Dekubitus: Ursachen, Diagnose, Behandlung

Bettlägerige Frau mit Dekubitus © istockphoto, shironosov

Ein Dekubitus ist eine Ernährungsstörung der Haut und des Unterhautgewebes. Sie entsteht durch längerfristige Druckeinwirkung und Kompression von Blutgefässen. Eventuell kann es zum Absterben der Haut und zu Infektionen kommen. Oftmals sind bettlägerige Menschen betroffen, aber es gibt auch andere Ursachen.

Ursachen von Dekubitus 

Am häufigsten tritt ein Dekubitus bei Bettlägerigkeit auf. Dekubitusgefahr besteht vor allem an Körperstellen, an denen sich zwischen Haut und darunter liegenden Knochen keine beziehungsweise nur wenig Muskulatur befindet. Zu nennen sind hauptsächlich

  • Fersen
  • Knöchel
  • Beckenkämme
  • Steissbein
  • Hinterkopf
  • Beckenschaufeln

Letztendlich kann aber an allen Stellen ein Dekubitus auftreten. Ein Dekubitus kann auch unter schlecht sitzenden Prothesen oder zu engen Gipsverbänden auftreten.

Wichtige Faktoren bei der Entstehung eines Dekubitus 

Bei der Dekubitusentstehung spielen drei Faktoren eine entscheidende Rolle:

  1. Druck (Auflagedruck)
  2. Zeit (Druckverweildauer)
  3. Disposition (Risikofaktoren)

Erst wenn ein gewisser Druck über eine längere Zeit (zwei Stunden) bei einer bestehenden Disposition des Patienten besteht, kommt es zu einer Schädigung der Haut. Ein Faktor für sich alleine führt nicht zum Dekubitus.

1. Druck

Die Durchblutung der Hautkapillaren, der feinsten Blutgefäßen, die für die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der einzelnen Organe sorgen, wird behindert, sobald der Druck auf die Kapillaren ein bestimmtes Mass überschreitet. Der Druck auf die Haut kann von außen oder von innen ausgeübt werden:

  • Druck von außen: Zum Beispiel Falten im Bettlaken, ungepolsterte Lagerungsschienen, Krümel im Bett, aber auch Katheter und Sonden, wenn sie unter dem Patienten liegen.
  • Druck von innen: Durch Knochen, die ohne Muskel und Fettpolster direkt unter der Haut liegen.

2. Zeit

Entscheidend ist, wie lange der Druck auf bestimmten Hautbezirken lastet. Wenn die Ernährung der Hautzellen weniger als zwei Stunden unterbrochen wurde, können sie sich wieder erholen. Bei länger anhaltendem Sauerstoffmangel sterben einzelne Zellen ab, es bildet sich eine Nekrose (Gewebstod).

3. Disposition

Die Haut wird zum Beispiel geschädigt durch:

  • Fieber: Durch Schwitzen kommt es zur Austrocknung des Körpers und zu einem erhöhten Sauerstoffverbrauch
  • Feuchtigkeit: Feuchte Haut weicht auf und ist dadurch anfälliger
  • Inkontinenz: Bei inkontinenten Patienten wird die Haut nicht nur durch Feuchtigkeit, sondern zusätzlich durch den sauren pH-Wert des Urins und eventuell durch bakterielle Kontamination (Darmbakterien) belastet
  • Übergewicht: Dicke Patienten schwitzen in der Regel stärker, gleichzeitig ist das auf der Haut lastende Gewicht größer
  • Scherkräfte: Die "schiefe Ebene" bei falschem Sitzen zerrt an der Haut

Die Haut wird schlecht durchblutet bei:

  • Blutarmut und Herzschwäche, die eine Mangeldurchblutung begünstigen
  • Diabetes mellitus: hier ist zusätzlich zur Durchblutung auch der Zellstoffwechsel gestört

Risikofaktoren für einen Dekubitus

Die Druckentlastung wird behindert durch mangelnde Bewegung (Immobilität), Bettlägrigkeit (etwa bei Bewusstlosigkeit), Lähmungen wie Hemiplegie und durch therapeutische Ruhigstellung (Gips). Weitere Risikofaktoren sind zum Beispiel:

  • Abwehrschwäche des Körpers durch eine unzureichende Ernährung (Beispielsweise Mangel an Eiweiß, Zink oder Vitamin C)
  • schlechter Allgemeinzustand
  • Kachexie (Auszehrung)
  • chronische Erkrankungen, die zum Flüssigkeitsverlust und zu Atrophie der Haut führen

Verlauf eines Dekubitus

Beim Verlauf werden vier Schweregrade des Dekubitus unterschieden:

  1. Bei einem Dekubitus ersten Grades sieht man nur eine umschriebene Rötung der Haut.
  2. Im zweiten Grad ist schon ein Hautdefekt aufgetreten.
  3. Bei einem Dekubitus dritten Grades handelt es sich um einen tiefen Hautdefekt, Muskeln, Sehnen und Bänder sind sichtbar.
  4. Bei der schlimmsten Form kommt es zu einem Defekt mit Knochenbeteiligung.

Komplikationen eines Dekubitus

Als erschwerender Faktor kann eine Infektion der Wunde hinzukommen. Wenn das Gewebe abstirbt, muss es chirurgisch entfernt werden.

Behandlung eines Dekubitus

Muss ein Dekubitus behandelt werden, ist es meist schon zu spät. Ganz wichtig ist die Vorbeugung, damit es erst gar nicht zu einem Druckgeschwür kommt. Besonders bei bettlägrigen Patienten sollte die Haut gut gepflegt werden. Einreiben mit durchblutungsfördernden Salben und eine Massage der gefährdeten Stellen kann einen Dekubitus von vorneherein verhindern. Außerdem sollte auf eine weiche Lagerung, eventuell auf Spezialmatratzen, geachtet werden.

Zu einer guten Pflege gehört außerdem das zweistündliche Umlagern des Patienten. Es wird dabei nach einem Lagerungsplan vorgegangen: Rückenlage, Seitenlage rechts, eventuell Bauchlage, Seitenlage links, Rückenlage usw. Bei den ersten Anzeichen eines Dekubitus (Hautrötung) ist schon eine gute Hautpflege die entsprechende Therapie.

Offene Wunden müssen sorgfältig gereinigt werden. Entzündungshemmende und heilungsfördernde Salben werden auf die Wundfläche aufgetragen. Tritt nach drei bis vier Tagen keine Besserung der Krankheitserscheinungen ein, sollten die Medikamente gewechselt werden. Ist die Haut und das umgebende Gewebe schon abgestorben, so muss es chirurgisch entfernt werden.

Aktualisiert: 14.02.2018

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?