Morbus haemolyticus neonatorum

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Morbus
  • M. haemolyticus neonatorum

  • Synonyme: hämolytische Fetose

  • Englischer Begriff: fetal erythroblastosis

„fetale Erythroblastose“ mit beschleunigtem Abbau roter Blutkörperchen durch mütterliche Isoantikörper infolge Blutgruppenunverträglichkeit (v.a. bei Rh- oder AB0-Inkompatibilität) zwischen Mutter u. Kind, d.h. bei Rh-Kindern rh-negativer Mütter bzw. bei A- oder B-Kindern von Müttern mit Blutgruppe 0. Grundlage sind Immunprozesse als Folge der Sensibilisierung der Mutter durch Erythrozyten des Fetus, gefolgt von Übertritt inkompletter Antikörper (AK; u. zwar IgG) auf den Fetus, wobei AK des Rh- u. Kell-Systems nur mit fetalen Ery, Anti-AB auch mit extraerythrozytären A- u. B-Rezeptoren reagieren (leichterer Verlauf); die Antikörper wirken als Opsonine oder Hämolysine (v.a. bei Rh- bzw. AB0-Erythroblastose). Rh-Fälle treten allgemein nur bei der 2. oder weiteren Schwangerschaft, AB0-Fälle evtl. schon bei der 1. auf. Klinik: Hauptsymptome sind Anämie, Gelbsucht (Icterus neonatorum gravis), Hydrops universalis (v.a. bei Rh-Erythroblastose), ferner Milz- u. Lebervergrößerung, Retikulozytose, Erythroblastämie, Leukozytose, evtl. Thrombozytopenie, Hypoproteinämie, extramedulläre Erythropoese, abnorme Eisenablagerungen. Diagn.: vor der Geburt möglich durch Nachweis mütterlicher irregulärer IgG-AK (ab 22. Wo.), durch indirekten Coombs-Test, wiederholte spektrophotometrische Fruchtwasseruntersuchung, nach der Geburt durch Nachweis Ery-gebundener Rh-AK durch direkten Coombs-Test u. von IgG durch AB-Gammatest u. durch Bestimmung der – erniedrigten – Acetylcholinesterase in Ery des Neugeborenen. Ther. u. Prophyl.: Der Zustand bedarf in Anbetracht der Gefahr der Bilirubinenzephalopathie bzw. – pränatal – des Abortes bzw. der Totgeburt der Austauschtransfusion (bei positivem Coombs-Test), evtl. einer pränatalen fetalen Transfusion; s.a. Blaulichtbestrahlung. – Nach einer 1. Rh-inkompatiblen Schwangerschaft ist Vorbeugung möglich durch Verabfolgung von Anti-D-Gammaglobulin an die Schwangere unter Kontrolle der fetalen Ery im mütterlichen Blut. S.a. Morbus haemorrhagicus.

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