Die vergessenen Hautpatienten

Die alte Dame liegt mit Windel und Nylon-Strumpfhosen im Bett. Sie kratzt sich, der Juckreiz ist unerträglich. Bewegen kann sich die 85-Jährige kaum noch. Und sie ist kein Einzelfall. Die Situation in Altenheimen ist für Patienten wie Pflegende oft schwierig. "Zeit für die richtige Hautpflege, körperliche Berührungen oder Gespräche bleibt kaum", sagt Dr. Wolfgang Lensing aus Hannover. Zuwendung, die alten Menschen und ihrer Haut fehlt.

Die Haut im Alter ist anders

"Juckreiz ist häufig das quälendste Problem für Menschen in Altersheimen", erklärt der erfahrene Dermatologe. Die Haut älterer Menschen unterscheidet sich wesentlich von junger Haut. Der Feuchtigkeits- und Fettgehalt sinkt, die Haut trocknet aus und beginnt zu jucken. Kunstfaserkleidung und das Waschen mit flüssigen Seifen belastet die Haut zusätzlich. Sie wird immer anfälliger für Infektionen. Dr. Lensing: "In eine gesunde, gut gefettete Haut können kaum Bakterien oder Krätzmilben eindringen, bei Altershaut haben sie jedoch leichtes Spiel."

Welche Probleme treten auf?

Im Alter werden die Hautschichten dünner und empfindlicher. Die Einnahme von Medikamenten wie Herz- oder Beruhigungsmitteln fördern übermäßiges Schwitzen oder Juckreiz. Infolge mangelnder Bewegung bilden sich in Körperfalten Ekzeme, an den Beinen Thrombosen oder gar offene Stellen, so genannte Ulcera. Auch Druckstellen (Decubiti) sind ein häufiges Problem bei älteren Patienten, die sich nicht mehr selbst drehen und wenden können oder bei denen die Nerven die Information der Haut nicht mehr weiterleiten, so dass die Betroffenen nicht merken, dass sie sich drehen müssten. "Alte Menschen stellen die größte medizinische Herausforderung dar, sie bedürfen der umfassendsten medizinischen Betreuung und dürfen nicht auf eine Minimalversorgung abgeschoben werden", so Dr. Lensing. Warum dreht sich ein Patient nicht mehr und liegt sich wund? Zunächst müssen internistische Grundkrankheiten abgeklärt werden. Nicht immer sind Pflegefehler Ursache für Geschwüre. Gründe hierfür können zum Beispiel auch ein Demenz-Syndrom, Eisenmangel-Anämien oder Nieren-Versagen sein, etwa wenn die Patienten nicht genügend trinken. Häufig offenbart erst ein Bluttest den wahren Grund.

Was sollen Angehörige machen?

"Sobald Veränderungen auf der Haut zu sehen sind, sollten Angehörige einen Facharzt einfordern", rät Dr. Lensing. In einigen Heimen gibt es bereits einen Hautarzt des Vertrauens für alle Heimbewohner. Eine gute Regelung, da Hausbesuche quasi kaum mehr bezahlt werden. Deshalb sollte man sich zunächst beim Pflegepersonal erkundigen, ob ein Hautarzt für das Heim zuständig ist. Die Ärztekammer gibt ebenfalls Auskunft darüber, welcher Dermatologe in der näheren Umgebung Hausbesuche in Altersheimen macht. Oft ist das Reiben und Kratzen der Haut jedoch auch eine Reaktion des Menschen auf den drohenden "Ich-Verlust" mangels Körperkontaktes und sozialer Bezüge. Der Tipp vom Hautarzt: Zu Weihnachten keine Pflegeserien verschenken! "Zuwendung ist nicht Duschgel und Parfüm, sondern Gespräch und liebevolle Berührung."

Allergien - auch beim Pflegepersonal - auf dem Vormarsch

Auch für das Pflegepersonal bedeuten die vielen verschiedenen Pflegeprodukte eine Belastung, mit denen sie – dank gut gemeinter Geschenke – im Laufe eines Tages in Berührung kommen müssen. Allergien bei Pflegenden nehmen dadurch erheblich zu und können zur Berufsaufgabe zwingen.

Aktualisiert: 04.04.2014 – Autor: Berufsverband der Deutschen Dermatologen

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