Thymus 1)

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Thymus
  • 1)

  • Synonyme: Bries

  • Englischer Begriff: thymus

primäres lymphatisches Organ, das für die Entwicklung des Immunsystems von Bedeutung ist. Im klassischen Altertum als Sitz des Gemüts angesehen. Als Abkömmling entodermalen Schlundtaschenepithels sowie ektodermalen Kiemenfurchenepithels entsteht der Th. aus einer doppelten Anlage, die später als re. u. li. Lappen im vorderen Mediastinum hinter dem Manubrium sterni liegt. Gelegentlich ringförmig (Th. anulare) u. die obere Hohlvene einschnürend. Bis Pubertätsbeginn wachsend, dann allmählich Umwandlung in einen Fettgewebskörper (bis auf Reste). Beide Lappen sind durch Furchen weiter unterteilt. Halswärts verjüngen sich die Lappen zu Thymushörnern u. erreichen mitunter die Schilddrüse. Aufbau: Von einer zarten Bindegewebekapsel aus ziehen Septen in das Innere u. teilen Läppchen (Lobuli thymi) ab. Jeder Lobulus hat eine helle Markzone (Medulla), umgeben von dunkler Rinde (Kortex). Grundgerüst beider sind epitheliogene Retikulumzellen (Epithelioreticulocyti thymi). Eingelagert sind Thymuslymphozyten (Thymozyten), in der Rinde mehr, im Mark weniger. Charakteristisch sind Hassall-Körperchen (Corpuscula thymi) im Mark. Nach der Pubertät wird der Th. zurückgebildet (Thymusinvolution), das lymphatische Gewebe weitgehend durch Fettgewebe ersetzt. Funktion: Der Th. ist neben dem Knochenmark das primäre lymphatische Organ des spezifischen Immunsystems. In ihm erfolgt die Entwicklung der immunkompetenten T-Lymphozyten aus Stammzellen („Prägung“). Diese Entwicklung durchläuft mehrere Reifungsstadien, die sich durch die Expression unterschiedlicher Oberflächenantigene unterscheiden lassen. Die Besiedlung des Th. mit Stammzellen erfolgt aus dem Knochenmark. Um die T-Lymphozyten in den Phasen der Prägung vor im Blut befindlichen Antigenen zu schützen, haben die Kapillaren die „Blut-Th.-Barriere“ (bestehend aus Endothel ohne Poren, sehr dicker Basalmembran u. einer Kapillarhülle aus Fortsätzen der epitheliogenen Retikulumzellen). An der Prägung sind vermutlich auch „Ammenzellen“ beteiligt, große Zellen im Th., in denen sich mehrere Lymphozyten befinden können. Nach der Prägung besiedeln die T-Lymphozyten die sekundären lymphoiden Organe. Die Besiedlung des Th. mit Stammzellen erfolgt speziesabhängig zu unterschiedlichen Zeitpunkten; gilt bei den meisten Säugern mit der Geburt bzw. wenige Tage danach als abgeschlossen. Eine angeborene Thymushypoplasie (Di-George-Syndrom) führt zu zellulären Immundefekten mit ausgeprägtem T-Lymphozyten-Mangel.

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