Wie Ohrenkerzen wirken

Anwendung von Ohrenkerzen © istockphoto, Wavebreakmedia

Ohrenkerzen, auch Ohrkerzen oder Hopi-Kerzen genannt, sollen einer – vermutlich erfundenen – Legende nach von indianischen Völkern traditionell zur Reinigung der Ohren eingesetzt worden sein. Ohrenkerzen werden zur Entspannung, gegen Ohrenschmalz sowie bei Problemen mit dem Ohr, etwa auch bei Ohrengeräuschen eingesetzt. Seit 1990 werden Ohrenkerzen auch in Deutschland verkauft. Den Herstellern zufolge sollen Ohrenkerzen ihre Wirkung bei Erkältungen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Hyperaktivität, Ohrenschmerzen sowie Tinnitus entfalten können.

Wofür sind Ohrenkerzen gut?

Immer mehr Dienstleister aus dem Wellness-Bereich bieten eine Ohrkerzenbehandlung zum Abbau von Stress an. Durch das Brennen der Ohrenkerze werden leichte Schwingungen erzeugt, die die Ohrstruktur sowie diverse Reflexpunkte stimulieren sollen. 

Bekannt sind Ohrenkerzen aber vor allem dafür, angeblich das Ohrenschmalz zu entfernen und so die Ohren zu reinigen.

Woraus Ohrenkerzen bestehen

Eine Ohrkerze besteht aus einem etwa 20 cm langen, hohlen Röhrchen, das wie ein Trichter geformt ist. Traditionell bestehen Ohrkerzen aus Flachs, allerdings dient heute Baumwolle als Ersatz. Der Baumwollstoff ist in Bienenwachs getränkt sowie mit individuellen Mischungen aus Kräutern und ätherischen Ölen bestückt.

Am unteren Ende der Ohrenkerzen ist oft ein Filter oder Tropfschutz angebracht, damit das Wachs nicht ins Ohr hineingelangen kann.

Anwendung von Ohrkerzen

Bei der Anwendung von Ohrenkerzen liegt man auf der Seite. Die Ohrenkerze wird zunächst mit einer vorsichtigen Drehbewegung senkrecht in das Ohr geführt, sodass der Gehörgang luftdicht verschlossen ist.

Dann wird die Ohrkerze angezündet, sodass warmer Rauch in das Innere der Ohren gerät.

Aus Sicherheitsgründen ist zu empfehlen, dass die Ohrkerze niemals selbst, sondern immer von einer zweiten Person in das Ohr eingeführt werden soll. Grundsätzlich sollte diese zweite Person immer dabeibleiben, um Unfällen und Verletzungen vorzubeugen.

Wirkung von Ohrkerzen

Die mögliche positive Wirkung der Ohrkerzen soll durch den sogenannten Kamin-Effekt zustande kommen. Denn durch das Anzünden der Ohrkerze im Ohr entsteht ein Luftzug nach unten, der wiederum einen leichten Überdruck erzeugt. Nachdem die Hälfte der Ohrenkerze abgebrannt ist, gerät der Luftzug nach oben, sodass eine Druckentlastung bewirkt wird.

Eine mögliche Wirkung von Ohrkerzen lässt sich in drei Phasen aufteilen:

  1. Nach dem Anzünden der Ohrkerze kann sich diese auf den äußeren Gehörgang auswirken. Die erwärmten Kräuter sowie Aromen, die sich außerhalb der Ohrenkerze befinden, sollen zu einer Intensivierung der möglicherweise positiven Wirkung führen.
  2. Druckverhältnisse wechseln sich ab. Dadurch soll die Durchblutung im Ohr gefördert sowie der Lymphfluss angeregt werden. Zudem soll der Unterdruck das Ohrenschmalz aus dem Gehörgang herausziehen.
  3. Nun findet ein Druckausgleich statt. Dieser soll einen entspannenden Effekt auf die Atmung und das Herz haben sowie zu einer kompletten Entspannung des ganzen Körpers führen.

Ohrenkerzen medizinisch umstritten

Eine mögliche positive Wirkung der Ohrenkerzen ist jedoch aus medizinischer Sicht nicht belegt. Auch der reinigende Effekt lässt sich nicht bestätigen, denn der entstehende Unterdruck ist nicht stark genug, um den Ohrenschmalz aus den Ohren zu ziehen – allerhöchstens kann dieser etwas gelockert werden.

HNO-Experten weisen sogar daraufhin, dass die Behandlung mit Ohrenkerzen auch Verletzungen am Ohr und im Gesicht verursachen kann. Denn das heiße, tropfende Wachs der Ohrenkerze kann möglicherweise auch dazu führen, dass der äußere Gehörgang des Ohrs verstopft wird. Außerdem kann die brennende Ohrenkerze auch Verbrennungen am äußeren Ohr, dem Mittelohr oder etwa am Gesicht verursachen.

Deshalb ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Ohrenkerze über Sicherheitsmerkmale wie eine Abbrennmarkierung und einen Sicherheitsfilter oder Auffangteller verfügt. Zudem sollte man die Behandlung niemals alleine durchführen. Nach dem Anzünden der Ohrenkerze kann diese nur noch mithilfe von Wasser gelöscht werden, daher sollte bei der Verwendung von Ohrenkerzen ein mit Wasser gefülltes Glas als Vorsichtsmaßnahme in Greifnähe sein.

Des Weiteren können auch allergische Reaktionen auf die Inhaltsstoffe der Ohrkerzen, etwa auf die ätherischen Öle oder Kräuter, ausgelöst werden.

Wann sollte man Ohrenkerzen nicht anwenden?

Bei folgenden Gesundheitszuständen sollte man Ohrkerzen nicht anwenden:

  • bei eitrigen Entzündungen im Ohr
  • bei Pilzinfektionen im Ohr
  • bei Trommelfellverletzungen
  • bei akuten Ohrenschmerzen

Es ist in diesen Fällen ratsam, direkt einen HNO-Arzt aufzusuchen. Wer sich für eine Behandlung mit Ohrenkerzen entscheidet, sollte sich über die Behandlung an sich sowie über alle möglichen Risiken bei der Anwendung von Ohrkerzen von einem Arzt beraten lassen.

Aktualisiert: 22.02.2017 – Autor: Sabrina Haas

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