Gelenken, die nicht bewegt werden können oder dürfen. Längsdehnen: nach Hitzeanwendung manuelles Dehnen über ein oder mehrere Gelenke; dient der Dehnung der Muskulatur bei verkürzten Muskeln oder als Vorbereitung zum Sport.

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